FLENSBURGER TAGEBLATT

 

Interview

Kaya Yanar sucht die große Blonde

11. Februar 2012 | 14:50 Uhr | Von Antje Walther

Was grinst Du?: Kaya Yanar, Sohn türkischer Immigranten sowie Amerikanist und Philosoph, ist seit seiner Sendung "Was guckst Du?" bekannt.

Er ist Comedian, Filmjunkie und Tierschützer: Im Interview verrät der 38-jährige Kaya Yanar, wie seine Traumfrau aussehen muss und warum ihm die dänische Sprache nicht gefällt.

Flensburg. Was ist "all inclusive" an Ihrer Tour?
Es ist wie eine Urlaubsreise durch verschiedene Ländern und Kulturen. Wir haben circa 100 Minuten Programm; da reise ich durch verschiedene Länder auf der Suche nach Frau Yanar, weil ich die in Deutschland nicht gefunden habe, meine potentielle Frau. Da dachte ich mir, dann musst Du über die Grenzen hinausgehen. Die Frau Yanar habe ich nicht gefunden, aber allerlei skurrile Typen.

Ist Ihnen die Frau Yanar abhanden gekommen oder suchen Sie die Traumfrau?
Eher Letzteres. Mir ist sie bis jetzt noch nicht begegnet. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder ich treffe sie oder ich muss meine Träume herunterschrauben.

Wie ist denn das Idealbild?
Das Übliche, was jeder sagt. Sympathisch nett, lieb, mich liebend, relative Form von Selbstlosigkeit, mit so einem Vogel wie mir zusammen zu sein. Gut aussehen wäre toll - das ist jetzt kein Ausschlusskriterium. Aber klar, man sieht sich einen hübscheren Menschen lieber an, als morgens aufzuwachen neben jemandem, wo man denkt: Oh. Dann wäre humorvoll toll, intelligent, kultiviert, an den selben Sachen interessiert wie ich, also auch reisefreudig. Und natürlich ein Familienmensch, so dass sie zwei, drei, vier Kinder mit mir haben würde - das wäre toll.

Das klingt so, als würde es diese Frau in Deutschland an jeder Ecke geben...
Was? Nee, bis jetzt in der Kombination noch nicht! Und da sind noch tausend andere Sachen, die man nicht in Worte fassen kann wie zum Beispiel etwas, was man Chemie nennt. Charakter, Kompromissbereitschaft, eine gewisse Art von Streitkultur: ein hochkomplexes Thema. Menschen per se sind komplex, und ich habe ja sowieso einen an der Waffel. Und dann noch jemanden zu finden, der mit dieser Komplexität umgehen kann, mit seinen eigenen Komplexen - das ist in der heutigen Zeit gar nicht so einfach.

Im nahen Dänemark haben Sie sich schon mal umgesehen. Da gefällt Ihnen die Sprache nicht. Warum?
Das durchgestrichene O. Wenn die dann anfangen mit rømøkrøhørøkrøhøføhälll - dann ist die einfach nicht sexy, die klingt phonetisch nicht hübsch. Ich lausche sehr gern der griechischen Sprache, ich mag die englische Sprache sehr gern, ich finde Tamil, das Indische, sensationell. Es gibt Sprachen, da verstehe ich kein Wort und sitz aber gern einfach nur daneben im Restaurant und könnte stundenlang lauschen. Dänisch gehört nicht dazu.

Hier oben gibt's ja auch noch Plattdeutsch, Friesisch...
Die entsprechen ja mehr auch so meinem Frauentyp - dieses Nordische, Große, Blonde, Blauäugige. Da bin ich ja in Flensburg ganz gut aufgehoben. Vielleicht begegne ich da ja Frau Yanar. Man weiß es nicht. Generell mag ich Dialekte, auch deutsche.

Woher haben Sie das Talent, die Dialekte zu imitieren?
Das Talent ist gottgegeben. Aber ich wurde schon immer gefördert, unfreiwillig, durch meine Kindheit. Ich bin einfach mit zwei Elternteilen aufgewachsen, die selber einen sehr starken Akzent haben, wenn sie Deutsch sprechen. Das war für mich als Kind vollkommen normal, aufzuwachsen mit einer Sprache, die nicht perfekt war. Und so habe ich sehr gerne zugehört. Auch heute noch. Wenn Leute nicht perfekt Deutsch können, fühle ich mich immer an mein Elternhaus erinnert. Da habe ich immer so ein warmes Gefühl. Irgendwann habe ich angefangen, das nachzuäffen, weil ich das einfach schön fand.

Man kommt mit solchen Leuten auch schnell ins Gespräch.
Genau, und es ist lustig. Ich habe gerade eine Sendung aufgezeichnet mit Ailton. Die Leute haben den geliebt, obwohl die zu 80 Prozent nicht verstanden haben, was er gesagt hat, und ich auch nicht. Brigitte Nielsen versteht ja auch keiner. Der Deutsche findet es sehr erleichternd, wenn die perfekte, anstrengende, komplizierte deutsche Sprache ab und zu mal gebrochen wird.

Über Sprache wird Kultur vermittelt, Inhalte. Was sind Ihre Kernthemen?
Mein größter Inhalt ist, dass ich die Liebe zu verschiedenen Kulturen, Nationen und Sprachen transportiere, dass ich das spannend finde, dass ich gar nicht fremdele. Ich glaube, ich transportiere eine gewisse Art von Faszination mit menschlichen Kulturen - woran glauben sie, was essen sie, wie sprechen sie, was ist deren Tradition. Ich finde es faszinierend, auf wie viele Arten man dieses Leben leben kann. Und man kann sich etwas abgucken. Als Beispiel, was ich bei meinem Indien-Part mache, weil ich faszinierend finde, mit welcher großen Toleranz und Akzeptanz die Inder das Leben akzeptieren. Diese Einstellung sieht man im ganzen Land. Es ist unfassbar, was man da an Armut sieht und Missständen, aber mit welchem Lächeln und Akzeptanz sie dem begegnen, während hier in Deutschland bei jeder Kleinigkeit, bei jeder roten Ampel gemeckert wird.

Kann man lernen, so zu sein?
Man muss sich einfach nur trauen. Wenn man die Zeit und die finanziellen Mittel hat und die Gelegenheit zu verreisen, dann würde ich das nur jedem ans Herz legen. Reisen bildet. Man erweitert den Horizont, man sieht Sachen aus einer anderen Perspektive. Es gab auch Reisen, da bin ich zurückgekommen und war einfach froh, dass ich in Deutschland war, und habe gesagt, es ist eigentlich ein tolles Land. Aber selbst diese Erkenntnis ist eine Menge wert.

Haben Sie eine Lieblingsfigur von all denen, die Sie erschaffen haben?
Am liebsten habe ich die Figuren, die am besten ankommen. Ranjid ist ganz klar die Nummer eins und Hakan die Nummer zwei. Ich spiele aber ganz gerne generell viele Figuren, weil ich mich selber einfach erfreue an der Möglichkeit, in Rollen zu schlüpfen. Für die aktuelle Fernseh-Show, die Kaya-Show, da spiele ich zum Beispiel gerne den Chinesen Konfuselus. Ich finde es dann toll, wenn die Figur funktioniert, wenn sie zum Leben erweckt wird.

Was guckst Du? Was gucken Sie?
Ich bin ein Nachrichten-Junkie auf der einen Seite, auf der anderen Seite liebe ich Filme. Dokumentationen ziehe ich mir auch sehr gerne rein. Ich habe schon so einen Wissensdurst. Mich interessieren einfach viele Dinge.

Welches Ihrer vielen Projekte beschäftigt Sie gerade am meisten?
Momentan ganz klar die Fernsehshow. Das nimmt am meisten Energie weg. Aber die Tour ist ein Riesenspaß, wie eine große Party. Das Buch war eine interessante Erfahrung. Aber ich vermisse natürlich die Publikumsreaktion. Ich kann den Leuten leider nicht über die Schulter gucken, wenn sie das Buch lesen. Das ist so ähnlich wie mit der Fernsehshow: Man hat dann am nächsten Tag Prozentanteile. Und ich wäre so gern dabei, wenn die Leute die Sendung sehen und lachen. Live ist durch nichts zu ersetzen.

Könnte sein, dass Sie auf die Däninnen-Episode ein bisschen aufpassen müssen...
Nee, da sind meine Fans immer sehr selbstironisch. Die wünschen sich auch immer, dass ich mehr Gags über die mache. Spanier auf meinem Facebook-Account sagen: Ich fühl’ mich diskriminiert, Du machst keine Gags über die Spanier. Das finde ich sensationell. Sich nicht selber zu ernst nehmen, ist der Schlüssel.

Kaya Yanar kommt mit "All inclusive!" am 19. Februar um 20 Uhr in die Campushalle Flensburg.


 

Leserkommentare

 
KLAUS FUNKE 11.02.2012 17:50
Kann dieses Land drauf verzichten!

Auf diese infantile multi-kulturelle Bereicherung wie Herrn Yanar kann eine Gesellschaft gern verzichten!

Aber: "Blöd und bescheuert ist in"

GEGEN JEDEN EXTREMISMUS 12.02.2012 19:38
Verzichten?

Er spricht unsere Sprache, zahlt Steuern und schlägt oder sticht niemanden nieder... damit ist er weit mehr angekommen in diesem Land, als hunderttausende andere. Mein Humor ist es auch nicht, aber in meinem Deutschland ist jemand wie Kaya Yanar sicherlich herzlich Willkommen!



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