FLENSBURGER TAGEBLATT
Banküberfall
Fluchtfahrzeug aus Flensburg
Die Überwachungskamera dokumentiert die dramatischen Szenen beim Banküberfall in Lystrup - von den Tätern fehlt bislang jede Spur. Fotos: Politi DK
Flensburg / Aarhus. Dass ein unbescholtener Bürger unvermittelt im Fokus internationaler Polizeiermittlungen stehen kann, musste eine 20-jährige Flensburgerin in der vergangenen Woche schmerzlich erfahren.
Die junge Frau hatte einen von ihr genutzen VW Polo während einer zweitägigen Bahnreise am Parkstreifen nahe des Flensburger Bundesbahnhof ordnungsgemäß geparkt. Bei der Rückkehr stellte die Frau fest, das der 16 Jahre alte Kleinwagen entwendet worden war.
Mit dem gestohlenen Fahrzeug verübten drei bislang noch unbekannte Täter einen brutalen Überfall auf eine Bank im Außenbereich der dänischen Stadt Aarhus. Anzeige wegen des gestohlenen VW Polo wurde am Sonntag, dem 16. August, gegen 21 Uhr bei der Bundespolizei am Dienstgebäude Bahnhof erstattet, bestätigt Marina Bräuer von der Flensburger Polizei. "Sofort wurde das Fahrzeug zur Fahndung ausgeschrieben. Ob die Täter selber mit der Bahn nach Flensburg angereist sind, wissen wir nicht; ein anderes, möglicherweise im Süden gestohlenes Fahrzeug ist von der Polizei im Bahnhofsbereich nicht aufgefunden worden", sagte Bräuer.
Danach verliert sich vorübergehend die Spur des Kleinwagens - bis eine Überwachungskamera einer dänischen Bank bei Aarhus am 17. August den Polo mit Schleswiger Kennzeichen auf dem Parkplatz des Institutes aufnimmt. Der Fahrer wollte in der Bank angeblich nur einen 500-Euro-Schein wechseln…
Hauptrolle bei Banküberfall
Knapp 24 Stunden später wird der graue VW Polo zu einem der meistgesuchten Fahrzeuge Europas. Was war passiert?
Gegen 10 Uhr 42 betreten drei südländisch aussehende Täter die Kassenräume der Danske Bank in Lystrup, einem kleinen Vorort in Aarhus mit vorgehaltenen Waffen. Die Bankangestellten müssen Bargeld aushändigen, mehrere Kunden werden von den franzöisch sprechenden Räubern zu Boden getreten und mit Pistolen in Schach gehalten. Der Überfall dauert nur wenige Minuten, die drei Bankräuber entkommen mit 160 000 dänischen Kronen und 11 000 Euro Bargeld.
"Die Beute wurde mit einer Lidl-Pastiktüte abtransportiert, wenig später löste eine Farbpatrone aus", berichtet Aksel Molsted, Sprecher der Ostjyllands Politi. Die Täter flüchten in dem Polo in unbekannte Richtung.
Die deutschen Polizeibehörden werden um Mitfahndung nach dem flüchtigen Täterfahrzeug gebeten, Kräfte der Bundespolizei kontrollieren alle ehemaligen deutsch-dänischen Grenzübergänge nach dem Fahrzeug. Da die Täter bewaffnet sind und bei dem Überfall brutal vorgingen, wird höchster Wert auf Eigensicherung der Polizeikräfte gelegt.
Wie es die unbekannten Bankräuber trotzdem schaffen konnten, unerkannt in Richtung Süden zu fliehen, ist bislang ein Rätsel; am 20. August wird der gesuchte Wagen der dänischen Bankräuber ausgebrannt in einem Vorort der niederländischen Großstadt Amsterdam aufgefunden. Von den Tatverdächtigen fehlt weiterhin jede Spur.
In die weiteren Ermittlungen zum Diebstahl des PKW und zur Aufklärung des Bankraubes ist jetzt auch Interpol eingeschaltet worden, berichtet ein dänischer Polizeisprecher.
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