FLENSBURGER TAGEBLATT
"Es reicht nicht, dagegen zu sein"
Flensburg. Die Resonanz war überwältigend. Der Saal im Nachbarschaftszentrum St. Klara platzte aus allen Nähten. Es ging - wieder einmal - um die Zukunft des Küstenstandorts Fahrensodde, um die Zukunft der Wassersportvereine und der Gewerbetreibenden auf dem alten Dasa-Gelände. Auch viele Anlieger waren gekommen, weil sie nicht zuletzt mehr Autoverkehr im Quartier befürchten.
Die frisch gegründete Interessengemeinschaft Fahrensodde hatte einen Fachmann für Stadtplanung und Moderation eingeladen. Wulf Dau-Schmidt aus Kiel ist in der Szene kein Unbekannter; so hatte er vor über zehn Jahren bei der Erneuerung Engelsbys am Franz-Schubert-Hof mitgewirkt.
Der Kieler war von einer kleinen Planungsrunde ausgegangen und nicht von einer großen öffentlichen Versammlung, deshalb musste er improvisieren. Nachdem er klar gemacht hatte, dass er als Moderator weder auf Seiten der Stadt noch auf jener der IG sei, versuchte er zunächst eine Charakterisierung des Viertels aus Sicht eines ortsfremden Kajakfahrers, um seine Darstellung dann auf eine Botschaft zu konzentrieren: "Eine Interessengemeinschaft ist erheblich erfolgreicher, wenn sie definiert, was sie eigentlich haben will." Mit anderen Worten: Es reicht nicht, nur gegen etwas zu sein.
Doch eben dieser Eindruck entstand bei der späteren Diskussion: Mehrere Teilnehmer beschrieben und lobten die Schönheit und die Vorteile der jetzigen Verhältnisse in Fahrensodde und ließen erkennen, dass sie am liebsten den Status Quo bewahren würden. Andere Redner betonten hingegen, dass dies unter keinen Umständen möglich sei: Es müsse etwas geschehen.
Klar wurde auf jeden Fall, dass man unter gar keinen Umständen Wohnbebauung auf dem Dasa-Gelände wolle, möglichst auch keinen zusätzlichen Verkehr im Gebiet. Bezweifelt wurde erneut, dass die Stadt tatsächlich, wie behauptet, 100 000 Euro Verlust pro Jahr mit dem Dasa-Gelände macht. Alle Bemühungen, die Grundlagen dieser Rechnung in Erfahrung zu bringen, seien bisher gescheitert, so Versammlungsleiter Jochen Werft. Keine näheren Beschreibungen gab es hinsichtlich des immer wieder in die Diskussion geworfenen Wassersportzentrums.
Die IG plant für die nächsten Tage eine Gründungsversammlung und will in ihren Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themenfeldern weiter arbeiten. Die Stadt Flensburg plant einen öffentlichen Workshop zur Entwicklung in Fahrensodde.
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