FLENSBURGER TAGEBLATT
Keine Fusion ohne Steinberg
Die Chronisten Bernhard Asmussen (l.) und Uwe Borg spürten im Sommer 2010 den spärlichen Resten der Ex-Gemeinde Bredegatt nach, die einst größer war als Steinbergkirche. Foto: hjk
Steinberg. Erklärtes Ziel der Gemeindevertretungen von Steinbergkirche (1342 Einwohner) und Quern (1288) ist eine Fusion beider Kommunen im kommenden Jahr. Soll bei dieser kleinen Angelner Gebietsreform endlich vereint werden, was ohnehin schon lange zusammengehört? Nein, sagt Bernhard Asmussen aus Steinberggaard, bis Mai 2011 Vorsitzender des Heimatvereins der Landschaft Angeln und derzeit Leiter der Chronisten im Kirchspiel Steinberg. "Ein bloßer Anschluss der Gemeinde Quern an Steinbergkirche wäre nur Murks", erklärt er. Seiner Auffassung nach dürften die Kommunalpolitiker die historischen Gesichtspunkte nicht außer Acht lassen. Steinberg (900 Einwohner) gehöre dazu.
Wie er darlegt, bildeten noch bis 1870 - also bis in die Zeit der preußischen Machtübernahme - zwei Dörfer die "Steinberger und Bredegatter Comüne", erst danach gingen sie getrennte Wege. Die wenigen Häuser "bei der Steinberger Kirche" wurden 1867/68 zunächst der Gemeinde Gintoft zugeordnet, 1871 aber wieder abgetrennt und der Gemeinde Bredegatt angegliedert. Jedenfalls zeitweise kam es dann zu einer "Wiedervereinigung" zwischen den Gemeinden Steinberg und dem heute nur noch in Resten bestehenden Bredegatt - jedoch unter Ausschluss von Steinbergkirche. Steinbergkirche sei für Steinberg "unbequem" und eigne sich weit besser zu einer Vereinigung mit der Gemeinde Gintoft, heißt es in den Annalen. Die Gintofter wollten Steinbergkirche aber nicht haben, und so blieb Steinbergkirche bei der kleinen Landgemeinde Bredegatt.
Das Wechselspiel ging später weiter: So gliederte sich das historisch gewachsene Kirchspiel Quern in drei politische Gemeinden auf: Neukirchen, Kalleby und Roikier blieben bei Quern, während Hattlund und Westerholm der neuen Gemeinde Steinbergkirche zugeordnet wurden und Habernis aufgrund der alten Schulverbindung mit Norgaardholz zur Gemeinde Steinberg kam. Ein neuer Anlauf, die Gemeinden Steinberg und Steinbergkirche wieder zu vereinigen, scheiterte 1973/74.
Asmussen konstatiert: "Der große Wurf, nämlich eine große Gemeinde aus dem alten Amt Quern-Steinberg zu schaffen, wurde damals verpasst." Was die Ämterneuordnung 1949 bewirkte, kam einer alten Wunscherfüllung gleich: Die alten Ämter Quern und Steinberg verschmolzen zum Amt Quern-Steinberg. Rund 25 Jahre lang - bis zur nächsten Gemeindegebietsreform - bestand diese Verwaltungseinheit. Danach kam es zur Gründung des größeren Amtes Steinbergkirche mit sieben Kommunen.
Seit der letzten Ämterreform stehe jetzt wieder eine Zusammenlegung der viel zu kleinen Gemeinden auf der Agenda, sagt Heimatkundler Asmussen. Sogar über die Bildung einer Großgemeinde "Geltinger Bucht" werde bereits nachgedacht. "Letzteres hätte den großen Vorteil der Abschaffung der Ämter mit ihren demokratisch nur unzureichend legitimierten Amtsausschüssen, aber dafür scheint die Zeit noch nicht reif zu sein." Der Chronist plädiert dafür, dass es künftig zumindest zu einer Zusammenlegung von Quern, Steinbergkirche und Steinberg - mit dann über 3500 Einwohnern - kommt. Diese Großgemeinde sollte dann nicht "Steinbergkirche", sondern "Quern-Steinberg" heißen, alles andere wäre aus der Sicht des Heimatfreundes "künstlich und unhistorisch". Die Kommunalpolitik müsse bei der Namensfindung "die Bevölkerung mitnehmen, damit sie sich mit dem Namen identifizieren kann", mahnt Asmussen.
Leserkommentare
Lust auf mehr? Das Flensburger Tageblatt jetzt
2 Wochen kostenlos testen.






Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden
Warum muss ich mich anmelden/registrieren?
shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!