FLENSBURGER TAGEBLATT
30 Dorfmuseen trauen sich ins Netz
Schleswig-flensburg. Vor zwölf Monaten wurde der gemeinsame Internet-Auftritt der dörflichen Museen im Kreis Schleswig-Flensburg auf den Weg gebracht. Jetzt ist die mediale Selbstdarstellung so weit gediehen, dass www.kiek-an.com morgen online gehen kann. Die stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der volkskundlichen Sammlungen, Karen Precht, ist Ansprechpartnerin für die Pflege der Internetseite und freut sich auf den Startschuss. Denn mit ihm will die Arbeitsgemeinschaft künftig stärker in die Öffentlichkeit treten. Der Internetauftritt soll auch ein Schaufenster sein für eine junge Zielgruppe, der die Welt der 30 Heimatmuseen von Brodersby bis Winderatt bislang weitgehend verschlossen blieb.
Mit dieser Präsentation, so AG-Vorsitzender Johannes Callsen bei der jüngsten Jahresversammlung, sei die Hoffnung verbunden, ein breites Publikum zu erreichen und in die Museen, die vieles zu bieten haben und volkskundliche Sammlungen zum Anfassen seien, zu locken. Mit dem Schritt in die digitale Welt werde zudem an einer Stelle die große museale Vielfalt im Kreis dargestellt. Jedes Museum habe seine ganz besondere Note - zusammen genießen sie laut Callsen im Kreis große Wertschätzung.
Grundsätzlich lehnt sich der Internetauftritt in seinen Grundzügen zwar an einen Flyer an, den die AG "vor gefühlten 20 Jahren" (Precht) aufgelegt hat. Der moderne Zugang hat jedoch deutliche Vorteile: Auf einen Klick bekommt der Nutzer einen kurzen Einblick in sämtliche Angebote der einzelnen Museen und Sammlungen, erfährt die Öffnungszeiten und erhält die Möglichkeit, direkt Kontakt aufzunehmen. Geplant ist zudem, die Termine der AG im Internet zu veröffentlichen und regelmäßig aktuelle Informationen aus den Museen einzupflegen. Denkbar ist auch, sagt Precht, die Seite mit Plattformen touristischer Anbieter zu verlinken, um so gezielt auch auswärtige Besucher auf die kulturellen Schätze der Region aufmerksam zu machen.
Im Mittelpunkt der jüngsten Zusammenkunft der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft standen Regularien. So wurde Johannes Callsen aus Mohrkirch-Langdeel als Vorsitzender - seit 2006 steht er an der Spitze - ebenso bestätigt wie auch Kassenwartin Gretchen Bartel aus Wagersrott(seit 1992). Zu Beginn hatte Callsen, der eigenen Worten zufolge "gerne" Vorsitzender ist, obwohl ihn sein Amt als CDU-Landtagsfraktionschef stark fordert, rückblickend von einem ereignisreichen Jahr gesprochen.
Besucht wurde im zurückliegenden Jahr, so Callsen, die von 1882 stammende Holländermühle in Tarp ebenso wie das kleine, aber feine Dorfmuseum in Wippendorf. Zum achten Mal verlieh die AG ihren Mäzenatenpreis . Er ging an Kurt Hansen in Nübel, der über Jahrzehnte hinweg ein Feuerwehrmuseum aufbaute. Was 2012 betrifft, so stehen Besuche des Schulmuseums in Hollingstedt, der Spielzeugsammlung in Rendsburg und der Kupfermühle nahe der deutsch-dänischen Grenze, des Schleswiger Volkskundemuseums, des Flensburger Schifffahrtmuseums und eines Museums mit landwirtschaftlichen Geräten plus Pferdezucht in Silberstedt auf dem Programm.
Mit wissenschaftlicher Akribie hat Rolf Terheggen aus Flensburg in Sachen "Mangelbretter in Schleswig und Holstein" geforscht. Das Ergebnis seiner Arbeit stellte er den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft vor. Was zunächst als trockene Materie anmutete, stellte sich schnell als ein außerordentlich spannendes Thema heraus, da etliche der privaten Museen im Kreisgebiet, die allesamt ehrenamtlich geführt werden, selbst über solche hölzernen Geräte, die einst dem "kalten Glätten" von Wäsche dienten, verfügen.
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