SCHLEI-BOTE

 

Erster Kapellmeister

Österreicher entdeckt die Nordsee und gibt volle Kraft

07. September 2010 | 04:00 Uhr | Von Antje Walther

Schneller Einstieg: Peter Sommerer ist seit Juli in Flensburg und lobt die enorme Arbeitsbereitschaft der Theater-Kollegen. Foto: staudt

Flensburg. Peter Sommerer war "sofort involviert", als er Ende Juli nach Flensburg kam. "Mitgehangen, mitgefangen", sagt er irgendwann keck, wirkt rundum erfrischend, dabei überlegt. Die angesichts drohender Beschneidung des Landestheaters spontan aufgelegte Große Operngala sorgte im Sommer für seinen geschmeidigen Einstieg als Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor (GMD). Trotzdem hat er bereits erste Entdeckungen in der neuen Heimat gemacht, beschreibt den "wahnsinnigen" Erholungseffekt, der schon auf der Fähre zu nordfriesischen Inseln spürbar sei.

Kapellmeister war Sommerer fünf Jahre lang zuvor in Osnabrück, zugleich Chordirektor - dieser doppelte Hintergrund wird hoch geschätzt. "Uns sind die Zugaben ausgegangen", erinnert sich der 34-Jährige, dessen charmanter Dialekt die österreichische Heimat Steyr nicht verbergen kann, an die Gala. "Große Arbeitsbereitschaft" habe er sofort bemerkt beim Orchester, Chor, bei den Solisten und sagt, die Arbeit mache Spaß. Unter den Künstlern herrsche eine "konzentrierte, aber trotzdem nicht verkrampfte Atmosphäre", lobt der Sohn sangesfreudiger Eltern.

Der Österreicher nahm mit sechs Jahren zum ersten Mal die Geige in die Hand, mit 13 den Taktstock. "Das hat funktioniert", glich einer "Initialzündung". Mit 18 ging er noch zum Gymnasium, war zugleich "Jungstudent" in Linz; er studierte zudem in Wien. Auch ein Pädagogikstudium habe er abgeschlossen, jedoch nie in dem Beruf gearbeitet. Zwei Wochen, nachdem er sein Dirigierstudium begonnen hatte, habe die Wiener Oper ihn angefragt. Eine "gute Schule" nennt er die Erfahrungen dort, überwiegend mit "zeitgenössischer Musik". Das Orchester sei überall gewesen, "nur nicht im Orchestergraben", erinnert er sich. Er lernt Michael Boder kennen, einen namhaften Dirigenten, der so wie Sommerer jung das Dirigieren und Verantwortung übernahm. Der Hospitation bei einer Uraufführung folgte kurz darauf die Frage an Sommerer: "Haben Sie in den nächsten sechs Wochen schon etwas vor?" Drei Jahre Assistenz und die Zusammenarbeit mit großen Häusern in Berlin, Dresden, München, Salzburg waren die Antworten. Viel Wagner und Strauss, Meistersinger, Siegfried und Rosenkavalier habe er binnen kurzem einstudieren müssen.

Wie "lehrreich" die Zeit als Assistent auch gewesen sein mag, irgendwann müsse man sich davon lösen. In Flensburg und im Land will der Österreicher seine "Kraft für den Erhalt des Theaters einsetzen", die anvertrauten Produktionen so gut wie möglich machen. Denn "volle Häuser sind die besten Argumente", deutet er die politischen Signale. Ohne das Landestheater, das eine Region bespiele und große Teile der Kultur bediene, wäre das Land "kulturell trocken", sagt Sommerer.


 

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