FLENSBURGER TAGEBLATT
Landwirte im Norden blicken skeptisch gen Brüssel
Kreisbauernverbands-Vorsitzender Hans Erich Mangelsen und Geschäftsführer Jens Rosenplänter im Gespräch mit Stephan Gersteuer (Landesbauernverband, v.l.). Foto: O’Brien
Tarp. Nach einer guten Dreiviertelstunde begannen während der Mitgliederversammlung der Bezirksbauernverbände im Landgasthof Tarp erste leise Diskussionen - Enttäuschung machte sich breit angesichts ernüchternder Einschätzungen des Generalsekretärs beim Bauernverband Schleswig-Holstein Stephan Gersteuer: Falls die Bundesregierung die Vorschläge der EU-Kommission zur Agrarreform annimmt, die seit Oktober bekannt sind, gibt es seiner Ansicht nach künftig weniger Geld für die Landwirte. Auch die gewünschte Entbürokratisierung werde dann nicht kommen, sagte er - " im Gegenteil".
Etwa 100 Zuhörer wollten mehr erfahren über "Aktuelles zur europäischen Agrarpolitik nach 2013". Bauern - und einige Bäuerinnen - waren trotz eisiger Temperaturen aus Großenwiehe, Jörl, Eggebek, dem Amt Oeversee, Nordhackstedt, Medelby, Handewitt und Harrislee gekommen. Es wurde untereinander platt geschnackt, und anfangs hörte man hier und da Gelächter - zunächst noch.
Gersteuer begann seinen Vortrag mit einem Rückblick. Bereits Ende der 1960-er Jahre sollte das Einkommen der Bauern angeglichen werden, sie verdienten zu wenig. Die Milchquotenregelung von 1984 sollte die Überproduktion senken. Dann kam die Reform 2005. Es gab Acker-, Tier- und Milchprämien. Ziel der jetzigen EU-Kommission unter der Leitung des Rumänen Dacian Ciolos ist es, bis 2018 alle EU-Mitgliedsländer zum sogenannten Regionalmodell zu führen. Gersteuer glaubt, dass ein mittelfristige Finanzrahmen mit festgelegten Obergrenzen kommen wird. Und: "Die neuen Mitgliedsländer fordern massiv mehr Geld." Zur grünen Prämie (Greening) hat der Generalsekretär eine klare Meinung: "In einer Zeit, in der die Welt nach mehr Energie ruft, können wir unsere wertvollen Flächen nicht brachliegen lassen!"
Die Bundesregierung sage zu den Vorschlägen bisher nicht viel. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner habe sich noch nicht positioniert. Allerdings stehe auch der Bundesfinanzminister dem Vorschlag eines mehrjährigen Finanzrahmens kritisch gegenüber. Sollte der Finanzrahmen kommen, so Gersteuer, dann sei keine Zeit mehr für eine Agrarreform.
Von Peter-Heinrich Hansen, Bezirksvorsitzender Großenwiehe, nach dem genauen Entscheidungsprozedere gefragt, antwortet Gersteuer: "Es geht zu wie auf einem Basar." Dennoch lautet seine Prognose: "Die Verhandlungen werden schwierig. Die Direktzahlungen spielen nach wie vor eine große Rolle. Wir sind guter Hoffnung, dass unsere Belange unterstützt werden."
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