FLENSBURGER TAGEBLATT

 

Date-Doktor

Flirten - damit der Arzt kommt

12. August 2010 | 04:50 Uhr | Von Kristof Gatermann

Date-Doktor: Zahnarzt Erland Freij hat mit seiner Internet-Single-Börse für medizinisches Personal ins Schwarze getroffen – rund 6000 Kollegen nutzen das Portal bereits. Foto: Gatermann

Flensburg. Die Bezeichnung Date-Doktor - nein, die stört ihn nicht. "Ich bin ja in diesem Geschäftszweig tätig", sagt Erland Freij (59). Und dieser Geschäftszweig ist das Verkuppeln von Ärzten. Der Flensburger Zahnarzt gründete vor zwei Jahren im Internet die Single-Börse doctor-dating.de. Sie richtet sich vornehmlich an Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten: Der Internist findet hier seine Traum-Chirurgin, der Rettungssanitäter die Liebe seines Lebens, eine Krankenschwester oder die Physiotherapeutin den Apotheker, mit dem sie den Rest ihres Leben verbringen will.

Knapp 6000 User aus ganz Deutschland haben sich bereits registriert, sogar aus der Schweiz und aus Österreich. Sie müssen einmalig 98 Euro zahlen, für eine Dating-Flatrate. "Es dauert rund fünf bis sechs Monate, bis sich die richtigen Partner finden", erzählt Werner Oskamp (33), Programmierer der Seite. Näheres kann er über die vielen Erfolgsgeschichten jedoch nicht verraten - aus Diskretion. Aber Erland Freij kann sagen, warum die Partner-Börse so gut angenommen wird: "Menschen im Gesundheitswesen haben ziemlich oft die gleichen Werte im Leben. Sie verstehen, was es heißt, extreme Arbeitszeiten mit Schicht-, Not- und Bereitschaftsdiensten zu haben." Man versuche ja, Menschen zu finden, mit denen man ein oder zwei Dinge gemeinsam hat. So passen Menschen mit gleichen Interessen und mit ähnlichem beruflichen Hintergrund eben besser zusammen , als wenn sie aus völlig unterschiedlichen Branchen kommen. Man verstehe sich praktisch blind: "Wer sich hier trifft, muss vieles nicht mehr erklären, was mit Nicht-Medizinern zu langwierigen Diskussionen führt." Das scheint eine Umfrage unter den Nutzern zu bestätigen: "Die Ärzte sagen, es biete sich ihnen viel mehr Gesprächspotential", so Programmierer Oskamp. Statt sich also in der knapp bemessenen Freizeit in den großen Single-Portalen lange auf die Suche nach der Herzdame zu begeben, biete dating-doctor.de den Medizinern die Möglichkeit, gezielt mit dem Gegenüber in Kontakt zu kommen.

Freij weiß, wovon er spricht. Zwei Jahre surfte er durch den Dating-Dschungel. "Bei mehr als einer Millionen Mitgliedern ist das, als ob man das Telefonbuch durchtelefoniert, bis man eine nette Dame spricht", sagt Freij. So kam er auf die Idee für das Internetangebot, auf das nur Menschen aus dem Gesundheitssektor Zugriff haben. Dazu zählen für Freij nicht nur Ärzte, sondern auch Pfleger, Krankenschwestern, Physiotherapeuten, Apotheker oder Laborkräfte.

Während in herkömmlichen Partner-Börsen ein Männerüberschuss herrsche, so Freij, seien 60 Prozent seiner Nutzer weiblich. Seine Begründung: "Viele Männer haben Angst vor intelligenten Frauen." Die Betreiber legen großen Wert auf Seriosität. Wird ein Nutzer aufdringlich oder benutzt in seinen Nachrichten anzügliche Worte , kommt er auf eine Sperrliste und wird gelöscht. Und sollte sich mal ein Nicht-Mediziner registrieren? "Der fliegt sofort auf", sagt Freij. Gehe es ums Medizinstudium oder die Famulatur, enttarne sich der Laie sofort.

Freij, der seit zwölf Jahren in Flensburg praktiziert, hat seine Lebensgefährtin übrigens auch ohne Dating-Doctor gefunden - eine Krankenschwester.


 

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