FLENSBURGER TAGEBLATT
Soziale Einrichtungen
"Frau und Beruf": Ist 2014 Schluss?
Die Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstellen schlagen Alarm: "Wenn die Kürzungspläne realisiert werden, würde das die Zerschlagung eines Netzwerkes bedeuten, das wir über Jahre aufgebaut haben", sagt die städtische Frauenbeauftragte Verena Balve. "Und das in Flensburg wichtige arbeitsmarktpolitische Arbeit leistet", ergänzt Katharina Petersen von der Beratungsstelle "Frau und Beruf". Hintergrund der Befürchtungen sind die Sparpläne der Landesregierung, die - neben der Bildung - auch im sozialen Bereich massive Kürzungen vorsehen. Pläne, die für "Frau und Beruf" in Flensburg das Aus bedeuten könnten.
Im Jahr 2014 wolle das Land, das die insgesamt elf Beratungsstellen in Schleswig-Holstein mit 57 Prozent finanziert, seine Bezuschussung landesweit komplett einstellen. "Dann läuft auch die Förderperiode der EU aus - und die gibt nichts, wenn das Land nichts zahlt", sagt Beraterin Christa Iversen. 2011 sollen bereits 30 000 Euro weniger fließen, 2012 dann 60 000 Euro gespart werden. Ob das "Gießkannen-Prinzip" angewandt werde oder einzelne Standorte geschlossen würden, sei noch unklar.
130 000 Euro im Jahr stehen in Flensburg für die Arbeit der drei Teilzeitkräfte der 1989 gegründeten Einrichtung zur Verfügung. Pro Jahr beraten sie im Schnitt 1000 Frauen im DGB-Haus an der Roten Straße: zum beruflichen Wiedereinstieg, zur Bewerbung oder Existenzgründung - um die Chancengleichheit von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Die Hälfte der Rat suchenden Frauen sei allein erziehend - so viele wie an keinem anderen "Frau und Beruf"-Standort im Land. "Wir informieren frauenspezifisch, neutral und individuell - das können Behörden wie die Arbeitsagentur oder Arge nicht leisten", betont Christa Iversen. "Und der Bedarf ist groß."
Gefährdet sein könnte auch die Arbeit des Frauenhauses, das wie die Beratungsstelle "Wilma" vom Verein "Hilfe für Frauen in Not" getragen wird. Rund 500 000 Euro will Kiel landesweit bei den Frauenhäusern streichen. Die Folge: 47 von 344 Plätzen für Frauen und Kinder, die dringend Zuflucht vor gewalttätigen Männern benötigen, würden wegfallen. Das Flensburger Haus mit 22 Plätzen sei durchschnittlich zu 75 Prozent ausgelastet. "Dann wird es eng in den Frauenhäusern, die - wie auch der Frauennotruf - finanziell sowieso schon am Limit arbeiten", sagt Mitarbeiterin Susanne Steinhoff. Obgleich ihre Arbeit ein wichtiger Bestandteil der - in den Spardiskussionen so viel zitierten "Generationengerechtigkeit" - sei: "Wenn es keine Betreuung für die gefährdeten Frauen und ihre Kinder gibt, sind seelische Schäden die Folge."
"Am äußersten Limit" arbeitet auch die "Treppe" des Diakonischen Werks, berichtet Leiterin Martina Dreger. 400 bis 450 wohnungslose und in Not geratene Frauen bekommen jährlich an der Johannismühle Hilfe von zwei hauptamtlichen und fünf ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. "Jetzt will das Land seinen Zuschuss von bisher 56 500 Euro um 44 Prozent zurückfahren", sagt Dreger. "Dabei bräuchten wir eine Aufstockung: Bei den Beratungsterminen geht es mitunter zu wie beim Arzt." Mit weiteren 12 500 Euro wird die "Treppe" von der Stadt, mit 39 500 vom Kirchenkreis finanziert.
Krasse Einschnitte wie bei "Frau und Beruf" geplant, gefährdeten die gesamte Arbeit der Einrichtungen für Frauen. Martina Dreger: "Wenn Fachberatungen wegfallen, können die anderen Stellen die Arbeit nicht mit auffangen." Verena Balve kündigt denn auch "Protest auf allen Ebenen" an - und hofft auf eine "positive Abstimmung" im Landtag. "Die Sparpläne dürfen so nicht durchkommen."
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