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Flensburger Tafel
Kriminelle Machenschaften?
Flensburg. Ein Blick in die Bilanzen offenbart Erstaunliches. Legt man den im Jahr 2009 aufgelaufenen Überschuss der Flensburger Tafel zu Grunde, drängt sich der Eindruck eines florierenden Wirtschaftsunternehmens auf. Über 25.000 Euro stehen hier zu Buche und hieven den Kontostand des gemeinnützigen Vereins auf satte 170.000 Euro.
Gibt es bei dieser Liquidität auch nur einen einzigen Grund, Ware zu verkaufen, statt sie, wie die Tafel-Grundsätze es vorgeben, kostenlos abzugeben? Seit unserer gestrigen Berichterstattung wächst der Druck auf den Vorstand um Regina Ryl. Reinhold Pevestorf, Ländervertreter der Tafeln von Schleswig-Holstein/Hamburg und Mitglied im Bundesvorstand, spricht Klartext: "In Flensburg wird kriminell vorgegangen." Es gehe um Veruntreuung von Spenden, darum, dass sowohl Waren als auch Geld in erheblicher Menge abgezweigt worden seien. "Ich muss unterstellen, dass Vorstandsmitglieder und die Tochter der Vorsitzenden sich hemmungslos bedient haben."
Regina Ryl hatte behauptet, sie würde die Ware nicht verkaufen, sondern gegen eine Spende herausgeben. Doch das wird von Kunden bestritten. "Es gab festgelegte Verkaufspreise", sagt etwa Tatiana Schäfer aus Flensburg. Zwei Tafeln Schokolade kosteten demnach einen Euro, ein Sechserpack Selter 1,50 Euro. Auch Spielzeug und Kleidung seien verkauft worden. Besonders empört ist sie darüber, dass man für die Ausgabe der Nummer, die zu einer Warenration berechtigt, ein Euro und für Kinder jeweils 50 Cent habe zahlen müssen. "So trifft es die Ärmsten der Armen", echauffiert sich auch Pevestorf.
Die Tatsache, dass man schlecht behandelt, schikaniert und angebrüllt werde, wie Kundin Elisabeth E. beklagt, macht die Sache auch nicht besser.
Schon in der Vergangenheit hatte der Verband versucht, der Tafel in Flensburg den Namen abzuerkennen und eine neue Institution ins Leben zu rufen. Das scheiterte nicht nur daran, dass kein Träger gefunden werden konnte, sondern auch daran, dass laut Pevestorf befürchtet worden sei, dass verdächtige Mitarbeiter Beweise und Geld beiseite schaffen würden.
Unterdessen kritisiert der Tafel-Sprecher die Ermittlungsbehörden. Mitte Januar schon sei Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Flensburg erstattet worden. Ein Ergebnis, so beschied man ihm, werde jedoch erst in etwa zwei Monaten vorliegen. "Das geht mir zu schleppend", ärgert sich Pevestorf. "Ich will ein Urteil!"
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