ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Von Sternstunden und politischem Alltag

25. Januar 2011 | 00:10 Uhr | Von Thomas Böhm

Fraktionsvorsitzender Wolfgang Weiß und Ortsverbandvorsitzende Karin Pfaff ehren Dr. Heinrich Terwitte (v.l.) für dessen 25-jährige Mitgliedschaft in der SPD.

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Altenholz. "Die Finanznot der öffentlichen Verwaltungen schafft Probleme, an die man gemeinsam herangehen muss", sagte Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig am Sonntag beim Neujahrsempfang der SPD in Altenholz. In einer aufrührenden Rede forderte er den politischen Gegner und alle Bürger dazu auf, die gegenwärtige Lage erst einmal richtig zu verstehen, bevor die Konsolidierung eingeleitet werde. "Sonst ist in 20 Jahren nichts mehr von dem übrig, was uns stark macht", betonte der Oberbürgermeister.

Den mehr als 100 Gästen im Gemeindezentrum in Altenholz-Klausdorf verschaffte der im vergangenen Jahr neu gewählte Altenholzer Bürgermeister Carlo Ehrich einen Einblick in seine Beurteilung des politischen Tagesgeschäfts. Zuvor erhielt der Verwaltungs-Chef von der Ortsvereinvorsitzenden Karin Pfaff und Wolfgang Weiß, Vorsitzender der Altenholzer SPD-Ratsfraktion, ein großformatiges Foto, das die Schlüsselübernahme für das Altenholzer Rathaus von seinem Amtsvorgänger Horst Striebich dokumentiert. Pfaff ehrte zudem Dr. Heinrich Terwitte, der dem SPD-Ortsverein von 1997 bis 2003 vorstand, für seine 25-jährige Mitgliedschaft.

"Das war eine Sternstunde meines beruflichen Lebens", blickte der ausgebildete Verwaltungsfachmann Carlo Ehrich auf die gewonnene Bürgermeisterwahl zurück. Dann nahm er Stellung zum politischen Tagesgeschäft. So kündigte er an, sich für die Abschaffung von Verwaltungsvorgängen einzusetzen, die nur noch für überflüssig gewordene Statistiken gebraucht würden. Im Anschluss kritisierte der Bürgermeister die CDU im Altenholzer Rat, die mit der Debatte über eine Feuerwehrrente den gemeinsamen Entschluss für ernsthaftes Sparen gefährdet: "Nur drei Wochen hielt ihre Solidarität." Beeindruckt war Carlo Ehrich von der Initiative "Fisch" (Familien in die Schule) an der Claus-Rixen-Schule, die Kinder mit Eltern in die Schule holt, "die sonst für die Gesellschaft verloren sind".

"Da sich die Schätze der Deutschland nicht im Boden sondern in den Köpfen der Menschen befinden", so der Bürgermeister, dürfe die Schulpolitik nicht weiter Spielball ideologischer Prägungen sein. Genauso kritisch bewertete Ehrich die seiner Meinung nach ebenso parteipolitisch geprägte Diskussion über die benötigte Zahl von Landtagsabgeordneten, die zurzeit 95 beträgt, obwohl die Verfassung 69 Abgeordnete empfiehlt. "50 Abgeordnete mögen ausreichend sein für ein Land wie Schleswig Holstein", sagte Ehrich. Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig erläuterte mit bedrückenden Summen die finanzielle Misere, in der Stadt- und Gemeindeverwaltungen in kürzester Zeit geraten seien. So habe die Stadt Kiel im Jahr 2008 für die Haushalte 2009 und 2010 noch mit einem Minus von 50 Millionen Euro geplant, tatsächlich seinen es dann aber 70 und 80 Millionen geworden.

Das schneller gewachsene Haushaltsloch habe zwei Gründe, so Albig: "In Kiel bezahlen zehn Unternehmen dreiviertel der Gewerbesteuer." Allein von der HSH Nordbank seien 20 Millionen Euro weggefallen. Darüber hinaus benötige die Landeshauptstadt allein für den Stadtteil Gaarden mit seinen 25 000 Einwohnern insgesamt 100 Millionen Euro Transfermittel. Die Subventionierung der dem Untergang geweihten Werftindustrie in Gaarden anstatt Pädagogen Türkisch beizubringen, habe zu diesem Zustand geführt. Albig skizzierte, wie er dieses Problem ändern will: "Wir brauchen echte, Türkisch sprechende Menschen und nicht Zettel, die Väter und Mütter dazu aufrufen, ihre Kinder in den Kindergarten zu schicken." Außerdem würden Räume für Kinderkrippen benötigt. Und: "Das müssen wir miteinander begreifen - bevor wir die Haushalte konsolidieren."


 

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