ECKERNFÖRDER ZEITUNG
Carlo Ehrich übernimmt das Ruder
Der neue Bürgermeister Carlo Ehrich mit seiner Sekretärin Veronika Scherner und dem neuen Büroleiter Jens Becker. Foto: Meise
Altenholz. Mit der Amtseinführung von Bürgermeister Carlo Ehrich (SPD) haben Mitarbeiter der Verwaltung und Vertreter der Ratsfraktionen gestern ein "neues Zeitalter in der Gemeinde" eingeläutet, wie Bürgervorsteher Dr. Volker Clauß feststellte. Dabei wurde deutlich, dass Ehrich nicht nur wegen der Erfolge seines Vorgängers kein leichtes Erbe antritt, sondern aufgrund der aktuellen allgemeinen Situation einen schweren Start hat.
Mit einer mit roten Schleifen und dem Wahlergebnis von 68,39 Prozent für seine Person geschmückten Girlande um die Bürotür wurde Ehrich im Rathaus empfangen. Dass er das Ruder in der Verwaltung übernimmt, sei nicht nur sein, sondern auch der Verdienst von Thies Thiessen von der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik in Schleswig-Holstein, der ihn im Wahlkampf beraten hatte. "Die Knie zittern", gab Ehrich offen zu und freute sich, dass die Fraktionsvorsitzenden ebenso wie die Fachbereichsleiter zur Amtseinführung in den Ratssaal gekommen waren. Als besondere Freude empfand er den Besuch seines Vorgängers Horst Striebich (CDU) mit Ehefrau Ursula. Dieser hob hervor, dass Ehrich als Büroleiter in den vergangenen sieben Jahren das Amt des Bürgermeisters mit gelebt und an den Zielen mitgearbeitet habe. "Ein Bürgermeister ist immer nur so gut wie sein Personal", sagte Striebich weiter und stellte fest, dass die Altenholzer Verwaltung über hervorragende Kräfte verfüge. Und er gehe davon aus, dass sie genauso loyal zu ihm stehen werden, wie sie zu ihm standen. Ehrichs Aufgabe werde jedoch noch schwieriger werden, als es seine war, stellte Striebich fest und verwies auf die "Ausgangslage, die wir uns nicht selbst geschaffen haben". Es sei unmöglich auf einen Schlag so viel einzusparen, wie der Gemeinde an Einnahmen weggebrochen ist. Er wünschte Ehrich eine glückliche Hand bei allen Entscheidungen und bot ihm seinen Rat an - jederzeit.
"Die Ära Striebich wird unvergessen bleiben", hielt der erste stellvertretende Bürgermeister Harry Maatz fest. Es gebe Bürgermeister, an deren Namen man sich nach wenigen Jahren nur mühsam erinnere, und es gebe markante Männer in der Geschichte der Gemeinde, zu denen Striebich gehöre. "Auch in 30, 40 Jahren wird man noch Geschichten erzählen von Dir", war Maatz überzeugt. Es sei nicht einfach, nach ihm in das Amt einzutreten und es in seinem Sinne weiterzuführen, zumal die Rahmenbedingungen nicht einfacher geworden seien. Ehrich habe sich jedoch in der Vergangenheit durch Offenheit und eine Haltung fern jeglicher parteiideologischer Festsetzung ausgezeichnet. Er verstehe das Beamtentum für die Gemeinde und damit auch für den Bürger, so Maatz. Dem frisch gebackenen Kapitän wünschte er, dass es ihm gelingen möge, einen klaren Kurs zu steuern und es dabei den Lotsen der verschiedenen Fraktionen recht zu machen, die ständig versuchen werden, ihm ins Steuerrad zu greifen, Klippen zu umschiffen und in der Flaute trotzdem voran zu kommen. Er wünschte Ehrich, dass er das Schiff nie auf Grund setzen möge, immer "klar vorn und achtern", eine Handbreit Wasser unterm Kiel, Gesundheit und eine Partnerin, die alles mit ihm durchsteht.
Mit dem von Horst Striebich vorgelebten Bürgermeisteramt in einer so anspruchsvollen Gemeinde werde er häufig das Gefühl haben, er müsse möglichst viele Erwartungen erfüllen, gab Pastor Dirk Große dem neuen Chef des Rathauses mit auf den Weg. Dabei dürfe er nicht vergessen, dass auch er nur ein Mensch ist. Er müsse gut für sich sorgen, damit er gut für die Gemeinde sorgen könne.
Hans-Werner Suhr, Fraktionschef der AWG, überbrachte Glückwünsche im Namen aller Fraktionen. Es habe sich bisher gezeigt, dass die Zusammenarbeit besonders gut war, wenn kein Geld in der Kasse war, erklärte Suhr, der über 30 Jahre in der Gemeindevertretung aktiv ist, mit Blick auf die kommenden Monate. Dr. Volker Clauß (CDU) kündigte an, dass die Zeit der freundlichen Worte, die in den vergangenen Tagen vorherrschten, dann vorbei sein werde. Harte, ehrliche Wort würden erforderlich sein. Clauß: "So freundlich wird es nicht bleiben." Der faire Wahlkampf habe dazu beigetragen, die Gemeinde zu einen und das Interesse an der Arbeit zu stärken beziehungsweise zu wecken, entgegnete Ehrich. "Die Menschen haben sehr wohl verstanden, dass wir uns in schwierigen Zeiten befinden. Sie sind bereit, Entbehrungen in Kauf zu nehmen. Lassen Sie uns diese Stimmung nutzen und Prioritäten setzen", rief Ehrich auf, der auf eine faire, offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit setzt.
SPD-Fraktionschef Wolfgang Weiß überreichte Ehrich zum Start ins neue Amt ein Knäuel roter Wolle - damit ihm der rote Faden nie verloren gehen möge.
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