FLENSBURGER TAGEBLATT
Mit Helm: Ein Flensburger in Hanoi
Jörg Reschke hat sich schnell an den Motorroller, das beliebteste Verkehrsmittel im chaotischen Verkehr in Hanoi, gewöhnt. Foto: sh:z
Singapur. Als ehemaliges "Flensburger Nordlicht" wollte Jörg Reschke unbedingt Asien kennen lernen und setzte die Idee im letzten Herbst kurzerhand in die Tat um. Damals bewarb er sich für sein Uni-Praktikum bei Stiftungen in ganz Asien - von Pakistan bis zu den Philippinen - und bekam dann die schnellste Zusage von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Vietnam.
"Ich habe mich riesig gefreut und gleich mal auf der Landkarte nachgeschaut, wo das Land eigentlich so liegt. Von meinem Zivildienst in Sarajevo kannte ich die Situation in ehemaligen Krisenländern schon ein wenig und war umso mehr gespannt, wie ich in Vietnam zurechtkommen würde."
Solche Herausforderungen haben ihn schon in Flensburg hochgradig motiviert. Wenn es um Projekte für Schüler und Jugendliche ging, war er immer vorne mit dabei. Nicht nur als Präsident der Jugendratsversammlung oder Experte für Bildungspolitik hat er sich immer wieder ehrenamtlich eingesetzt, sondern auch mit der "Schools out - Beach Party" eine bleibende Institution für Schüler in Flensburg geschaffen. Anschließend hat er Projekte der Jugendinitiative "Schüler Helfen Leben" in Bosnien-Herzegowina betreut und sich für die bundesweite Servicestelle Jugendbeteiligung engagiert.
Zum Studium zog es den mittlerweile 24-Jährigen vor vier Jahren nach Berlin, wo er "Public Management" an der Hochschule für Wirtschaft und Recht studiert. Um dieses Studium mit der Bachelor-Arbeit abzuschließen, nutzt er jetzt sein Praktikum in Hanoi und recherchiert über die Arbeit der deutschen politischen Stiftungen in Vietnam.
Dabei hat ihn die Millionenstadt Mitte Februar gebührend empfangen: "Ich war sofort vom chaotischen Verkehr in Hanoi fasziniert. Schon kurz nach meiner Ankunft am Flughafen hatten mich der ständige Lärm, das hohe Verkehrsaufkommen sowie die allgegenwärtigen Smogglocke völlig in Beschlag genommen und seitdem nicht wieder losgelassen."
Der Verkehr in Hanoi gilt mit allgegenwärtigen Motorrollern mittlerweile asienweit als größte Herausforderung und fordert jedes Jahr mehr als 12 000 Verkehrstote. Inzwischen ist Jörg mit seinem eigenen Motorroller und Helm mittendrin, schwimmt wie die anderen tausenden Fahrer gekonnt im Verkehrsfluss mit. Damit kommt er in der Stadt viel herum und lernt neben der täglichen Arbeit im Büro der Stiftung auch die unzähligen Tempelanlagen und das vietnamesische Essen in der Stadt kennen.
"An fast jeder Straßenecke gibt es eine unglaubliche Auswahl an Fleischsorten mit Reis oder Nudeln, und ich habe natürlich auch schon Krokodil und Hund probiert, wobei letzteres mir ein wenig zu zäh schmeckte", erzählt Jörg. Auch die Forschungsarbeit zur Bachelor-Arbeit komme gut voran mit Interviews der Mitarbeiter von Seidel-, Adenauer-, Luxemburg- und Ebert-Stiftung und Auswertungen ihrer Aktivitäten im Land. Dabei hat er auch schon gelernt, die Internetzensur des Landes zu umgehen und mit der langwierigen Bürokratie der offiziell immer noch "sozialistischen" Republik zu Recht zu kommen.
Nach zwölf Wochen bei der Ebert-Stiftung wird Jörg im Mai zwei Wochen dranhängen und Singapur sowie Malaysia besuchen, bevor es zum Sommersemester zurück nach Berlin geht. Nach der Bachelor-Arbeit will er seinem Engagement für bundesweite Jugendbeteiligung treu bleiben, auch wenn er manchmal seine Heimatstadt Flensburg vermisst: "Unser Bier ist schon am Besten und mein ’Moin, Moin’ habe ich mir auch nicht abgewöhnt. Irgendwann geht es auch mal wieder zurück."
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