FLENSBURGER TAGEBLATT
1400 Stimmen gegen den Schweinestall
Steinbergkirches Bürgermeister Gernot Müller (rechts) nahm die Unterschriftenlisten von Birgit Jessen-Braun (links) und Irmtraut Cordes in Empfang, um sie an den Kreis Schleswig-Flensburg weiterzuleiten. Foto: u.köhler
Steinbergkirche. Innerhalb kürzester Zeit hat sich im Namen von Landschafts- und Umweltschutz eine Bürgerinitiative im Bereich der Gemeinden Steinbergkirche und Steinberg formiert. Vor gut einem Monat hat diese nicht nur gegen ein Ferkelaufzucht-Vorhaben mit 4480 Tieren in Gintoft demonstriert (wir berichteten), sondern auch eine Unterschriften-Aktion auf den Weg gebracht. 1397 Bürger aus den beiden Gemeinden und darüber hinaus sowie Herbsturlauber haben sich auf den Listen eingetragen unter dem Motto: "Bauernhöfe ja, Agrarfabriken nein."
Die Unterschriftenlisten überreichten die Sprecherinnen der Initiative, Irmtraut Cordes, Birgit Jessen-Braun sowie Sylvia Grajetzky vor dem Amtshaus in Steinbergkirche jetzt an Bürgermeister Gernot Müller. Der sprach von einer "gelungenen Aktion" der Initiative, die bereits 110 Mitglieder hinter sich weiß. Angesichts derjenigen, die mit rosa Luftballons - zum Teil mit Schweinegesichtern bemalt - angetreten waren, um ihre Stimmen gegen Massentierhaltung, Biogasanlagen und Gentechnik zu erheben, bedauerte es Müller, dass diese Aktion erst jetzt stattfinde. Sie hätte eher erfolgen müssen, um früher Einfluss auf die Gesetzgebung zu nehmen, meinte er.
Er als Bürgermeister sei jedoch gehalten, geltende Gesetze zu befolgen und könne die Unterschriftenlisten deshalb lediglich an den Kreis zur Entscheidung weiterreichen. Als Bürgermeister, fügte Müller hinzu, sei er diesbezüglich nur "ein kleines Zünglein an der Waage - ohne Einfluss". Wäre er nicht in diesem Amt, wäre er auf Seiten derer, die sich gegen Massentierhaltung und die Flut an Biogasanlagen zur Wehr setzen. Sein Stellvertreter Werner Weißenfels ergänzte, dass er "hinter der Aktion" stehe, doch seien auch ihm die Hände gebunden.
Die Sprecherinnen der Bürgerinitiative verdeutlichten, dass sie gegenüber der Gemeinde nicht auf Konfrontationskurs seien, vielmehr das Miteinander suchen: "Wir müssen etwas tun, um das Leben auf dem Land für uns und die Urlauber lebenswert zu erhalten."
Die Bürgerinitiative kündigte an, ihren Einsatz nicht nur fortsetzen, sondern noch intensivieren zu wollen. Ihr Ziel sei es, über Steinbergkirche und Steinberg hinaus ein Initiativen-Netzwerk zu schaffen, das sich im Sinne von "Bauernhöfe statt Agrarfabriken" gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft zur Wehr setze. Dabei gehe es keineswegs gegen die Landwirtschaft als solche. Sie gehöre zur Landschaft dazu, solange sie sich nicht industrialisiere. Initiativen-Mitglied Till Thiel aus Steinberg machte sich für die "bäuerliche Landwirtschaft", zu der er sich zählt, stark. Ein Abdriften in die Agrarindustrie würde seiner Einschätzung nach dazu führen, dass bäuerliche Betriebe ebenso wie der ländliche Raum "kaputt gehen". Das schade nicht nur den hier lebenden Menschen, sondern habe auch negative Folgen für den Tourismus, ein unverzichtbares wirtschaftliches Standbein der Region.
Die Mitglieder der Initiative zeigten sich entschlossen und kündigten an: "Unser Ziel ist ein landesweites Volksbegehren, um die Landesregierung auf Trab zu bringen."
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