FLENSBURGER TAGEBLATT

 

Flensburg

"Berggeist" wird neues Tafel-Quartier

07. September 2010 | 04:50 Uhr | Von Gunnar Dommasch

Fundgrube: In der ehemaligen Gaststätte lagert noch das komplette Inventar; unten rechts Tafel-Vorsitzender Margonday-Simon. Foto: Dommasch

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Flensburg. Und plötzlich wird ein Jahrhundert Flensburger Kneipengeschichte lebendig. Lange stand die Gaststätte "Keglerheim Berggeist" in der Waldstraße leer, das Lokal war zuletzt kaum noch frequentiert und quasi von heute auf morgen verlassen worden.

Und so sieht es auch aus. Das gesamte Inventar ist noch vorhanden - große und kleine Schätze auf 800 Quadratmetern. Dazu acht jederzeit reaktivierbare Kegelbahnen.

Jetzt hat sich die gerade erst gegründete "Nord-Tafel" die Räume gesichert. Als deren Vorsitzender Horst Margonday-Simon erstmals die Türen zu dem verwaisten Gebäude öffnete, sah er sich einem bunten Sammelsurium gegenüber, das sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts dort angehäuft hat: Pokale, Urkunden und Wimpel erfolgreicher Kegler reichen zurück bis ins Jahr 1925. Skurrile Osterdekoration neben einem Adventskranz. Tausend Biergläser aller Formen und Farben, Unmengen Geschirr, eine historisch anmutende Kasse, Disco-Beleuchtung, ein Spielautomat - und der hölzerne Tresen mit Baldachin, funktionsfähiger Kühl- und Zapfanlage. "Das ist ideal, wie ein Traum für uns", frohlockt Margonday-Simon.

Denn all das bekommt die Tafel geschenkt. Von Herman Densch, der die Immobilie seinerzeit ersteigerte. Nun stellt er sie der Tafel ein halbes Jahr mietfrei zur Verfügung, danach gegen eine moderate monatliche Zahlung. "Ich bin beeindruckt von der sozialen Einstellung des Herrn Densch", sagt Reinhold Pevestorf, Ländervertreter der Tafeln Schleswig-Holstein und Hamburg, der in Flensburg neben 23 weiteren Ehrenamtlichen Vereinsmitglied ist.

Eifrige Hände sind schon jetzt dabei, alles herzurichten. Da wird gehämmert, gebohrt und gepflastert. Duborg-Schüler packten mit an, schleppten massenweise Kartons die steile Kellertreppe hinauf. Densch & Schmidt will sich um die verwitterte Fassade kümmern. Was nicht verschrottet wird, soll verkauft werden, damit genügend Startkapital zur Verfügung steht, wenn etwa im November mit der Warenausgabe begonnen wird.

Sechs Tiefkühltruhen und die gleiche Anzahl an Kühlschränken hat die Tafel in Bad Segeberg spendiert. "Wir haben die Unterstützung der umliegenden Tafeln", freut sich Pevestorf. Nur die "Flensburger Tafel", mit der die "Nord-Tafel" im Clinch liegt, zählt nicht dazu. Pevestorf muss sich vielmehr mit einer aus diesem Umfeld erstatteten Anzeige herumschlagen - wegen übler Nachrede.

Am Sonnabend von 10 bis 14 Uhr findet im Berggeist ein Flohmarkt statt, bei dem das Inventar an den Mann gebracht werden soll. Gastronomen können sich bei Margonday-Simon (Tel. 3154250) melden; ebenso Spender, Sponsoren und Ehrenamtler.


 

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