FLENSBURGER TAGEBLATT
Sport für Vater und Kind - Mama bleibt draußen
Apenrade.
Väter holen sämtliche Kästen, Böcke und Mattenwagen aus dem Geräteraum. Obendrauf sitzt stets eine Traube von Kindern. Alles - oder zumindest fast alles, was der Geräteraum zu bieten hat - landet in der Turnhalle, die binnen weniger Minuten zu einem Abenteuerspielplatz verwandelt wird. Fast jeder Quadratmeter der Halle ist belegt. Nach einem Bärentanz, bei dem alle Muskeln etwas aufgewärmt werden, geht es los. Niemand gibt Kommandos. Jeder macht das, worauf er Lust hat.
Die kleine Ida schaut bewundernd auf das große Mädchen, das sich von seinem Vater immer höher hinaus auf der Affenschaukel anstoßen lässt. "Willst du auch mal", fragt ihr Vater und Ida nickt. Ganz behagt ihr die Situation nicht. Sie klammert sich an die dicken Taue. Aber sie überwindet ihre Furcht, ihr Griff wird immer lockerer. "Höher", fordert sie ihren Vater auf. "Noch höher?", fragt Idas Vater fast schon ungläubig. Seine Kleine schaut ihn selig an: "Noch viel, viel höher!" Die Zweieinhalbjährige ist so begeistert von ihrem eigenen Mut, dass es sie den ganzen Vormittag immer wieder zu den in luftiger Höhe verknoteten Seilen zurücktreibt. Mit Mama wäre die Schaukelei wahrscheinlich nicht so hoch hinaus gekommen. Sie hätte aus Angst um ihr Töchterchen wohl schon lange "Stopp" gerufen. Aus diesem Grund sind Mütter an diesen Sonnabenden auch aus der Turnhalle der Staatsschule verbannt. Es steht zwar nicht an der Tür, aber dort könnte durchaus ein Schild mit dem Wortlaut "Kein Zutritt für Mütter" - oder gar: "Wir müssen draußen bleiben!" angebracht werden. Die Turnhalle ist an Sonnabenden allein Männern und ihren Kindern vorbehalten.
"Team Farmand" nennt sich der Spaß. Es ist nämlich kein Verein. Jeder (Mann) mit Kindern im Alter von zwei bis fünf Jahren kann mitmachen. Jeder ist willkommen, der mit seinen Kindern einen "bewegten" Vormittag verbringen will.
Vater Alex, der diesmal so eine Art Kommando hat, erzählt, dass "Team Farmand" einmal im Jahr auch an der großen Turnvorführung des Apenrader Turnvereins Aaig teilnimmt. "Wir üben aber nichts ein; gar nichts", unterstreicht er. Im "Team Farmand" sind die Anarchisten unter den Turnern. Es herrscht tatsächlich ein wenig Chaos in der Halle; aber es macht allen sichtlich und hörbar Spaß. Es wird gelacht und gejuchzt. Jeder macht das, worauf er gerade Lust hat. Dennoch wird hier aus dem Spiel heraus Erstaunliches geboren. So mancher Zirkuskenner würde angesichts einiger akrobatischen Balanceakte anerkennend mit der Zunge schnalzen. Wenn Vater mit Kind auf den Schultern über einen schmalen Balken balanciert, dann ist das schon sehenswert.
Zwischendurch wird auch mal Pause gemacht. Dann kehrt Stille ein in der Halle. Alle setzen sich auf kleine Teppichbodenmatten, öffnen ihre Brotboxen - die die Mütter übrigens meistens ihren Lieben mitgeben, wie die Männer schmunzelnd gestehen - und sammeln wieder neue Kräfte für weitere Abenteuer. Jeden Sonnabend treffen sich Väter und ihre Kinder zum Toben und Tollen in der Turnhalle der Apenrader Staatsschule. Einen ganzen Vormittag können die Kinder - und ihre Väter - hier all das machen, was den Müttern daheim vielleicht das Herz stocken ließe: Hier wird in luftiger Höhe geschaukelt, über riesige Abgründe gesprungen und mit Affenzahn gegen die (Matten-) Wände gerannt. Tränen kommen vor, sind aber schnell getrocknet. Papa ist ja da. "Team Farmand" ist der Name der Aktivität, zu der Mütter keinen Zutritt haben.
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