FLENSBURGER TAGEBLATT
Flensburg
Ein Winter ohne Wärme und Wasser
Deprimierend: Kay Loba (r.) und Hannelore Boenigk kämpfen lediglich mit einem kleinen Heizlüfter gegen die Kälte. Foto: Dommasch
Flensburg. Kay Loba (52) und seine Lebensgefährtin Hannelore Boenigk (62) sehen kein Licht am Ende des Tunnels. Schon lange nicht mehr. Die Sonnenseite liegt gleich nebenan. Die Häuser Terrassenstraße 16 bis 24 hat der Flensburger Arbeiter-Bauverein (FAB) mit Millionenaufwand saniert. Schicke Fassaden, Balkone, Terrassen. Neue offene Küchen, moderne Bäder. Den 1902 erbauten Häusern wurde das Ambiente klassischer Altbauten wieder zurückgegeben. Nummer 14 wirkt in diesem Ensemble wie ein heruntergekommener Fremdkörper.
Seit Jahren schon bemühte sich der FAB um den Erwerb des Gebäudes. Vergeblich. Erst im November gelang der Zugriff. "Wir haben es ersteigern können", bestätigt FAB-Vorstand Michael Kohnagel. Mitsamt lebendem Inventar. In Gestalt von Kay Loba, der hier seit über 30 Jahren wohnt, und seiner Lebensgefährtin Hannelore Boenigk. Die beiden sind die einzigen, die geblieben sind. Alle anderen Mieter haben längst das Weite gesucht. Das Paar ist dazu nicht in der Lage, kann ganz offensichtlich nicht für sich selbst sorgen. Es hat lediglich Anspruch auf eine finanzielle Grundsicherung, die zum Beispiel dann gewährt wird, wenn jemand aus medizinischen Gründen dauerhaft voll erwerbsgemindert ist, wenn er also seinen Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten kann. Ihnen ist jeweils ein gesetzlicher Betreuer zur Seite gestellt. "Wir sind auf Unterstützung angewiesen", klagen sie. "Doch niemand hilft."
Der Schimmel blüht, hat Bad und Küche in Besitz genommen
Ein Blick in die Räume im Parterre lässt den Besucher erschaudern. Schnell wird klar, dass der Begriff "Wohnen" sich verbietet. Kay Loba und Hannelore Boenigk hausen hier. Der Schimmel blüht, hat Bad und Küche in Besitz genommen. Fenster und Türen drohen aus der Verankerung zu fallen. Ein kleiner Heizlüfter im Wohnzimmer sorgt für einen Hauch, für die Illusion von Wärme. Als vor wenigen Tagen draußen noch Minustemperaturen im zweistelligen Bereich herrschten, zeigte das Thermometer drinnen vier Grad minus. Kay Loba hat es gemessen. "Wir müssen uns dick anziehen, bevor wir ins Bett gehen", erklärt er fast sachlich.
Von warmem Wasser können die Mieter nur träumen, kaltes läuft ohnehin nicht mehr. Die Leitungen hat der Frost platzen lassen. "Alle Installationsleitungen sind marode", erläutert Michael Kohnagel. "Und eine kurzfristige Reparatur ist nicht möglich." So behelfen sich die Mieter mit Mineralwasser - zum Kochen, Waschen und Zähneputzen. "Eigentlich wollte man uns einen Wassercontainer und Radiator zur Verfügung stellen", sagt Loba. "Passiert ist bis jetzt nichts."
"Katastrophale Verhältnisse"
Der FAB lässt das Mehrfamilienhaus nun sanieren. Eine Transportfirma räumt aus, was nicht niet- und nagelfest ist. Das Gebäude ist weitestgehend entkernt, nacktes Mauerwerk in Fluren und Zimmern. Doch wohin mit Kay Loba und seiner Partnerin? "Wir bemühen uns um eine schnelle Lösung", verspricht Michael Kohnagel, "sind aber nicht bereit, für die Versäumnisse der Vergangenheit gerade zu stehen". Ein Fingerzeig auch auf den privaten Vorbesitzer, der es offenbar mit der Wartung des Hauses nicht so genau genommen hat. Elke Becker, Vorsitzende des Betreuungsvereins Flensburg , war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, doch dem Vernehmen nach hat der gesetzliche Betreuer es seinerzeit durchgesetzt, dass keine Miete mehr gezahlt werden musste, als die Heizung ihren Geist aufgab.
Der Arbeiter-Bauverein ist laut Kohnagel in den bestehenden Mietvertrag eingestiegen, habe aber nicht damit gerechnet, "derart katastrophale Verhältnisse" vorzufinden. "Es ist ein Trauerspiel", bringt es das Vorstandsmitglied auf den Punkt. Da dürfte er bei seinen Mietern nicht auf Widerspruch stoßen.
Eine neue Wohnung...ist wie ein neues Leben", lautet ein FAB-Slogan. Das mag stimmen. Doch wann wird es für Kay Loba und Hannelore Boenigk einen Weg aus dem Elend geben?
Leserkommentare
Sehr geehrter Herr Fortenbacher,
ich weiss nicht, wo Sie wohnen, welcher Gesellschaftsschicht Sie angehören, wie Sie Ihren Lebensunterhalt bestreiten oder irgendetwas anderes über Sie, aber eines weiss ich sicher: Ihr Kommentar bringt meinen Mageninhalt dazu, kräftig zu rumohren. Die Situation der beiden verbliebenen Mieter ist menschenunwürdig, die Zustände unhaltbar, und mit Sicherheit hätte jemand deutlich früher reagieren müssen und das Pärchen umsiedeln müssen, so dass zumindest elementare Dinge wie Heizung und Warmwasser gewährleistet sind, evtl hätte auch der Vorbesitzer deutlich schneller Zwangsenteignet oder gerichtlich zu Sanierungen gezwungen werden müssen, aber mit Sicherheit ist es NICHT dem FAB, zu dem ich übrigens noch nie eine Beziehung hatte, anzulasten. Denn der FAB kann wohl kaum eingreifen, wenn das Gebäude, pardon, die Ruine, nicht zum Portfolio gehört. Dass das Objekt nun mitsamt Altlasten übernommen wurde, ist dem FAB anzurechnen, denn nun kommt die Lawine ja ins Rollen, und der Mieter wird sich angenommen. Ob der FAB nun, wie Sie so schön sinnfrei vorschlagen vor Gericht gezerrt werden sollte, wäre wohl ein K.O für viele ruinöse, über Jahre von verantwortungslosen Vermietern, die kassieren, aber nicht sanieren konnten. Also, denken Sie doch nochmal über ihre Kommentare nach, ehe Sie, vom Elend anderer beflügelt, den "Kommentar abschicken" Button anklicken.
Vielen DAnk und mit freundlichen Grüssen
kann nicht vor Gericht gezogen, da nicht f die Misstände verantwortlich.Das war der ehemalige ET. Zum Thema Betreuer gibt es nichts z sagen.Die übernehmen eine Verantwortung und das war`s. Eine Bekannte hatte einen Bruder, der Betreuung hatte. Letztzendlich war der Betreuer nicht zur Stelle, als ihr Bruder Hilfe brauchte.
Der Bruder ist jetzt tot,. Ich denke mal nicht, dass der FAB die Menschen so alleine lässt.Traurig finde ich nur, dass diese Menschen ihren Heizlüfter an dem alten Vermieter nicht mehr absetzen können.Da lohnt sich auch e Prozess nicht mehr.Wurde das Haus ersteigert, ist der ehem ET pleite. Ich wünsche den beiden, dass sie es mal kuschelig warm haben können. dazu gehört nicht viel.Nur eine ordentliche Wohng.Dem Betreuer(ansonsten auch d FAB) auf die Füsse treten , mit der Arge alles arrangieren(Umzug etc)In dem Sinne gebe ich Herrn Fortenbacher recht.Auch müssen die beiden Mieter in die Puschen kommen.
Mietvertrag "gebrochen". Nach dem Artikel ist aber der Mietvertrag "sehendem Auge" übernommen, also war es kein "Zwang". Beim "Zwang" besteht regelmäßig das Problem, daß Interessenten vom "Nochbesitzer" nicht in das Objekt gelassen werden.
Bei einem "freien Verkauf" sieht das wieder anders aus. Die FAB hat demnach mit
offenen Augen das gekauft, was sie nun in Besitz hat. Der vorherige Eigentümer wusste
sich offenbar nicht anders zu helfen, als auf die Miete zu verzichten. Das bedeutet für die beiden Personen : sie zahlen keine Miete, also haben sie auch keinen Anspruch gegenüber der ARGE ! Die Personen stehen, siehe den Artikel, unter "Betreuung", was bedeutet, daß sie "nicht in die Puschen kommen können", weil der "bestallte Betreuer" die Unterschriften unter neue / andere Verträge setzen muss.
Bei diesen Temeperaturen besteht "Eile". Das mag vor Wochen noch anders gewesen sein, als bei "höheren Temperaturen" ein Heizlüfter ausreichte.
Jetztr jedenfalls gibt es einen Eigentümer, der eben "mit offenen Augen" gekauft hat und "jetzt" in der Verantwortung steht. Bei der Summe, die ein Käufer für sich kalkuliert, für eine solche "Bruchbude" ausgeben zu wollen, hat er auch Risiken zu bewerten.
Diese Risiken "lebendes Inventar", wie der Artikel beschreibt, die Lebenserfahrung, daß
es im Monat Februar kalt wird, eine beim Kauf der "Ruine" nicht funktionierende Heizungsanlage, sind anzudenken.
Daher, sehr geehrte Damen und Herren, besteht i. d. S. EILBEDÜRFTIGKEIT.
Und "dran" am Zuge sind a) der jetzige Eigentümer und b) die ARGE.
Möglicher Weise ist der Betruer / die Betreuerin, also c) abzulösen, da sie / er
nicht in die "Puschen kommt".
Drehen Sie es, wie Sie es wollen, Trost-lose Zustände in Flensburg. Wieder mal.
Sehr geehrter Herr SVEN-PETER PETERSEN
Jeder der beteiligten "Verantwortungsträger" versucht hier krampfhaft gut da zu stehen und sich aus der Verantwortung zu stehlen.
Zum einen, die FAB ist für die derzeitige Situation sowohl für die Mieter und den Zustand des Hauses als jetziger Besitzer voll verantwortlich ( schließlich waren die Fakten vor, wärend und nach dem Kauf bekannt ).
Worum es geht : Wer bei der FAB eine Wohnung erhalten will, muß vorher ein Genossenschaftanteil einzahlen.
Nun ist es so, das das Paar unmöglich diese Genossenschaftsanteil selbst erbringen kann, die ARGE ist deshalb nicht zuständig, da die beiden eine Wohnung haben, von daher auch kein Geld bekommen ( Lißt mal wieder ein (SGB)Buch !! ).
Den Betreuern sind ebenfalls die Hände gebunden oder will hier liebe Kommentatoren die Betreuer auffordern den Umzug/ die Kaution/ Genossenschaftsanteil aus eigener Tasche zu bezahlen ?
Egal wie man es dreht, den Schwarzen Peter hat die FAB, sie hat genügend Wohnungen um das Paar würdevoll unterzubringen, aber man will sie ja gar nich haben....................... .
Aber zuerst geht's mal wieder um Kohle, nicht um Menschlichkeit oder Sozialkompetenz.
Sehr geehrter Herr B. BÖDECKER
Sie irren auf ihrer ganzen Rechtfertiguns(Arumentations)liene
Ein bisschen goggeln oder ein Besuch in der hiesigen Bücherei würde ihnen eines besseres belehren
z.B www.mietrecht-einfach.de
und www.sozialgesetzbuch-sgb.de
Auch ein Blick in das Schleswig-Holsteinische Betreuungsrecht kann dabei nicht schaden.
www.schleswig-holstein.de/MJGI/DE/Justiz/DasIstIhrRecht/Betreuungsrecht/betreuungsweseninSH.html
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Kappeln bzw. Süderbrarup hat der sh:z die Story nun besser aufbereitet. Der Verein hat ersteigert, mit "lebendem Inventar", welches unter Betreuung steht, also selbst gar keine
anderen Mietverträge abschliessen darf, ohne den gerichtlich bestallten Betreuer hinzu zu ziehen. Wenn man, wie der Arbeiter-Verein, sich so eine "Bude" zulegt, dann schaut man sich die Unterlagen vorher bei Gericht an und ist informiert. Hier scheinen aber gleich einige zu versagen. Der Arbeiter-Verein, der nun staunt anstatt eine Ersatzwohnung anzubieten. Der oder die Betreuer, die sich nicht um ihre Mündel kümmern. Die ganze Hartz-4-Gesellschaft. Die haben doch einen Aussendienst in FL.
Aus welchem Grunde fährt nicht los und regelt das ? Wenns sein muss sollte der Betreuer mit der ARGE aktiv werden. Umzug organisieren, den jetzigen Vermieter, der
das Gebäude so gewollt hat, mit der ARGE vor Gericht zerren, Umzugskosten und Mehrkosten einklagen. In solchen Fällen ist eine Einstweilige Anordnung bei Gericht
durchaus sofort zu bekommen. Wenns nicht hilft, ab ins Hotel auf Kosten des Verein und der ARGE. Ausserdem gibt es noch das Frauenhaus, den Sozialdienst der Kirchen und billige aber warme Hotels / Pensionen.
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Da sitzen "die" alle in ihren warmen Büros und warten energisch ab.
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Silke H, für den SSW im Landtag, "nebenberuflich" Anwältin : da wären doch einige nette Prozesse zu führen und ordentlich PKH zu machen ...................
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Trost-lose Zustände in Flensburg.