FLENSBURGER TAGEBLATT

 

Was glaubt du?

04. Februar 2012 | Von Carmen Rahlf;Die Autorin ist Pröpstin im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg

Was glaubst du? Auf diese Umfrage unter jungen Menschen antwortete ein 24-jähriger Krankenpfleger: "An ein Leben nach dem Tod". So selten ist diese Antwort nicht, auch wenn wir wenig über dieses Leben aussagen können.

Am ehesten können wir es vielleicht in Abgrenzungen beschreiben. So tat es auch ein Autor in seinem theologischen Kommentar. "Wir als Christen", so kommentierte er, "können uns nicht vorstellen, als Tier wiedergeboren zu werden und auch nicht, uns Harfe spielend auf einer Wolke wieder zu finden".

So weit konnte ich folgen. Als er jedoch schrieb, er könne sich nicht vorstellen, dass Täter und Opfer des Holocaust sich um einen Tisch versammeln, da platzte unwillkürlich energischer Protest aus mir heraus. "Ja, vorstellen kann ich es mir vielleicht auch nur sehr schwer, aber hoffen - hoffen doch!" Alle um einen Tisch, eigentlich ein Skandal - unmöglich! Aber gerade das macht unseren Glauben aus, dass wir wagen, das Unmögliche zu denken und uns vorzustellen.

Ja, sogar davon zu reden, nicht weil wir es fertig brächten, sondern weil unser Gott dafür einsteht. In Jesus Christus hatten wir ihn mitten unter uns. Und er saß zu Tische mit denen, die alle mieden. Darauf hoffe ich!

Was hätten sonst unsere Abendmahlstische für einen Sinn? Was die Hingabe Jesu am Kreuz, wenn sie nicht Zeichen eines anderen, eines neuen Lebens, Zeichen von Hoffnung, Veränderung, Auferstehung wären?

Am 27. Januar war Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Ein Tag, der uns an die große Schuld, die unser Volk auf sich geladen hat, erinnert. Ein Tag aber auch, der uns nicht nur zurückwirft auf diese Schuld, sondern uns auch hoffen lässt, dass unser gemeinsamer Gott des Friedens und der Versöhnung uns Brücken baut über die Gräben, die wir zwischen uns geschaffen haben. Der uns hilft, zu einem neuen Leben aufzubrechen.

Und das nicht erst jenseits unserer Tage hier, sondern schon in diesem Leben. Und ich hoffe, dass es nicht daran scheitert, weil ich es mir nicht vorstellen kann, sondern dass es geschieht, weil Gott es ermöglicht - uns ermöglicht. Daran glaube ich!


 

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