ELMSHORNER NACHRICHTEN
Die Bilder der Fluten verschwimmen
Nicht die große Flut von 1962: Hier ist es ganz eindeutig. Bei dem Foto handelt es sich nicht um die Flut 1962. Es ist vielmehr die älteste Aufnahme eines Hochwassers in Elmshorn. Es zeigt die Flut vom 23. Dezember 1894. Zu sehen ist die überschwemmte Holstenstraße. Links die Ecke Schulstraße/Holstenstraße (heute Parkplatz mit Schautafel über die Flut 1962). Foto: Heinrich Röpcke / Archiv Heimatverein "Tru un Fast"
Elmshorn. Schon wieder die Sturmflut von 1962 - was für ein Medienrummel. Muss das sein? Es muss! Gerade in Elmshorn darf die große Sturmflut nicht in Vergessenheit geraten. Nur zwölf Kilometer vor unserer Haustür strömt die Elbe, im Handumdrehen haben uns die Orkane von der Nordsee erreicht. Nur weil die Stadt seit gut 42 Jahren durch die Landesschutzdeiche und das am 28. Oktober 1969 in Betrieb gegangene Sperrwerk vom "Blanken Hans" verschont geblieben ist, dürfen die Menschen an der Krückau die Naturgewalten nicht unterschätzen.
Die Erinnerungen an die zerstörerische Kraft des Wassers muss vor allem auch deshalb wach gehalten werden, weil sie immer weniger Elmshorner noch aus eigener Anschauung kennen. Mehr noch: Angesichts des Klimawandels müssen sich die Stadt und ihre Menschen für die Zukunft rüsten. Auch wenn es immer wieder erneut gesagt wird, müssen Norddeutsche die Erkenntnis von Generationen auch im 21. Jahrhundert beherzigen und weiter geben: Wer nicht will deichen, muss weichen!
Wann die nächste Flut nach Elmshorn kommt ist völlig ungewiss. Fest steht aber: Sie wird kommen. Zwischen der "Groten Mannsdränke" am 16. Januar 1362, bei der ganze Siedlungen wie Rungholt im Wasser versanken, und der großen Sturmflut von 1962 lagen schließlich auch nur 600 Jahre - und viele weitere Opfer schwerer Fluten in der Marsch und in Elmshorn.
Die Elmshorner Nachrichten haben 1962 und danach regelmäßig von der Flut berichtet. Vor zehn Jahren sind die Geschehnisse sogar in einer 14-seitigen Serie umfangreich dargestellt worden. Jetzt, 50 Jahre nach der großen Flut, will die Heimatzeitung Menschen zu Wort kommen lassen, die dabei waren, als das Wasser in die Stadt kam. In den nächsten Ausgaben werden also täglich Zeitzeugen vorgestellt, die uns und all denen, die sich den Folgen des Klimawandels stellen müssen, von der großen Sturmflut berichten.
Der Redaktion ist bewusst, dass sich nach fünf Jahrzehnten in der Erinnerung Lücken auftuen, sich beim Blick zurück ganz natürlich Schleier bilden. Das ist nicht nur bei Augenzeugen, sondern sogar bei den angeblich objektiven Fotos so. Die Beispiele auf dieser Seite zeigen, wie die Flut der Flutbilder den Blick trüben kann. Selbst das Flut-Schaubild im Herzen Elmshorns auf dem Holstenplatz zeigt nicht die Flut 1962, sondern die vom 2. November 1965. Egal, alle Bilder machen eindrucksvoll klar, was eine Flut sein kann: bedrohlich, gefährlich, zerstörerisch - zeitlos.
Wichtig ist es, die Sinne für die Gefahr zu schärfen, die Wasser bringen kann. Denn: Die Elmshorner sollten möglichst nicht noch einmal wie 1962 - ganz plötzlich und unerwartet nach mehr als 100 Jahren Debatte über einen möglichen Fluttorbau - von der Naturgewalt der Nordsee überrascht werden.
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