FLENSBURGER TAGEBLATT

 

Das Leben als Abenteuer im Outback

10. August 2010 | 04:30 Uhr | Von Antje Walther

Down Under im Blick: Im Arbeitszimmer der Engländerin Susan Duxbury lässt sie ihre Erlebnisse in Australien in ihre Bücher einfließen. Foto: walther

Harrislee. Noch kurz vor dem Sechs-Tage-Krieg seien die Eltern mit ihr im Mai 1967 durch den Suez-Kanal gehuscht, um das Glück in Neuseeland zu finden. Da hatte Susan Duxbury gerade ein Hotelmanagement-Diplom aus Harrogate in der Tasche. Auf der langen Überfahrt lernte sie 20-jährig ihren künftigen Ehemann kennen.

Susan Duxbury reiste nach Australien, um Manfred wiederzusehen. Ein Jahr später heirateten die beiden in Esperance, 800 Kilometer südlich der westaustralischen Stadt Perth. Für eine Agrargenossenschaft seien sie von Farm zu Farm gezogen. Als einsam habe sie das Leben dort manchmal empfunden, die Städte waren isoliert. Knappe vier Jahre hat die Engländerin das Outback erlebt. "Deshalb fühle ich mich berechtigt, darüber zu schreiben, wie das Leben im Outback ist", sagt sie. Und die mal karge, mal wilde Landschaft überrascht immer wieder.

Die Geschichte der drei Norddeutschen, die im Buch "Buschleben" nach Australien auswandern, beginnt im Jahr 1960. Wahre Wanderarbeiter - swagmen - lassen sich weder anpöbeln noch langweilen, ziehen weiter, wenn der Chef stört oder es an Leben mangelt. "Die Eisenbahn geht von West nach Ost - das sind 2000 Kilometer geradeaus", skizziert sie die erste Station der Männer im Buch. "Wie ein Gefangener an der Kette" arbeiten die Burschen; als Zeitvertreib dient Abgebrühteren die grauenvolle Quälerei eines Fuchses.

Die Handwerker ziehen fort, versprechen sich mehr von der Stahlindustrie, suchen später ihr Glück in den Opalminen. Schließlich in Perth treffen sich "drei Zimmermänner, die sich gesucht und gefunden haben". Wenn das Trio Geld genug erwirtschaftet hat, "lassen sie die Tassen hochleben", sagt die Britin schmissig.

Susan Duxbury scheut keine krassen Beschreibungen, denn sie passen ins Bild. "Ich lese vor, was ich geschrieben habe, denn es muss authentisch sein", erklärt sie ihre Methode, in der Manfred als Korrektiv fungiert. Er würde sagen, was stimmt und was nicht. "Buschleben" basiere schließlich auf Tatsachen. Und die Charaktere formt sie, wie sie die Menschen haben will. Das reale Leben der Susan Duxbury mischt sich mit dem zwischen den Buchdeckeln. "Eng" sei der Lebensstil in Deutschland - sagt sie das oder ein Protagonist?

"Once three jolly swagmen" heißt das Original, das 2003 auf Englisch erschien. "Buschleben" ist keine pure Übersetzung, sondern "neu geschrieben auf Deutsch". Duxbury gefalle es wesentlich besser als das Werk in ihrer Muttersprache. Die Autorin - mithilfe einer Übersetzerin - erzählt eine fesselnde Geschichte mit klugen Gedanken und frischen Formulierungen. "Einfache Freundschaften wurden einfach beendet", schreibt sie schlicht und richtig oder "Es brauchte keiner zu hören, worüber sie nachdachten". Viele Beobachtungen zerlegt Duxbury sauber bis ins Detail. Selten, aber sehr hilfreich sind die eingeklinkten, meist landeskundlichen Informationen. Die Nöte der Aborigines, die ihrer Ländereien beraubt und ausgegrenzt wurden, haben die Menschen "nicht erkannt", meint die Harrisleerin.

Natürlich kommt auch Heimatliches vor in der Geschichte der Nordlichter in Australien. Deren Begegnungen sind stets kommunikativ; mit neuen Bekannten sprachen sie über "die Schifffahrt entlang der herrlichen Förde. Flensburg sei doch eine schöne Stadt und Husum auch, stimmten sie überein. Je später der Abend, desto schöner wurde die Heimat, und wehmütig wurden sie auch..." Die "Map of Australia" von 1960 und das Glossar schließlich helfen dem Leser beim Mitreisen auf der Landkarte.

Wie jedes Buch, das zur Kritik serviert wird, hat auch dieses ein paar kleine Schwächen: Falsche Worte wie "Trommelfelder", obwohl vermutlich "Trommelfelle" gemeint waren, sind sehr selten und verzeihlich. Etliche Weggefährten der Wanderarbeiter fordern das Namensgedächtnis heraus und führen unvermittelt an den nächsten Ort. Denn das Buschleben ist verflochten - und das Buch eine lesenswerte Entdeckungstour.

Susan Duxbury, Buschleben, Abera-Verlag: Hamburg, Juni 2010, ISBN 978-3-934376-87-8.


 

Leserkommentare

 


Lokalausgabe wählen

 


Was suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

Wen suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

 
HOCHSCHULE
Campus-Seite
Neues von den Hochschulen im Norden
 
HÄUFIG GELESEN

Junge Band präsentiert zeitgemäßen Mix

Am Sonnabend, dem 3. März, werden mit der "Björn Ingelstam Band" aus Schweden einige der ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ