ELMSHORNER NACHRICHTEN
Griechenland macht keine Angst
Sie diskutierten auf Einladung von Michael von Abercron (von links) und Barbara Ostmeier über die Euro-Krise: Professor Hans-Heinrich Driftmann, Christian von Boetticher als Moderator, Ursula Schwedler und Reimer Böge. Foto: Klink
Appen. Als Dankeschön gab’s eine Flasche Wein. Keinen griechischen. Denn auf das Land von Ouzo und Retsina sind Professor Hans-Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHT), Ursula Schwedler, Vorstandsmitglied der Sparkasse Elmshorn, und der CDU-Europaabgeordnete Reimer Böge derzeit nicht gut zu sprechen. Das Land steht vor der Pleite. Die Eurokrise weckt Ängste. Und so stellten die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Barbara Ostmeier und Michael von Abercron für eine Podiumsdiskussion im Appener Bürgerhaus die Frage: "Machen die Schulden Europa kaputt?"
Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos, so das Resümee der Diskussion. Schon gar nicht in Deutschland. Eine leistungsfähige Wirtschaft, ein funktionierendes Bankwesen und eine Politik, die ihrer Verantwortung bewusst ist, lassen die Bundesrepublik noch gut dastehen.
Wenn Griechenland untergeht, dann habe auch Deutschland ein Problem, betonte Driftmann. Derzeit sehe die Lage aber anders aus. "Es gibt keinen Anlass zur Klage und zur Angst", gab der DIHT-Präsident vor 150 Gästen als Parole aus. Die Prognose für das Wirtschaftswachstum liege bei einem Prozent, was einer Normalisierung entspräche. Massenarbeitslosigkeit und Steuererhöhungen müssten nicht befürchtet werden. Die Zahl der Arbeitslosen werde weiter sinken. "Wir haben eine funktionierende Industrie und einen funktionierenden Mittelstand", sagte Driftmann. Mehr als die Euro-Krise beschäftigt Driftmann die Energiewende. "Was uns nach unten ziehen könnte, sind hohe Energiekosten", sagte er. Dabei kritisiere er nicht den Beschluss, aus der Atomenergie auszusteigen. Auch nicht den festen Zeitplan dafür. "Bislang ist aber noch kein Meter Kabel für den Transport von Strom aus erneuerbaren Energien verlegt worden", kritisierte er.
Der Europaabgeordnete Böge erinnerte daran, dass es bereits beim Beitritt Griechenlands zur Europäischen Union kritische Stimmen gegeben habe, ebenso zur Aufnahme in die Währungsunion. "Es galt aber, die Region zu stabilisieren. Es bestand die Hoffnung, dass das Land innerhalb der Gemeinschaft sich besser entwickelt", sagte er. Zwar sei Europa von den Griechen bei der Einführung der Gemeinschaftswährung mit falschen Statistiken getäuscht worden. "Länder wie Belgien seien allerdings höher verschuldet gewesen. "Die haben das aber besser in den Griff bekommen." Derzeit erstarke Europa wieder. "Jetzt sind klare Kriterien festgelegt worden und jeder Mitgliedsstaat darf vor dem Europäischen Gerichtshof gegen Finanzsünder klagen", erläuterte Böge. Bleibt die Frage nach der Rolle der Banken. Erst Finanzkrise, jetzt Euro-Krise - tragen die Kreditinstitute eine Mitschuld und müssen entsprechend ihren Beitrag leisten? Darauf wollte sich Schwedler nicht einlassen. Sicher seien Fehler bei Spekulationen gemacht worden, wo die politischen Rahmenbedingungen für Finanzgeschäfte nicht klar waren. Den Vorwurf, die Banken streichten Gewinne ein, sozialisierten allerdings die Verluste, wollte sie nicht gelten lassen. "Die Banken haben in der Vergangenheit ordentlich Steuern gezahlt", sagte sie. Und selbst nach den Rettungsschirmen für angeschlagene Institute bleibe immer noch ein Plus. Zudem seien Sparkassen, Genossenschafts- und Regionalbanken überwiegend nicht in dubiose Geschäfte verwickelt und erwirtschaften weiterhin Überschüsse.
Wirtschaft, Politik und Finanzwirtschaft: In Sachen Euro ziehen sie weitgehend an einem Strang. Denn die Bedeutung der Gemeinschaftswährung geht über das Zahlungsmittel hinaus.
Zumindest für Driftmann. "In der Wirtschaft herrscht ein Grundkonsenz, dass nicht der Euro das Ziel ist. Er ist nur das Instrument. Das Ziel ist der europäische Bundesstaat", so der DIHT-Präsident.
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