FLENSBURGER TAGEBLATT

 

Junge Afghanen bereichern die Söruper Rettungsschwimmer

27. August 2010 | Von ami

Übergabe der Zertifikate an die drei Jugendlichen aus Afghanistan durch Bürgermeister Martens und Bernd Grigoleit (2.v.l.). Anerkennung für diese Leistung gab es auch von der Heimleitung: Sandra Wilhelm, Hans-Joachim Niewa und Wiebke Jensen (Mitte). Foto: Hamisch

Sörup. Auf ihren roten Shirts tragen sie in großen Buchstaben "DLRG". Mit einem Fernglas beobachtet der 15-jährige Afzali vom DLRG-Wachgebäude eine Gruppe Jugendlicher die im Südensee schwimmen, während die zwei Jahre älteren Wachgänger Haidari und Mohammadi auf der Schwimmbrücke für Ordnung sorgen. DLRG-Alltag am Südensee in Sörup.

Vor zwei Jahren sah die Welt für diese drei jungen Afghanen noch ganz anders aus. Ihre Familien waren von den Taliban getötet oder getrennt worden. Auf der Flucht wurden sie von Schlepperbanden, die sie wie Sklaven behandelten, nach Europa gebracht. An der Grenze zu Dänemark hat man sie schließlich aufgegriffen und auf dem Jugendhof Südensee untergebracht.

Bereits im vergangenen Jahr machten die Jungen Bekanntschaft mit dem Wasser des Südensee. Bernd Grigoleit, langjähriger Wachleiter in Sörup, hatte sofort zugestimmt, als die Heimleitung anregte, den acht Jugendlichen das Schwimmen beizubringen. Fünf von ihnen, darunter Haidari, Afzali und Mohammadi, wollten mehr, als selber nur schwimmen können. Bernd Grigoleit nahm sie deshalb im vergangenen Winter mit in die Schwimmhalle zum Trainieren, und als es das Wetter zuließ, sah man die gesamte Gruppe auch wieder am und im Südensee.

"Bernd hat immer Zeit für uns", lobt Mohammadi den Ausbilder, und streng sei er auch nicht, ergänzt Afzali. Dabei sind die Anforderungen hoch, wenn man bei der DLRG auf Rettungswache gehen will. Tauchen, abschleppen, retten und springen gehört zum Trainingsalltag.

Haidari, Afzali und Mohammadi haben besonders fleißig geübt in den vergangenen Wochen, viele Stunden, auch bei schlechtem Wetter, im Wasser verbracht. Die Belohnung für diese Ausdauer überreichte Sörups Bürgermeister Friedrich Martens jetzt in Form einer Urkunde. In dieser wird den drei Jugendlichen bescheinigt, die Bedingungen für den Jugendschwimmschein in Gold bestanden zu haben. Stolz tragen sie nun das rote DLRG-T-Shirt, das sie als Wachgänger ausweist. Noch muss ein über 18-Jähriger Rettungsleiter mit vor Ort sein, wenn die drei auf Wache gehen, aber sobald sie selbst 18 sind, hat Afzali fest versprochen, werden sie die Bedingungen für den Rettungsschwimmschein in Gold erfüllen - und dann verantwortlich Wachleiteraufgaben übernehmen.

Friedrich Martens freut sich über so viel Engagement, ist doch damit die Rettungswache der DLRG am Südensee für die kommenden Jahre gesichert.


 

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