FLENSBURGER TAGEBLATT

 

Feuerwehr Flensburg

Drehleiter-Totalausfall: Retter ratlos

21. Oktober 2010 | 04:50 Uhr | Von Holger Ohlsen

Da war sie noch heil – Flensburgs Drehleiter im Rettungseinsatz. Foto: Iwersen

Flensburg. Carsten Herzog nimmt kein Blatt vor den Mund. "Es gibt wohl niemanden in der Berufsfeuerwehr, dem jetzt nicht mulmig zumute ist." Seit vergangenem Sonntag hat die Flensburger Feuerwehr kein Drehleiter-Fahrzeug mehr zur Verfügung. Feuerwehrchef Herzog und seine Spezialisten können nur hoffen, dass eine teils unglückliche, teils von der Politik fahrlässig herbei geführte Reihe von Umständen nicht tragisch endet.

Normalerweise stehen der Feuerwehr zwei Drehleitern zur Verfügung. In der roten Fahrzeugflotte sind sie die wichtigsten Einheiten überhaupt. Sie eignen sich zwar auch zur Brandbekämpfung aus der Höhe - sehr viel wichtiger aber, so Herzog, ist ihre Fähigkeit, eingeschlossene Menschen aus großer Höhe zu bergen. So wichtig, dass der Gesetzgeber Berufsfeuerwehren verpflichtet, diese Fahrzeuge vorzuhalten.

Dieser Verpflichtung kann die Berufsfeuerwehr momentan nur sehr eingeschränkt nachkommen. Mit den jetzt zur Verfügung stehenden Mitteln kommen die Retter nur noch bis zum dritten Geschoss. "Wir können froh sein, dass wir im Fall des Falles auf die Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr in Glücksburg zugreifen können", sagt Herzog. "Aber so schnell wie von der rund um die Uhr besetzten zentralen Wache in Flensburg aus können die Glücksburger natürlich nicht am Einsatzort sein."

Flensburgs öffentliche Sicherheit hatte gleich drei Mal Pech. Es begann, als vergangene Woche das Hauptfahrzeug zur routinemäßigen Überholung nach Stuttgart verfrachtet wurde. Die Techniker, die sich ins Innenleben des tonnenschweren Gefährts vorgearbeitet hatten, trafen dort auf eine ganze Reihe von Baustellen. "Rost, marode Leitungen - der Wagen war schwerer geschädigt als wir erwartet hatten. Die Überholung dauert länger als geplant", so Herzog. Das macht die Rechnung um 40 000 Euro teurer, war aber noch kein echtes Problem, weil MAN den Flensburgern ohnehin ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung gestellt hatte. Doch dann kam Problem Nummer zwei: Ein Federbruch legte die Flensburger Reservedrehleiter - einen aus dem Jahre 1985 stammenden Lösch-Methusalem - lahm, und da es ohnehin schon mal schlecht lief, folgte auf dem Fuße Problem Nummer drei: Getriebeschaden am Stuttgarter Leihwagen. Totalausfall. Seit Sonntag wartet Carsten Herzog auf die befreiende Nachricht, dass wenigstens eines dieser beiden Fahrzeuge wieder einsatzbereit ist, aber bisher wurde er von der Werkstatt immer nur auf den nächsten Tag vertröstet.

Der Feuerwehrchef darf sich bestätigt fühlen. Bereits vor zwei Jahren hatte er die Politik auf den gefährlichen Missstand völlig überalterten Geräts hingewiesen. Im Durchschnitt bringen es die bereiften Helfer der Helfer auf stolze 20 Jahre. Ein 2009 endlich angeschobenes Investitionsprogramm soll binnen der nächsten zehn Jahre für Linderung sorgen - höchste Eisenbahn wie der Fall des in Stuttgart auf Eis liegenden Feuerwehrwagens zeigt. "Das Problem ist, dass es schon keine Ersatzteile mehr gibt." Wenigstens hier ist Besserung in Sicht: Anfang der Woche wurde im Rahmen des Investitionsprogramms die Ausschreibung für eine neue Drehleiter auf den Weg gebracht. Liefertermin: Oktober 2011.

Herzog wirbt stark dafür, eine derartige Situation künftig zu vermeiden. "Um einen befriedigenden Zustand zu erreichen müssten wir bis 2020 jedes Jahr eine Million Euro investieren", sagt er. Zum Vergleich: Zwischen 1998 und 2008 investierte Flensburg gerade 1,8 Millionen Euro in die Sicherheit seiner Bewohner. Zu wenig, wie sich gerade zeigt.


 

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