FLENSBURGER TAGEBLATT

 

Streit um gekappte Erlen

22. Februar 2012 | 04:00 Uhr | Von ki

Der besorgte Peter Hellmann weist auf den "Baum-Frevel" hin. Foto: kirschner

Biolandwirt und Wasser- und Bodenverband uneinig über Baumfällaktion in Timmersiek

Handewitt. Peter Hellmann unterhält am Rande des Handewitter Ortsteils Timmersiek einen Bio-Betrieb. Vor ein paar Tagen fütterte er wie gewohnt zusammen mit seiner Frau seine Highland- und Shorthorn-Rinder, als er vor einer der Wiesen eine "große Maschine" sah. Direkt an einem Entwässerungsgraben kappte ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen aus Sillerup auf rund 400 Metern zahlreiche Erlen.

Peter Hellmann ist noch immer schockiert. Sein Ärger über die "Selbstherrlichkeit", als Anlieger über diese Arbeiten nicht vorher informiert worden zu sein, hat dabei eher nebensächlichen Charakter. "Wir betreiben hier aktiven Umweltschutz", erklärt Hellmann.

In den bis zu zehn Meter hohen Bäumen hat der Bio-Landwirt schon diverse Brutvögel, darunter Rebhühner und Fasane, beobachtet. Und die Gräben sowie das Unterholz seien die Heimat von Fröschen, Zauneidechsen und Kröten. All das sieht er nun gefährdet. Zudem entrüstet sich der Timmersieker über den regelrechten "Baum-Frevel", der begangen worden sei. "Die Erlen wurden nicht abgesägt, sondern eher abgefräst", sagt er und zeigt auf einen ausgefransten und seiner Meinung nach zu tief abgesägten Stumpf. Er habe damit Erfahrungen, sagt Hellmann, da er selbst jahrelang als Landschaftsgärtner gearbeitet habe.

Die Arbeiten wurden im Auftrag des Wasser- und Bodenverbands "Meyner Mühlenstrom" durchgeführt. Dessen Verbandsvorsteher Hans-Peter Lauer war vor Ort. Seine Institution sei für die Pflege der Entwässerungskanäle verantwortlich, damit es zu keinem Rückstau und keiner Überschwemmung der landwirtschaftlichen Felder komme. "Wir müssen die Gräben von Gras und Schlamm reinigen", sagt er, "um an diese heranzukommen, müssten die Böschungen gepflegt werden."

Lauer beteuert, einige Tage vorher Peter Hellmann über die Tätigkeiten am Ufer informiert zu haben. Er habe aber den Eindruck, dass der Timmersieker vom Umfang überrascht worden sei. Für Lauer hingegen lief alles normal. "Wir haben einen Bagger mit einer Knickschere eingesetzt - so wie es auch bei der Knickpflege an den Straßen geschieht", erklärt er. "Und die Gräben sind so etwas wie die Straßen für das Wasser." Vielleicht, so räumt er jedoch ein, hätte man bei den Bäumen eine Motorsäge benutzen können. "Aber bevor nicht jemand fachlich vorgibt, dass unbedingt glatt hätte abgesägt werden müssen, werden wir nicht noch einmal daran gehen." Karsten Petersen, Inhaber des Lohnbetriebs in Sillerup, mahnt derweil zur Ruhe: "Die Erlen werden schnell wieder wachsen." Das Zurückschneiden auf nur 20 Zentimeter sei kein Problem.


 

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