ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Zwischen Tradition und Moderne

26. Mai 2010 | 06:45 Uhr | Von Gernot Kühl

Majestät Günter de Architektonische nimmt nach Bürgermeister und Gildebruder Jörg Sibbel (l.) einen tiefen Zug aus dem Jungmannpokal.

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Eckernförde. Majestäten und Vorsitzende befreundeter Gilden aus Eckernförde, Kiel, Heiligenhafen und Gotha, viel dunkles und grünes Tuch, ein gefüllter Jungmannpokal, ein aufgeschlagenes Goldenes Buch und ein im Gegensatz zum Empfang der Borbyer Gilde und der Eckernförder Beliebung rauchfreier Ratssaal - großer Bahnhof für die Bürgerschützengilde von 1570. Bürgermeister Jörg Sibbel und Bürgervorsteherin Karin Himstedt läuteten mit dem Empfang die fünfte Jahreszeit in Eckernförde in den beiden Wochen nach Pfingsten ein.

"Es ist schön, dass in Eckernförde keine Gilde allein feiern muss", sagte der Bürgermeister. Auch für ihn seien die zehntägigen Gildefeierlichkeiten, in denen sich "Eckernförde quasi im Ausnahmezustand befindet", etwas ganz Besonderes. Sibbel gratulierte zur 440. Gildefeier der Bürgerschützengilde, die wie die Borbyer Gilde und die Beliebung seit Jahrhunderten "das verbindende Element zwischen den Generationen" darstellten. Traditions- und Verantwortungsbewusstsein, Verbundenheit zur Heimat und der Sinn für Gemein- und Kameradschaft prägten die Gilden bis heute. Sibbel lobte die Gelbe Westengilde darüber hinaus für die Bewahrung alten Brauchtums und "zeitlos guter Werte". Gegenwart könne nur verstanden, ausgefüllt und gelebt werden, wenn man die historischen Wurzeln kenne und die Vergangenheit nicht vergesse. Die Bürgerschützengilde habe gezeigt, dass sie sich den neuen Zeiten und veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anpassen könne. Sibbel erinnerte an einen hinterhältigen "Sabotageakt" im Gildejahr 1996, als das Zugseil des Papagoyenvogels am Pfingstmontag angesengt wurde. Beim Aufrichten des schweren Vogels riss ein Seil und der Vogel stürzte zu Boden. Eilig leimte man Kopf, Schwanz und Zepter wieder an, offenbar sehr akkurat, denn beim Königsschießen erwies sich der reparierte Gildevogel als sehr standhaft und fiel erst um 18.42 Uhr. Der Bürgermeister hob den Jungmannpokal von 1849, nahm einen Schluck Weißwein und reichte ihn herum.

"Das Geleit ist sehr nett von euch", sagte Gildevorsitzender Gunter Niemann angesichts der stattlichen Präsenz der befreundeten Gilden. Die Verbundenheit, auch die mit der Stadt, tue gut. "Es ist schön, dass die Gilden all die Jahrhunderte überdauert haben und in Freundschaft verbunden sind", sagte Niemann. Damit hätten die Gründerväter nicht unbedingt rechnen können. Die Gilden fühlten sich in Eckernförde gut angenommen und bereicherten die Stadt. Gleichwohl sei es nicht immer leicht, Kurs zu halten auf der Gradwanderung zwischen Tradition und Brauchtum sowie den Einflüssen und Gegebenheiten der modernen Gesellschaft. Und da der Empfang im Ratssaal stattfand und Niemann als ehemaliger CDU-Ratsherr auch kommunalpolitische Luft geschnuppert hat, stellte er sogleich einen Bezug zum Gastgeber und Hausherrn her: "Wir sind freundlich zu Ihnen, stellen keine Anträge und wollen kein Geld - wir sind angenehme Gäste!"

Anschließend nahm die Gilde mit ihren Gästen Aufstellung vor dem Rathaus, wo Bürgervorsteherin Karin Himstedt sie mit einem Gedicht über das Gildefest und das "bunte, exotische Tier", den Papagoyenvogel, erfreute.


 

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