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60 Jahre Louisenlund: Ein Wegweiser für Bildung

18. Mai 2009 | Von Susanne Panozzo

Die Internatsschüler bildeten eine schmale Gasse mit den Begrüßungsschildern ihrer Häuser, durch die die Prinzenfamilie und der Ministerpräsident gehen mussten. Fotos: Panozzo

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Sechs Jahrzehnte Stiftung Louisenlund sind am Wochenende mit einem umfangreichen Festprogramm gefeiert worden: Musik, Festreden, Theaterstücke, Führungen durch die neue Bibliothek und ein Hockeyturnier boten Einblicke in eine bewegte Geschichte und modernes Internatsleben.

Güby. Ihre Großeltern, Herzog Friedrich zu Schleswig-Holstein und seine Ehefrau riefen mit Unterstützung des Gründers von Salem. Professor Kurt Hahn, am 1. März 1949 das Landeserziehungsheim Stiftung Louisenlund mit sechs Schülern ins Leben.

2009 steht Prinzessin Ingeborg zu Schleswig-Holstein, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Louisenlund, an diesem Ort. Am Sonnabend erinnerte sie zur Feier des 60. Jahr-Jubiläums an die Geschichte der Einrichtung. In Schleswig-Holstein waren damals rund 70 Prozent der Bevölkerung Flüchtlinge, die ihre Heimat, ihre Habe und ihre Wurzeln verlassen mussten. Bis heute erinnere sie sich an eine Geschichte ihrer Mutter von einem Brüdertrio, dass einst in Louisenlund eintraf - mit zwei Paar Schuhen, das sie untereinander stets wechselten. "Louisenlund war und ist ein Ort der Zuflucht, der Bildung, des Miteinanders und Füreinanders - und immer auch ein Ort des Geistes." Die Prinzipien des Paten Kurt Hahn seien bis heute sehr aktuell. Zwei seiner Leitsätze lauteten: "Gebt den Kindern Gelegenheit, sich selbst zu entdecken" und "Sorgt für Zeiten der Stille". Zum letzten Satz sagte die Prinzessin: "Nicht einfach in Zeiten des I-Pods".

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen bezeichnete das Jubiläum als einen "Markstein in der Stiftungslandschaft Schleswig-Holsteins". Insgesamt 617 private Einrichtungen dieser Art zähle das Land mittlerweile, dazu 14 Bürgerstiftungen. Mit dem Motto "Werte wahren, Verantwortung übernehmen, Zukunft gestalten" verbinde sich die Tradition des Landeserziehungsheimes mit Inhalten einer zukunftsorientierten Bildungseinrichtung. In Internatszusammenhängen könnten, so der Ministerpräsident, herkömmliche Verfahren des Unterrichtens und des Lernens aufgebrochen werden. Es könne manches ausprobiert werden, das auch für die öffentlichen Schulen wegweisend sein könne. Durch vielfältigere und vertiefendere Möglichkeiten zur Gemeinschaftsbildung und ein umfangreiches Gildewesen bilde sich in Louisenlund eine besondere Sozialkompetenz, was der ganzen Gesellschaft zugute käme. Als Beispiel nannte Carstensen die Feuerwehrgilde der Schule, die oft genug als erste vor Ort sei, wenn auf der B 76 ein Unfall passiere. Mit der Akkreditierung des "IB" (Internationale Baccalaureate) gebe es in Louisenlund eine der bundesweit wenigen Möglichkeiten, einen international anerkannten Abschluss zu erreichen. In den Klassen 11. und 12. ist dort die Unterrichtssprache Englisch.

Der Leiter der Stiftung Louisenlund, Professor Dr. Werner Esser, zog ein chinesisches Sprichwort aus dem Ärmel: "Wenn der Wind des Wandels geht, bau Dir eine Schutzmauer, die anderen bauen Windmühlen" und formulierte dieses für Louisenlund um: "Wenn der Wind des Wandels geht, dann lasst uns die Segel setzen." Mit der Eröffnung der Kunst- und Kulturhalle Louisenlund habe eine weitere Öffnung stattgefunden. Die neue Bibliothek könne als "geistiges Zentrum" angesehen werden. Esser: "Wir brauchen für unsere Zukunft noch kompetentere Generationen, die schnell Lösungen für sich wandelnde Kontexte finden." Das "Prinzip Verantwortung" sei die Seele der Stiftung. Es bedürfe der Bescheidenheit, um "den eigenen Irrtum systematisch nicht auszuschließen und sparsam im Umgang mit den Ressourcen umzugehen."

Professor Sascha Spoun, Präsident der Leuphana-Universität Lüneburg, sagte: "Mit 60 ist die Zeit der Flausen vorbei und die letzte ,Midlifecrisis’ überwunden." In mehreren Punkten definierte er Louisenlund neu: Schule und Internat genießen ein großes Privileg, das der ständigen Verjüngung. Es gelte, den durch neue Schüler eingebrachten neuen Ideen, frischen Energien und Veränderungen "bei den brennenden Fragen der Generationen immer wieder dieselben Fragen neu zu beantworten". die Herausforderungen der Zukunft. Nach den vielen festlichen Reden war dann Zeit, die neue Bibliothek zu besichtigen und an Führungen über das Gelände teilzunehmen

Mit der goldenen Nadel der Stiftung wurde Matthias Böge ausgezeichnet. Den Herzog-Peter-Preis erhielten Janina Lebendig, Henry Donovan und Maximilian Peters für besondere Leistungen für die Gemeinschaft.


 

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