ELMSHORNER NACHRICHTEN
Flaschenpost
Urlaubsgrüße nach 31 Jahren zugestellt
Ein Wiedersehen nach Jahrzehnten: Andreas Kiehn konnte seine Urlaubsgrüße an Marina Andresen übergeben. Foto: planer
Elmshorn. So lang wird kaum ein Brief unterwegs gewesen sein: Nach 31 Jahren konnte Marina Andresen endlich die Urlaubsgrüße ihres Ex-Freundes Andreas Kiehn in Empfang nehmen. Der hatte im Alter von 16 Jahren eine Flaschenpost mitsamt den Grüßen in Laboe ins Meer geworfen. Zwischenzeitlich war der Kontakt komplett abgebrochen. Am Donnerstag traf sich das einstige Pärchen jetzt zum ersten Mal nach Jahrzehnten.
Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Stralsunderin Anncharlott: Die neunjährige Sachensucherin hatte auf einer ihrer Expeditionen am Strand in ihrer Heimatstadt die Flasche mit dem Brief gefunden und die Elmshorner Nachrichten kontaktiert. Kaum hatten wir über den kuriosen Fund berichtet, meldete sich der Besitzer - und schließlich auch die Empfängerin. "Ich wollte nicht so recht glauben, dass ich tatsächlich gemeint war", sagt Marina Andresen, die von ihrer Mutter, Freunden und Arbeitskollegen auf den Bericht aufmerksam gemacht wurde.
Am Donnerstag war es endlich soweit. Absender und Empfängerin trafen sich wieder - und schwelgten prompt in Erinnerungen. "Damals hatte Andreas ein gelbes Moped, das Lydia hieß - an dem bastelte er immer rum, wenn ich vorbeikam", erinnerte sich Andresen. Damals habe man sich mit der Clique am Tunnel in der Wrangelpromenade getroffen, später sei die Truppe bei Bekannten erst in den Keller, dann in eine Hütte gezogen. Stilecht als AC/DC-Fanclub mit eigenen T-Shirts.
Als sie ihren neuen Freund kennengelernt habe, sei sie ganz zwangsläufig in eine andere Clique reingerutscht, erinnert sich Andresen. Der Kontakt zu den Jungs aus der Wrangelpromenade brach schlichtweg ab. Im Guten, versichert Andresen. Ein paar Jahre später traf sie Andreas Kiehn noch zufällig in der Stadt, danach war endgültig Funkstille. Zwar hatte Kiehn zwischenzeitlich nach seiner Ex-Freundin gesucht, doch die hatte geheiratet und einen neuen Namen angenommen. Dabei wäre es ganz einfach gewesen: Nicht selten wurde er bei Musik Hofer vom Sohn der Gesuchten bedient. Nur ahnen konnte er das natürlich nicht.
Selbst nach so vielen Jahren hatten sich die beiden erstaunlich viel zu erzählen. Jetzt planen sie, gemeinsam mit ihren heutigen Lebenspartnern und ihren Hunden - beide haben einen Collie - einen gemeinsamen Ausflug nach Bielenberg zu machen, und weiterhin im Kontakt zu bleiben. Mehr noch: Sie wollen ihre alte Clique aus der Wrangelpromenade zusammentrommeln.
Die Finderin Anncharlott ging auch nicht leer aus: Andreas Kiehn schickte ihr - konventionell per Bundespost - eine Flasche mit Sand, Muscheln und ein wenig Bargeld als Finderlohn. Als Dank überstellte die Stralsunderin die Original-Post - und Andreas Kiehn konnte, nach 31 Jahren, seine Urlaubsgrüße endlich an die eigentliche Empfängerin übergeben. Auch, wenn er sie am liebsten selbst behalten hätte.
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