FLENSBURGER TAGEBLATT
Günstiges Fleisch oder gesunde Tiere?
Mehr Bürgerbeteiligung und Entwicklungsmöglichkeiten für Bauern: Landtagsabgeordnete aller Fraktionen diskutierten unter der Moderation von Dr. Gerd-Uwe Meyer (4. von links) kontrovers über die Auswirkungen konventioneller Landwirtschaft. Foto: Hamisch
Satrup. Am Ende der Podiumsdiskussion mit Landespolitikern zum Thema "Massentierhaltung", zu der 300 Besucher in den im "Satrup Krog" gekommen waren, schien alles ganz klar: Der Verbraucher ist der Schuldige. Ändere er sein Verhalten und gebe mehr Geld für Lebensmittel aus, dann wäre der Landwirt nicht gezwungen immer mehr zu produzieren. Diesen Beitrag von Lothar Hay, SPD-Landtagsabgeordneter, bejubelten die zahlreichen Landwirte, während die Mitglieder der Bürgerinitiative gegen eine Ferkelaufzuchtanlage in Satrup zurückhaltend reagierten. Es wurde deutlich, das Thema Massentierhaltung, in Satrup soll eine Ferkelaufzuchtanlage für 5800 Tiere gebaut werden, lässt die Menschen in der Region nicht kalt. Eingeladen hatte die Bürgerinitiative "Es reicht - kein Schweinestall in Satrup-West!"
"Dieses Thema trifft den Nerv der Menschen", hatte eingangs Moderator Dr. Gerd-Uwe Meyer deutlich gemacht. "Aber nur im ländlichen Bereich", entgegnete Heinz-Werner Jezewski von den Linken im Landtag. In Flensburg würde sich niemand für die Massentierhaltung in Satrup interessieren. Städter schauten auf den Preis und weniger auf die Qualität.
Auf dem Land seien die Menschen mit der rasanten Entwicklung in der Landwirtschaft überfordert, ergänzte Meyer und erhielt Unterstützung von Lars Harms von der SSW-Landtagsfraktion, der deshalb Landwirte und Bürger zum Dialog aufforderte. Die Politik müsse die Grundlagen schaffen, damit die Bevölkerung die Strukturveränderungen akzeptiere, "indem man sie beteiligt".
Carsten-Peter Brodersen, FDP-Landtagsabgeordneter, unterstrich das Recht der Landwirte, sich entwickeln zu dürfen. Lothar Hay stellte jedoch das "privilegierte Bauen" gemäß Paragraf 35 des Baugesetzbuches in Frage - bei Bauvorhaben von Landwirten unterhalb einer bestimmten Größe ist keine Beteiligung der Bürger vorgesehen. Auch Heiner Rickers, CDU-Landtagsabgeordneter, sah Probleme durch die Massentierhaltung: Auswüchse müssten politisch verhindert werden. Er machte aber auch deutlich, dass landwirtschaftliche Betriebe Entwicklungsmöglichkeiten haben müssten.
Veränderte Rahmenbedingungen forderte Bernd Voss von den Landtags-Grünen, damit die zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Flächen geschützt, aber zugleich auch genutzt werden können. Er warnte vor dem Irrglauben, Deutschland müsse die Welt ernähren. Auch Voss forderte, privilegiertes Bauen abzuschaffen.
In der Diskussion rief Prof. Willfried Janssen, ehemals Landesnaturschutzbeauftragter, dazu auf, alle Projekte auf Naturverträglichkeit, ökonomische Tragfähigkeit, soziale Gerechtigkeit, kulturelle Identität und globale Herausforderung hin zu überprüfen. Vor zehn Jahren sei Satrup, das Herz Angelns, als umweltfreundliche Gemeinde ausgezeichnet worden, heute leide Satrup an Herzflimmern, stellte Janßen fest.
Ein Landwirt beklagte die Umsetzung der Umweltauflagen in der EU. In Deutschland sei die Käfighaltung für Hühner auf Grund der Vorgaben geändert worden, in vielen anderen EU-Staaten nicht - mit der Folge, dass die billigen Eier jetzt aus diesen Ländern kämen. Dr. Jens Maßlo, Vorsitzender des Ausschusses für Regionale Entwicklung beim Kreis, mahnte eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln an, damit der Verbraucher genau erkennen könne, woher ein Produkt komme. Dem entgegnete Rickers, dass der Verbraucher nach dem Preis und nicht nach dem Gütesiegel entscheide. Michael Heilmann, Sprecher der Bürgerinitiative, forderte den Handel auf, Landwirte und Verbraucher fair zu behandeln.
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