DER INSELBOTE

 

Der Wanderfalke kehrt zurück nach Schleswig

10. März 2010 | Von Matthias Kirsch

Der Wanderfalke wird bis zu 50 Zentimeter groß. Foto: Andy Carter

Schleswig. Der Zeitpunkt hätte kaum besser gewählt sein können: Vogelschützer der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz Schleswig-Holstein (AGW) sind nach Schleswig gekommen um mit eigenen Augen zu beobachten, was ihnen mehrere Schleswiger berichtet hatten: Am Dom soll es zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder einen Wanderfalken geben. "Die Beutespuren rund um den Dom sind eindeutig", sagt Uwe Robitzky von der AGW - und zeigt einen Möwenflügel in einem Baum vor dem Westportal. Während er noch die Vorzüge des Turms für den größten einheimischen Falken erläutert, taucht dieser plötzlich auf und landet auf einem der Ziertürmchen in fast 100 Metern Höhe. "Ein schönes älteres Weibchen", stellt Robitzky fest.

Noch ist nicht sicher, ob es sich lediglich um einen Überwinterungsgast aus Skandinavien handelt oder um eine längerfristige Neu-Schleswigerin. Jetzt warten die Beobachter auf ein Männchen. "Wenn ein Weibchen so lange bleibt, ist das eigentlich ein gutes Zeichen", meint Robitzkys Mitstreiter Holger Weidmann. Denn so habe es auch an anderen Orten angefangen.

Eigentlich könnte die Falkendame gleich einziehen: Am Domturm sind zwei Nistkästen angebracht, die für die kleineren Turmfalken gedacht sind, aber auch für ihre größeren Verwandten genug Platz bieten. Eine Einschränkung gibt es jedoch. Robitzky: "Was noch fehlt, sind kleine Balkons. Die jungen Weibchen sind meistens etwas zu füllig, wenn sie aus dem Nest kommen. Bevor sie mit wirklichen Flugübungen anfangen können, müssen sie erst auf festem Boden trainieren und abspecken."

Eine weitere Nistmöglichkeit wurde am Montag auf dem Schleswiger Fernsehturm "Schliekieker" installiert: In etwa 50 Metern Höhe haben die Vogelschützer einen Kasten angebracht, der von einem Gitterrost umgeben ist und dem Falkennachwuchs so genügend Möglichkeiten zum Flugtraining bietet. Durch den guten Kontakt zur Telekom - Weidmann war dort vor seinem Ruhestand beschäftigt - hat die Arbeitsgemeinschaft Zugang zu Fernsehtürmen und Sendemasten. So können sie die besten Stellen für ihre Nisthilfen erreichen.

Der Domturm bietet jedoch ebenfalls ideale Bedingungen für den Wanderfalken, sagt Robitzky und erklärt die Jagdmethode: "Von hier aus kann er sehr gut nach Beute spähen. Er wartet, bis sich beispielsweise eine Drossel zu weit auf die Schlei hinauswagt und fliegt los, um sich fast im 90-Grad-Winkel auf sein Opfer zu stürzen. Über der Wasserfläche hat dieses keine Chance, sich in ein Gebüsch zu flüchten." Wanderfalken, vor allem die bis zu 50 Zentimeter großen Weibchen, jagen Vögel bis zur Größe von Enten. In Schleswig werden vermutlich vor allem Lachmöwen auf ihrem Speiseplan stehen.

Seit 1968 war der Wanderfalke in Schleswig-Holstein ausgestorben. Durch Schutzprogramme, die in Baden-Württemberg und Bayern vor etwa 20 Jahren gestartet wurden, erholte sich die Population in Deutschland wieder, und die Vögel breiteten sich wieder nach Norden aus. Für Robitzky und die AGW wäre die Ansiedlung der Falken in Schleswig ein "toller Erfolg": Erst seit zwei Jahren brüten die Vögel von Kiel ausgehend auch wieder an der Ostseeküste. Vorher gab es sie nur an der Nordsee und entlang der Elbe. 22 Brutpaare haben die Vogelfreunde zuletzt in Schleswig-Holstein und Hamburg beobachtet.


 

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