FLENSBURGER TAGEBLATT

 

Handwerk im Kreis mit goldenem Boden

11. Februar 2012 | 04:10 Uhr | Von hg

Können hoffnungsvoll in die Zukunft blicken: Randolf Haese, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schleswig, und Bauinnungs-Obermeister Robert Davids (rechts). Foto: hg

Auftragsbücher der Betriebe sind prall gefüllt / Durch lahmende Konjunktur in Dänemark kaum Fachkräftemangel im hiesigen Baugewerbe

Schleswig-flensburg. Handwerk hat goldenen Boden - ein Sprichwort nur, aber eines, das sich derzeit im Kreis deutlich bewahrheitet. Seit Anfang der 90-Jahre waren die Zahlen und auch die Aussichten in fast allen Branchen nicht mehr so gut. Vor allem das Baugewerbe im Norden hat nicht nur prall gefüllte Auftragsbücher, sondern muss aufgrund der besonderen Lage im deutsch-dänischen Grenzland zurzeit auch keinen Facharbeitermangel wie weiter südlich befürchten. Ganz frei von Sorgen ist aber Randolf Haese, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schleswig, beim Blick über die Handwerkslandschaft dennoch nicht.

Des einen Freud, des anderen Leid - auch dieses geflügelte Wort passt auf die Situation insbesondere des Baugewerbes im Kreisgebiet. Denn wanderten noch vor fünf Jahren qualifizierte Handwerker zuhauf in Richtung Dänemark ab, weil sie beim boomenden Nachbarn aufgrund eines vollkommen anders gestrickten Sozialsystems deutlich mehr Geld verdienen konnten, so schlägt dieses Pendel zurzeit genau in die andere Richtung aus. Bauinnungs-Obermeister Robert Davids spricht von einer "Vollbremsung" der Baukonjunktur in Dänemark. "Mit der Folge, dass die Fachkräfte wieder da sind", sagt er.

Bei Stellenausschreibungen für seine eigenen Unternehmen finde er den Hinweis auf eine Beschäftigung im Nachbarland zurzeit bei zahlreichen Bewerbern - zum Teil hoch qualifizierten Handwerkern, die den Unternehmen bei gut gefüllten Auftragsbüchern gut zu Gesicht stehen. "Wir haben im privaten wie im öffentlichen Bereich gut zu tun, und von einem Facharbeitermangel können wir auch nicht sprechen", freut sich der Obermeister.

Die Beurteilung der Lage im Gesamthandwerk des Kreises deckt sich mit den Ergebnissen der jüngsten Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Flensburg, die für den gesamten Bereich nördlich des Kanals zuständig ist. Das Jahr 2011 werde als eines der besten überhaupt in die Geschichte des Handwerks eingehen, heißt es. 52 Prozent aller 400 befragten Handwerksbetriebe beurteilten die Geschäftslage als gut, speziell im Baugewerbe waren es sogar 58 Prozent der Unternehmen. Nur vier Prozent sprachen von einer schlechten Lage. 67 Prozent aller befragten Handwerker erwarten eine gleich bleibend gute Lage auch im ersten Quartal dieses Jahres.

Im Hinblick auf andere als die baunahen Gewerke ist es weniger die Auftragslage, die der Kreishandwerkerschaft Sorgen bereitet, es sind generelle Trends, die sich auch im Kreis deutlich niederschlagen. Haese nennt ein Beispiel: "Früher gab es fast an jeder Ecke einen Bäcker, der selbst gebacken hat. In den sechziger Jahren waren noch mehr als 200 backende Betriebe bei uns organisiert, heute gibt es in Schleswig keine fünf mehr." Ebenfalls deutlich rückläufig sei der Trend im Fleischereihandwerk.

Bemerkbar macht sich dieser Strukturwandel in der Ausbildungssituation. "Wir haben relativ viele Bäckereifachverkäuferinnen in der Ausbildung, aber weniger Bäcker", sagt Haese. Auch deshalb betrachte er die "zunehmende Industrialisierung" von Teilen des Handwerks mit Sorge.

Auch die Situation etwa im Bereich des Friseurhandwerkes müsse genau betrachtet werden - nicht aufgrund der Ausbildungs-, sondern der Beschäftigungssituation. So nehme die Zahl der Betriebe zu, die ihre Leistungen zu sehr günstigen Konditionen anbieten. "Hier brauchen wir dringend einen allgemein verbindlichen Lohn, wie es ihn in anderen Branchen schon gibt", sagt Haese, sonst bleibe es dabei, dass gerade im Friseurhandwerk die Schwarzarbeit grassiere.

Keine Probleme in Sachen Ausbildung gebe es im Kfz-Handwerk. Fakt sei: Wie beim Kfz-Mechatroniker brauche man sich um Berufe keinerlei Zukunftssorgen zu machen, in denen die technischen Anforderungen stetig steigen. "Kfz-Technik, Haustechnik, Umwelttechnik - hier wird es immer gut ausgebildete Fachleute brauchen", ist sich Davids sicher.

Als besonders segensreich habe sich im Hinblick auf die Ausbildungserfolge die enge Zusammenarbeit von Betrieben und Schulen im Kreis über IHK und Handwerkskammer erwiesen. Praktika könnten so gezielt angeboten werden. Das sei unglaublich wichtig, betont Obermeister Davids, denn: "Auf anderem Wege kommen Lehrverträge heutzutage kaum noch zu Stande." m


 

Leserkommentare

 


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden

Warum muss ich mich anmelden/registrieren?

shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.

Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!


Lokalausgabe wählen

 


Was suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

Wen suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

 
HOCHSCHULE
Campus-Seite
Neues von den Hochschulen im Norden

Meistgelesene Artikel

 
  1. ###TITEL###
 
 
HÄUFIG GELESEN

CDU tappt in Facebook-Falle

Massenzusagen im Internet: Die Christdemokraten in Hasloh (Kreis Pinneberg) fürchten "Chaoten aus ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ