SYLTER RUNDSCHAU

 

Nord und Süd auf appetitlichem Annäherungskurs

07. September 2010 | 03:00 Uhr | Von Frank Jung

Erster "Feinheimisch"-Gastronom in Dänemark: Oliver Firla (links)

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Sonderburg / Schleswig. Beinahe im Akkord reicht Oliver Firla sein Angeliter Sattelschwein mit Karottengemüse an Sanddorn-Ket chup über den Tresen. Die Neugier der Dänen ist groß auf die Kostproben von der anderen Seite der Grenze. Erstmals hat sich ein Mitglied des Gastronomen- und Produzenten-Zusammenschlusses "Feinheimisch" über die Grenze gewagt: zum zweiten "Brot- und Essensfestival in Skærtoft Mølle auf der Insel Alsen mit rund 5000 Gästen. Geht es nach Veranstalterin Hanne Risgaard und Firla, wird sehr viel mehr aus dieser zarten Annäherung.

Risgaard schwärmt vom Gottorfer Landmarkt, den sie in diesem Mai kennengelernt hat. "Den können wir in Dänemark gut als Inspirationsquelle nutzen", urteilt die gelernte TV-Journalistin und heutige Betreiberin von Dänemarks führender ökologischer Getreidemühle bei Sonderburg. "Die vielen Stände dort verbreiten ja ein fast südländisches Flair", sagt sie, die für ihren eigenen Markt bisher mit langen Ausstellungstischen in Zelten vorlieb nimmt. Engere Kontakte könnten der Selbsteinschätzung vorbeugen, dass sich jeder als Öko-Weltmeister fühle. Die Dänen sieht sie beim Gemüse teilweise als Vorreiter, die Deutschen bei Kräutern und Käse. Ihre Vision lautet: "Im nächsten Jahr sowohl mehr dänische Produzenten auf dem Landmarkt im Mai - und mehr schleswig-holsteinische Anbieter bei unserem Festival im September - das wäre eine fantastische Interaktion für die ganze Region". Risgaard ist überzeugt: "Je mehr wir gemeinsam essen, desto bessere Nachbarn werden wir." Der Essenskultur sei der Grenzverlauf über die Jahrhunderte eh egal gewesen. Als Beweis dafür sieht sie eine durchgängig schleswigsche Küche mit vielen Gemeinsamkeiten in Nord und Süd.

Traditionellen Rezepten daraus einen zeitgemäßen Anstrich zu geben, war die Aufgabe für acht Zweier-Teams, die in einem Kochwettbewerb zwischen der Flensburger Hannah-Arendt-Schule und dem EUC Syd in Apenrade gegeneinander antraten. Um Tapas-inspirierte Vorspeisen mit Fisch ging es, um Schweinebrust mit Herbstgemüse und Grütze. Unter anderem stellte sich dabei heraus: Von den Dänen hatte noch nie jemand von der "Kieler Sprotte" gehört. Am Ende gewannen die Dänen mit etwas über 800 Punkten. "Es war aber ein knappes Rennen, alle lagen dicht beieinander", unterstrich das deutsche Jury-Mitglied, der Gastro-Kritiker Stephan Opitz. Das Bewertungsteam tagte unter Vorsitz von Jens Peter Kolbeck, als einstiger Koch von Königin Margrethe II. einer der Spitzenkräfte seiner Profession nördlich der Grenze. Mit dabei waren außerdem Mikke Maarbjerg aus Kopenhagen, Inhaber zweier Guide-Michelin-Sterne, und Thorsten Schmidt, Mit-Inhaber des Gourmet-Restaurants Malling & Schmidt in Aarhus. Mit ihm fand auch Oliver Firla viel Zeit zum Plaudern. "Dabei haben wir ins Auge gefasst, dass wir ein gegenseitiges Event machen können - er als Gastkoch bei mir und ich bei ihm", blickt der Wirt von "Odins Gasthaus" über den Tellerrand des Festivals. Und zwar ein Event zum Thema Wikinger. Sein Lokal liegt direkt vor Haithabu; die Gründung Aarhus’ geht ebenfalls auf die Nordmänner zurück. Firla: "Das Kapitel verbindet uns über die Grenze länger als alles andere."


 

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