FLENSBURGER TAGEBLATT

 

Reise ins Zentrum der Grausamkeiten

15. Juni 2010 | 04:30 Uhr | Von Carlo Jolly


Im Audimax auf dem Campus: Ralf Stegner und Birte Pauls mit den Vertretern des Asta von Fh und Uni. Foto: Michael Staudt

Die Flensburger Wut gegen die Sparbeschlüsse der Landesregierung schlägt erste Wurzeln. Jedenfalls durfte SPD-Oppositionsführer Ralf Stegner am Nachmittag bei seiner Rundtour zu den Bedrohten der Kieler Sparwut eine echte Gründung miterleben. Seit gestern gibt es auf dem Campus eine Juso-Hochschulgruppe, als deren Premieren-Gast Stegner vor 40 Studierenden und zwei Professoren reden durfte. "Ich habe vor 30 Jahren in Freiburg selbst eine Juso-Hochschulgruppe gegründet", verriet Stegner.

Ob bei den Vertretern im Justizvollzug, die nach Schleswig ziehen sollen, oder am Landestheater bei Generalmusikdirektor Mikhel Kütson, der erklärte, was 80 wegfallende Stellen bei den Ensembles bedeuten: "Kein Chor, keine Solisten, verkleinertes Orchester." Man muss nur Solisten durch Professoren ersetzen, schon ist es fast auf den Campus übertragbar.

Stegners Appell vor den Studierenden im Audimax: Erstens die Lehrerbildung als Kern der Uni stützen und die frühkindliche Bildung einbeziehen. Zweitens: Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit stärken, die ja nicht nur die Uni, sondern auch die Fachhochschule erfolgreich pflege: "Das kann die Kieler Uni nicht", sagte Stegner. Und drittens müssten Uni und FH ihre Zusammenarbeit verbessern. Zuvor hatte er bereits eine gute Stunde mit den Präsidien von Uni und FH beraten. Stegner rät, die Alleinstellungsmerkmale des Standorts mit dem tollen Campus hervorzuheben und ideenreich zu sein: "Defensiv-Diskussionen verliert man immer", sagte er mit Blick auf die Frage, wann der erste Professor des bedrohten Management-Instituts pensioniert werde: "Ich bin für engagiertes Angriffsspiel", erklärte der SPD-Chef - und manch ein Student mag an den launigen Sonntagabend mit dem 4:0 beim Public Viewing an der Harniskaispitze gedacht haben. Dass die Energie-Studiengänge eingestellt werden könnten, mag er sich ohnehin nicht vorstellen: "Das gehört doch zu den wenigen Bereichen, in denen Schleswig-Holstein Bundesliga spielt." Stegner gab aber auch zu bedenken, dass auf der Einnahmeseite auch Steuern erhöht werden müssten, wenn Bildung und Forschung weitgehend vom Spardiktat verschont werden sollten: Vermögenssteuer, Spekulationssteuer - und im Land Grunderwerbssteuer oder Küstenschutzabgabe.

Die seit Wochen auf dem Campus aktiven Studenten kritisierten aber auch, dass Stegner als Wissenschaftsstaatssekretär und Finanzminister auch nicht geholfen habe, die Uni besser finanziell auszustatten. Da verwies Stegner auf die zahlreichen millionenschweren Neubauten auf dem Sandberg. Eine Studentin erklärte, es sei ja auch eine tolle Grenzüberschreitung, wenn die Flensburger CDU für die Hochschul-Demo am Mittwoch in Kiel zwei Busse sponsere und wollte wisse, ob die SPD auch einen Bus bezahle. Stegner bedankte sich für den Hinweis, erklärte, dass er glaube, die SPD kriege das schon hin und ergänzte: "Ich finde es eine großartige Sache, dass die CDU Busse finanziert, um gegen die eigene Politik zu demonstrieren." Und dann erinnerte er daran, dass die Abgeordneten, die am Ende entscheiden, ja dem Gemeinwohl und ihrer Region verpflichtet seien.

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