ELMSHORNER NACHRICHTEN
Dach ist reif für Komplettsanierung
Elmshorn. Die Tür ist dicht. Thekla Meier muss erst den Schlüssel vom Haken nehmen, um die Tür zur Turnhalle aufzuschließen. Der Raum, den die Leiterin der DRK-Kindertagesstätte Zum Krückaupark betritt ist leer - fast. Gesperrt seit Anfang des Jahres. Die Matten und Bälle sind fein säuberlich an die Seite geräumt.
Normalerweise tobt hier, im wahrsten Sinne des Wortes, das Leben. Jede der sechs Gruppen der Kita, aber auch die Mädchen und Jungen der ebenfalls in dem Komplex untergebrachten Krippe, nutzen mindestens einmal in der Woche den Raum. Bewegung ist einer der Schwerpunkte im pädagogischen Konzept der Kita, erzählt Meier. Auch die Faschingsfeiern, die in diesen Wochen von jeder Gruppe gefeiert werden, fanden in der Vergangenheit oft hier statt. Die jetzige Situation sei deshalb "nicht verträglich", wie sie mit einem Anflug von Sarkasmus sagt.
Statt des liebenswerten Krachs von Kinderstimmen dominiert nun Stille die Turnhalle. In der Mitte stehen drei Eimer und Wannen auf Handtüchern. Eine einfache Maßnahme gegen Regen - oder, in dieser Jahreszeit, Schmelzwasser, das immer wieder auf den Linoleumboden herab tropft. Es ist nicht das einzige Problem. Viel gravierender ist die Ungewissheit. "Wir wissen nicht, wie der tragende Balken unter der innenliegenden Regenrinne aussieht", sagt Meier. Zudem seien die Dachfenster undicht. Wasserflecken an der Raufasertapete zeugen davon, dass hier Nässe ins Gebäude dringt.
Die innenliegende Regenrinne ist ein hausgemachtes Problem, da die kleine Turnhalle 1993 an den bestehenden Baukörper angesetzt wurde. Von der niedrigen Außenwand wurde damals eine nach außen hin ansteigende Konstruktion gewählt. Der tiefste Punkt liegt jetzt etwa mittig der Halle. Von beiden Seiten aus fließt das Niederschlagswasser in die dort verlaufende Regenrinne. Diese könne nach den Ergebnissen der Untersuchungen von Nicole Höynck (Gebäudemanagement der Stadt Elmshorn) die anfallenden Mengen aber gar nicht aufnehmen. "Sie ist nicht ausreichend tief dimensioniert", heißt es dazu in dem Bericht der städtischen Architektin, der den EN vorliegt. Und weiter: "Bei Regen sammelt sich das Wasser und staut sich zurück bis unter die Pfannen. Die im Innenbereich liegende Konstruktion (Holzbalken) wird bei jedem Regen durchfeuchtet."
Die akuten Probleme im Bereich der Turnhalle sind aber offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Auch in anderen Bereichen des Dachs hat Höynck teils erheblichen Sanierungsbedarf festgestellt. Probleme gibt es nach ihrem Bericht vor allem am Übergang von den Flachdächern zu den Pultdächern, die sich im gesamten Komplex abwechseln. Sie schätzte Kosten für eine Komplettsanierung auf 375 000 Euro.
In Elmshorn hat der Ausschuss für Kinder, Jugend, Schule und Sport (AKSJ) der Komplettmaßnahme inhaltlich zugestimmt und Zuschussmittel in Höhe von 225 000 Euro zum Haushalt 2012 angemeldet. Tatsächlich eingestellt wurde dieses Geld in den Etat bei den abschließenden Beratungen nicht.
In einem Gespräch hatte zuvor Kölln-Reisieks Bürgermeisterin Karin Röder zum einen eine genauere Untersuchung angemahnt. Zum anderen gibt es generelle Bedenken, zum jetzigen Zeitpunkt eine so große Summe in die DRK-Kindertagesstätte Zum Krückaupark zu investieren, denn: "Wir werden aus der Kindertagesstätte größtenteils aussteigen. Da wäre es nicht passend, unsere 50 Prozent zu zahlen", sagte Röder.
Kölln-Reisiek treibt aktuell den Bau einer eigenen Kindertagesstätte in unmittelbarer Nachbarschaft zur Grundschule voran. In diesen Tagen hat sich der örtliche Bau- und Planungsausschuss zweimal hinter verschlossenen Türen mit den Ergebnissen einer Machbarkeitsstudie befasst. Ziel ist, im kommenden Jahr mit dem Bau zu beginnen.
Karin Röder will diese Haltung aber nicht so verstanden wissen, dass sich Kölln-Reisiek aus der Verantwortung stehle. "Etwas anderes sind kurzfristige Probleme. Wenn da etwas gemacht werden muss, werden wir so bezahlen, wie es vertraglich geregelt ist", sagte sie.
Thekla Meier kennt die Teillösungen zur Genüge. "Wir müssen seit 15 Jahren ständig Mittel von unserem Etat ins Dach fließen lassen", sagte sie. Gestern war übrigens ein Dachdecker vor Ort.
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