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Lehrer sein, ist schon wirklich ätzend

22. Juni 2010 | Von Arne Tiedemann

Jetzt, da sich wieder einmal ein Schuljahr langsam seinem Ende zuneigt und die letzten drei Wochen Schule mit Wandertagen, Selbstbeschäftigung und der Projektwoche abgebummelt wird, ist es mal Zeit, Angehörige eines Metier zu würdigen, das zuweilen einen noch schlechteren Stand hat, als beispielsweise das der Trickbetrüger, Heiratsschwindler oder Bibliothekare. Ich breche jetzt einmal eine Lanze für eine Berufsgruppe, die es eigentlich nicht verdient hat. Die Lehrer.

Frei nach Westernhagens "Dicke" singe ich fast jeden Morgen auf dem Weg ins Bad folgende Zeilen aus voller Überzeugung "Ich bin froh, dass ich kein Lehrer bin, denn Lehrer sein ist Quälerei."

Mal ehrlich, als Lehrer hat man es echt schwer, denn man muss nicht nur einen altersschwachen Passat oder röhrenden Volvo 240 Kombi mit Elchaufkleber fahren, sondern hat außer Cordhosen, Strickjacken und Flanellhemden im Grunde nichts richtiges anzuziehen, zumindest wenn man Mathe-Physiklehrer ist.

Allein schon diese Reduzierung in der Wahl der eigenen Kleidung und des Autos, macht Lehrer per se unattraktiv und partnerschaftlich eigentlich kaum vermittelbar. Somit machen Lehrer auch aus der Not oft eine Tugend und heiraten einfach ihre Kolleginnen weg, daher kommen immer wieder die ganzen doppelten oder Doppelnamen an den Schulen zustande.

Man muss aber auch sagen, dass die Lehrer es sich selbst schwer machen. Behaupten die Lehrer vor ihren Schülern doch immer wieder, auch nur Menschen zu sein, doch auch weit nach Feierabend, also nach 13 Uhr, bleibt ein Lehrer immer Lehrer.

Trifft man sie beim Einkaufen, im Kino oder an der Frittenbude, können sie nicht aus ihrer Haut und stets haben sie diesen humorlosen Gesichtsausdruck, der nach Hausaufgaben und Unterwürfigkeit verlangt. Auch ich bin dann immer noch ewiger Schüler, wenn ich mal einem meiner alten Pauker treffe und werde natürlich auch 15 Jahre nach meinem letzten Schultag immer noch konsequent geduzt und rechne jeden Moment damit, mit einem Stück Kreide oder einem Schlüsselbund beworfen zu werden.

Nein, nun mal im Ernst, Lehrer sein ist schon wirklich ätzend. Wenn die Gören dich nerven, dann darfst du denen nicht einmal eine reinhauen, sondern du musst dich mit solchen Schlaumeier-Sprüchen wehren, wie etwa "Für mich ist auch sechste Stunde" oder "Wenn ich spreche, habt ihr Sendepause". Ach, wie schäbig. Ich bin wirklich froh, dass ich kein Lehrer bin.


 

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