FLENSBURGER TAGEBLATT

 

Autokauf-Ärger

Neue Plakette für "Schrott-Passat"

03. September 2010 | 04:50 Uhr | Von Gunnar Dommasch

Den Passat hat Käufer Günther Schmidt inzwischen wieder abholen lassen. Foto: Dommasch

Der Kauf eines gebrauchten Autos ist immer eine Rechnung mit Unbekannten. Für den Harrisleer Günther Schmidt mündete er in eine juristische Auseinandersetzung.

Harrislee / Flensburg. Der Wagen beginnt am Heck zu schaukeln, fährt nicht in der Spur. Die Servo-Lenkung versagt. Immer wieder. Die Bremsen klemmen. Wenn jetzt ein Kind auf die Fahrbahn läuft oder ein Radfahrer plötzlich abbiegt, denkt Günther Schmidt. Wenn es dann kracht, dann bin ich schuld.

Der Kauf eines gebrauchten Autos ist immer eine Rechnung mit Unbekannten. Als Günther Schmidt im Mai seinen frisch erworbenen Gebrauchten bei dem Meisterbetrieb "Auto-Oase" im Industriegebiet Süd abholt, ist er voller Vorfreude. Endlich ein Zweitwagen zu seinem BMW, groß und günstig - der Maler will ihn seines Ladevolumens wegen hauptsächlich als Firmenwagen nutzen.

Die Mängelliste ist vernichtend

Kaum am Steuer des 17 Jahre alten Passats, das böse Erwachen. Dabei ist das Fahrzeug gerade erst durch die Hauptuntersuchung gelaufen - die bis 2012 gültige Plakette wurde nach Feststellung geringer Mängel von der Zulassungsstelle angebracht. Allerdings hätten zwei korrodierende Bremsleitungen und die gerissenen Staubmanschetten der Lenkgetriebe binnen eines Monats instand gesetzt werden müssen. Das hat Dipl.-Ing. Willi Eggers, Partner der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger, kurz Küs, in seinem Prüfbericht festgestellt. Vier Beanstandungen - mehr nicht.

Das Ergebnis des Tüv Nord, den Schmidt dreieinhalb Monate und 7317 Kilometer später mit einer erneuten Untersuchung beauftragt, liest sich da ganz anders. Zu den bereits beanstandeten Schäden gesellen sich sieben weitere "erhebliche Mängel". Die Liste ist vernichtend: Stoßdämpfer hinten, Wirkung ungenügend; Fahrwerksfeder hinten gebrochen; Radaufhängung vorn und Traggelenk links ausgeschlagen; diverse Leuchten beeinträchtigt oder ohne Funktion; Servolenkung: teilweise Unterstützungsausfälle. Darüber hinaus Korrosion an Fahrzeugaufbau, Bodengruppe und Bremsleitungen. Das Urteil des Tüv: "Die Prüfplakette durfte nicht zugeteilt werden." Ein Sprecher ergänzt: "Eindeutig ist hier eine Gefährdung des Straßenverkehrs gegeben." Das Traggelenk sei stark ausgeschlagen gewesen, ein Reifen hätte einfach zur Seite wegklappen können. Und die Wahrscheinlichkeit, dass einige Mängel schon bei der ersten Untersuchung vorhanden waren, sei nicht gering. "Es ist merkwürdig, dass so viele Schäden im nachhinein dazu gekommen sein sollen." Vielleicht habe der Prüfer einen schlechten Tag gehabt?

"Das ist eine tickende Zeitbombe"

Wie kann ein nahezu schrottreifes Fahrzeug die Hauptuntersuchung bestehen? Hat der Sachverständige vielleicht beide Augen zugedrückt? "Nein, ich habe gewissenhaft geprüft und nichts übersehen", versichert Willi Eggers. "Mit Sicherheit." Die Feder, sie dürfte wohl erst später gebrochen sein.

Günther Schmidt wird nach dem Kauf noch einmal bei Eggers wie auch der "Auto-Oase" vorstellig. Zumal ihm ein befreundeter Fahrlehrer geraten habe, das Auto flugs zurückzugeben. "Das ist eine tickende Zeitbombe."

Lautstarke Auseinandersetzung um die Kosten

Schmidt versucht's. Seine Version: Der Autohändler habe ihn schnöde vom Hofe gejagt. "Stimmt nicht", sagt Geschäftsführer Erkan Özhizalan. Er habe seinem Stammkunden, der mit Raten und recht unzuverlässig zu bezahlen pflege, angeboten, das Auto zurückzunehmen. Die großzügige Offerte habe dieser, der bis heute gerade einmal 400 Euro des Kaufpreises (1490 Euro) beglichen habe, nach einer lautstarken Auseinandersetzung um die Kosten für neue Stoßdämpfer leider nicht annehmen wollen.

Nun fordert Özhizalan zusätzlich 400 Euro für die Nutzung des Fahrzeugs, Abholung, Reparatur sowie Reinigung von dem Käufer. "Kann ja nicht angehen, dass er ein Vierteljahr umsonst damit unterwegs ist."

Günther Schmidt denkt nicht daran zu zahlen. Während er geistig bereits auf dem Weg zum Anwalt ist, sitzt Erkan Özhizalan nun wieder auf dem ungeliebten Passat. Will er erneut versuchen, ihn an den Mann zu bringen? "Weiß noch nicht", sagt der Händler, "ich warte erst mal ab."

 

Leserkommentare

LILLEFAR LILLEFAR 03.09.2010 06:57

Schlechten Tag gehabt?

Da muss der Prüfer Wille Eggers wirklich einen schlechten Tag gehabt haben, mein Auto (5 Jahre alt, im perfekten Zustand) hat er 45 Minuten lang geprüft, es wurde sogar jeder Sicherheitsgurt einzelnd abgewickelt. Ich habe nich nie eine so gewissenhafte Prüfung erlebt und war geneigt nie mehr dort prüfen zu lassen, weil es so lange gedauert hat. Beim TÜV geht es sehr viel schneller, meine letzte Prüfung dort hat gerade mal 10 Minuten gedauert, bei den hohen Prüfgebühren kommt man da auf einen Stundensatz von rd. 500€, das finde ich schon unverschämt.

DER SEHER IM STURM 03.09.2010 08:38

Lachnummer

Na super da kauft jemand ein historisches Auto bei einem Händler, dessen Ruf (ich denk mir das mal) ist. Schon DREI Monate später !!!!!! bemerkt Herr Schmidt die anderen Schäden. Da lach ich mich doch wech. Ach ja Lillefar wenn am Auto nix ist, dann hat der TÜV auch nicht stundenlang zu tun. Zurück zum Schmidt..... Da hat sich aber jemand selbst ins Knie geschossen. Und er shz wird zur "Rächerbildersatzzeitung" Motto der shz kämpft dür SIE, auch wenn sie eigentlich zu d..m sind. Ich halte von der Auto Oase nichts, aber 7000 Km gefahren und NICHTS gemerkt.... da lach ich doch nochmal.

V. V. 03.09.2010 09:09

Richtig...Lachnummer...

Ich glaubs nicht...Kommt über 7000 gefahrene Kilometer und dreieinhalb Monate später an und will für seine Mängel andere Verantwortlich machen...Man das sind Verschleißteile und bei dem Alter des Wagens voll normal...Der eine kriegst früher und der andere später..Kommt auch immer drauf an wieviel Kilometer so ein Wagen runter hat...Und die Fahrweise der ganzen Fahrer auf den Wagen spielt auch eine Rolle....

N M 03.09.2010 11:04

Lächerlich

Das Stinkt doch bis zum Himmel!!!!! Ich kenne den Prüfer und der ist sehr gewissenhaft!!!! So wie sich der Herr Schmidt präsentiert wollte er wohl einfach nur mal in die Zeitung!! Nach 3 Monaten :-)))) Und dann andere mit reinreissen,sowas tut man nicht! Absolute frechheit! Die Mängel hätte auch ich als Maurer erkannt und das mit Augen zu bei der Probefahrt:-) Man,man wirklich peinlich Herr Schmidt also als Maler würde ich sie auch nicht nehmen!!!!

FRANK DRESCHER 03.09.2010 21:48

Unglaublich was ich da zu Lesen bekam...

... da steht doch auf dem Regionalteil der SHZ auf fast 50% der Hauptseite so ein Kindergartenartikel.
Einen PKW berufstätig 7000 km zu fahren (eventuell noch überladen), das Auto noch nicht mal vollständig zu bezahlen, einen TÜV Prüfer öffentlich anzuprangern und den Händler nur nebenbei zu Wort kommen zu lassen (ob dieser nun recht oder unrecht hat sei dahingestellt) nööö, daß geht zu weit.
Ich bin echt am überlegen mein ABO dieser Zeitung zu kündigen.

HANS ANDERSEN 05.09.2010 11:30

Schlechteste Recherche bisher

Sehr geehrter Herr Dommasch, wissen Sie eigentlich für wen Sie sich da stark gemacht haben? Oder ist der Artikel interessant weil der Autohändler kein deutscher Landsmann ist?
Kein Wort über die illustre Person des Herrn Schmidt, der bei einigen Vermietern in der Stadt sehr gut bekannt ist. Es gibt Menschen, die alle Vorteile für sich, auch unberechtigt, in Anspruch nehmen. Aber wehe es scheint sie zu treffen, dann wird ordentlich Wind gemacht. Ich bin mal gespannt, wie es mit dem Herrn S. weitergeht. Schade, dass es dem F.T. ungeprüft nur um Schlagzeilen geht.
Aber schön, dass Herr S. wieder aufgetaucht ist, mal sehen, wer sich nun bei ihm meldet Vielleicht stehen ja auch einige Rechnungen gegen Herrn S. offen. Die Zeitung könnte doch auch mal die Anschrift von Herrn Schmidt veröffentlichen, wie Sie es bei besagten Autohändler getan hat.

REPORTER SCHRECK 05.09.2010 18:34

Ins Schwarze getroffen ???

Sehr geehrte Redaktion und hallo Herr Dommasch,

mit meiner Reaktion und Kritik an Ihrem Artikel hatte ich wohl ins Schwarze getroffen, denn wie ist es sonst erklärlich, dass mein Kommentar nicht einmal 36 Stunden an dieser Stelle geduldet wurde.

Anprangern darf Herr Dommasch mit vollem Namen - Kritik verträgt er (und auch die Redaktion) anscheinend nicht.

FAIR VALUE 05.09.2010 19:10

Mal ganz ehrlich

Klar kann es sein,dass der in-house-prüfer nicht so gearbeitet hat,wie er es unter der bühne der dekra erfolgt wäre.
In Flensburg gibt es einige freie Autohändler,die ihre "Prüfer" nach dem Motto "eine Hand wäscht die andere"beschäftigen.

REPORTER SCHRECK 07.09.2010 20:41

Billiges Auto für Herrn Schmidt - oder welche Existenz soll da ruiniert werden ? Teil 1

Hallo Herr Schmidt, wie ist denn diese Story Zustande gekommen und Herr Dommasch wie unprofessionell haben Sie denn recherchiert?
Erst ein altes Auto kaufen (mit Mängeln), nicht richtig bezahlen und dann noch daran
herumnörgeln - so etwas tut man nicht - Herr Schmidt !!!
Herr Dommasch, mit welchem Recht benennen Sie den Prüfer Herrn E. mit vollem Namen - selbst Kriminelle und durch ein Gericht Verurteilte haben eine Privatssphäre -sind Sie Richter? Sie benennen wage Vermutungen, die schuldhaften Beweise fehlen. Wie an der Sache vorbei und ohne Kenntnis der Sachlage eine öffentliche Vorverurteilung durch Sie, Herr Dommasch, erfolgen kann, ist nicht nachvollziehbar.

Wenn der Prüfer Herr E. im Mai Mängel festgestellt hat, wie können diese dann über drei Monate später noch da sein, wenn der Halter (Herr Schmidt) diese hätte beseitigen lassen müssen? Dies ist in jedem Prüfbericht vermerkt.
Dass solch ein altes Fahrzeug auch nach über drei Monaten und 7300 km noch andere Mängel bekommen kann, ist wie bei dem benannten Passat nichts Ungewöhnliches. Die Hauptuntersuchung durch Herrn E. war die Beurteilung des Augenblickzustandes - keine Prognose für später.
Das Sie, Herr Dommasch, einen angeblichen Sprecher des TÜV (keinen Prüfer!) zitieren, mit einer aneinandergereiten Wortwahl, die nichts mit KFZ-Technik zu tun hat, unterstreicht Ihre fachlichen Lücken auf diesem Gebiet. (Ein Reifen allein klappt immer um - erst auf einer Felge montiert mit Luft gefüllt wird daraus ein Rad, welches an eine Achse angebaut werden kann.)

Wenn der Händler eine Nachbesserung anbietet und von einer Bezahlung abhängig macht, da die Ratenzahlung nicht vereinbarungsgemäß erfolgte, ist ohne Bezug zum Kaufvertrag eine verständliche Darstellung, aber wiederum sind auch hier Lücken in einer Argumentation für Schuld.

Ende Teil 1, da redaktionell auf 2000 Zeichen begrenzt

REPORTER SCHRECK 07.09.2010 20:46

Billiges Auto für Herrn Schmidt - oder welche Existenz soll da ruiniert werden ? Teil 2

Fortsetzung von Teil 1, durch redaktionelle Beschränkung

Anmerkung:
Mein erster Kommentar vom 03.09. wurde durch die Online-Redaktion mit folgender Begründung ".. Ihr... Kommentar erfüllt den strafrechtlichen Tatbestand der üblen
Nachrede." entfernt. Dies habe ich zur Kenntnis genommen.
Es spiegelt aber auch in diesem Satz redaktionelle Schwächen in juristischen Formulierungen wider. Wann bestimmte "Tatbestände erfüllt sind" sollten doch entsprechende dafür geeignete Personen feststellen.
Dass Herr Dommasch schon einige Mängel bei Recherche und Darstellung hatte, zeigten frühere Reaktionen auf seine Artikel.

Pressefreiheit "ja" - öffentliche Anprangerung "nein" ... darüber sollte auch die Redaktion nachdenken.

Ende

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