FLENSBURGER TAGEBLATT
An der Zapfsäule
"Das tut richtig weh"
Flensburg. Katerstimmung an der Zapfsäule: Griesgrämige Gesichter korrespondieren mit tristem Grau im Nieselregen. Der Wut-Bürger hat ein neues Terrain gefunden, um seinen Frust zu entladen - die Mineralölkonzerne und Spekulanten, die an den Rohstoffmärkten mächtig an der Schraube drehen. Verständlich. Unerbittlich ist die Preisspirale auf dem Weg nach oben. Benzin und Diesel haben ein Rekord-Niveau erreicht.
Leider bekommen auch die Mitarbeiter an den Tankstellen den geballten Zorn der Autofahrer zu spüren. Brigitte Friedler spielt in der Star-Tankstelle an der Marienallee den Prellbock. "Es gibt böse Kommentare", sagt sie. Vor allem eine Frage bewege die gebeutelte Automobil-Fraktion: Wann wird es billiger? "Als wenn ich darauf eine Antwort hätte." Brigitte Friedler zuckt mit den Schultern. "Ich weiß es doch ebenso wenig." Auch wenn sie selbst am Steuer sitzt: "Man kriegt einfach schlechte Laune."
Einige zögern das Tanken hinaus. Warten sie auf den Montag, an dem man sich vor einiger Zeit noch darauf verlassen konnte, ein paar Cent zu sparen? Doch auch das ist unkalkulierbar geworden.
Andere wiederum flüchten sich in Fatalismus. Wie Claus Asmussen aus Havetoftloit. Er hat gerade vollgetankt. Für 80 Euro. "Was soll ich machen?", fragt er. "Bus und Bahn passen nicht, ich bin aufs Auto angewiesen." Genau wie Kaya Strubel (24). Sie blickt auf die Preistafel. "Das macht mich richtig sauer", meint sie. Wehmütig erinnert sie sich an das Jahr 2006, als sie als Fahranfängerin noch 1,20 Euro für den Liter bezahlen musste. Nebenan hält ein VW T5 an der Diesel-Säule. Alexander Bohn (24) ist Vielfahrer. Mindestens 1000 Kilometer im Monat. Mit seiner Freundin debattiert er darüber, sich ein kleineres Auto anzuschaffen, das nicht so viel verbraucht wie sein Bus. Diese Option würde Kai Sönnichsen (48), Mitinhaber einer Fahrschule, wohl auch erheblich entlasten. Als Fahrlehrer ist er 7000 Kilometer monatlich unterwegs auf Flensburgs Straßen. "Die derzeitigen Kosten tun richtig weh", sagt er. "Aber ich kann den Preis für eine Fahrstunde ja nicht angleichen." Um die laufenden Kosten zu kompensieren, müsse der Führerschein seiner Berechnung nach um die Hälfte teurer werden.
Eugen Lücke gehört mit seinen 70 Lenzen zu den erfahreneren Fahrzeug-Lenkern. Und findet für die Preissteigerungen nur ein Wort. "Schweinerei!" Er fragt sich, wie es wohl erst zu Ostern aussehen werde. "Nee, dann doch lieber die Bahn - ein Tagesticket kostet mich 30 Euro."
Ein einziger Glückspilz findet sich inmitten stinkiger Autofahrer. Sein Name: Rainer Oswald. Sein Auto: ein 91er Volvo Kombi. Sein Glück: Er fährt mit Gas. 84 Cent der Liter. "Ansonsten könnte ich mir das Auto auch gar nicht leisten", sagt er mit Blick auf den Verbrauch von - "wenn man sich nicht belügt" - satten 13 Litern auf 100 Kilometern. Das Schönste aber: Er hat ein reines Gewissen. "Ich fahre umweltfreundlich. Ein gutes Gefühl."
Leserkommentare
ok. Aber auch nur, solange keine Alternativen bestehen (Bahn - Ja, nicht so bequem wie ein Auto, aber eben auch billiger) Ansonsten muss man sich nur mal morgens oder abends an die Ausfallstraßen stellen, da gewinnt man eher den Eindruck, Sprit ist noch zu billig. 95 % der Autos sind nur mit einer Person besetzt! Solange das noch geht und so sinnvolle Fahrten wie zum Brötchenholen immernoch gemacht werden, scheint es noch nicht schlimm genug zu sein.
Da gebe ich Ihnen Recht...wenn es Alternativen gäbe! Ich persönlich beginne meine Arbeit um 3 Uhr30! Mein Arbeitgeber liegt 35 km entfernt!Um die zeit fährt kein Zug oder Bus!Und für die 60 anderen Kollegen von mir auch nicht!!!Bitte nicht mit...oh dann könnten Sie ja umziehen...stimmt aber dann wäre meine Frau arbeitslos,da Sie auch pendelt...aber in die andere Richtung.
Solange in einem kleinen Dorf morgens um 07.00 Uhr 10 Mütter ihre 10 Kinder in die 5 Kilometer entfernte Schule fahren und sie mittags auch wieder abholen -obwohl ein Schulbus fährt- dann ist der Benzinpreis noch viel zu niedrig.
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Liebe Politiker:
Wie wärs denn mal langsam mit Anhebung der Pendlerpauschale von 30 Cent auf 45 Cent????Das ist mehr als legitim!!! Jede Firma kann die höheren Preise voll als Kosten anrechnen lassen. Gerade in Flächenländern und in Zeiten wo Flexibilität und Mobilität gefordert werden,läßt man die Leute mit den enormen Mehrkosten allein!...Achnein...ich vergaß...das Geld geht lieber nach Griechenland oder in Ehrenbesoldung von einem gewisesen Christian W.