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Tricken - Salti und Sprünge für Individualisten

27. April 2009 | Von Michelle Ritterbusch

Aus dem Stand eine Rückwärtsrolle machen - unmöglich? Nicht beim Tricken. Im Sportzentrum der Kieler Universität trainieren zweimal in der Woche acht Studenten spektakuläre Tricks. Der Rückwärtssalto ist für sie eine der leichtesten Übungen.

Und hopp - mit etwas Anlauf springt Sönke Fröhlich mit einem Rad über seine Trainingspartnerinnen Miriam Köhler, Natalie Jung und Eva Haberkern (v. li.). Fotos: Ritterbusch

Mit Leichtigkeit springt er auf einen Mattenstapel, der locker anderthalb Meter hoch ist - aus dem Stand. Mit ein bisschen Übung sei das gar nicht schwer, antwortet Sönke Fröhlich lächelnd auf die Frage, wie er das gemacht habe. Natürlich habe er sich vorher mit ein paar Runden Laufen warm gemacht - das ist das A und O beim Tricken. Danach seien Salti und hohe Sprünge kein Problem. Die Rückwärtsrolle in der Luft konnte er schon nach einer Woche Training. Aber das ist lange her. Über drei Jahre. Mittlerweile beschäftigt sich der 23-Jährige, der an der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) im achten Semester Elektrotechnik studiert, mit anderen Tricks wie einem Salto über drei auf dem Boden liegende Personen.

Die Vermischung von Kampfsport und Turnen gefällt dem Studenten, der "schon immer etwas hibbelig" gewesen sei und gerne Sport macht. Warum er dann nicht Sportwissenschaften studiert? Das sei ihm zu festgelegt, erklärt Sönke. Er möchte nicht eine vorgeschriebene Kür turnen, sondern genießt die Vielfalt und die Individualität, mit denen Tricks in verschiedene Reihenfolgen, den so genannten Combos, gebracht werden können. "Früher habe ich auch mal geturnt", sagt Sönke, "aber dieses Etepetete mit spitzen Schuhen war nichts für mich."

Ursprünglich war Tricken oder auch Martial Arts eine reine Kampfsportart. Um die Jury zu beeindrucken, haben die Sportler immer mehr akrobatische Elemente in ihre Vorführungen eingebracht. So kam es, dass Tricken in Deutschland heute größtenteils auf die turnerischen Elemente ausgelegt ist, während in Amerika das Gleichwicht zwischen Kampfsport und Akrobatik noch erhalten wurde.

Das gefällt auch Sönkes Freundin Natalie Jung. Die beiden haben sich in der Sporthalle kennen gelernt und über den gemeinsamen Sport zueinander gefunden. "Besonders sportlich muss man nicht sein, um tricken zu können", sagt Natalie und fügt hinzu, dass sie selbst anfangs nur einen Handstand konnte. "Eine Rolle vorwärts oder rückwärts sollte man aber doch schon mal gemacht haben", erklärt Sönke, der anfangs fünfmal in der Woche im Sportzentrum der Uni Kiel trainiert hat. Damals hat ihn Christoph Schubert, der zu der Zeit einer der besten Tricker in Deutschland war, in die Kunst des Tricken eingeführt. Jetzt trainiert er nur noch drei und ab und zu vier Stunden, denn Sönke hat Rückenprobleme, mehr ist im Moment nicht drin. Der 23-Jährige trainiert mittlerweile mit acht Kommilitonen, denen er zum Teil beigebracht hat, richtig zu tricken. Auch Natalie ist unter diesen Trainingspartnern. Bei ihr sei das Gefühl schon anders, als wenn ein anderer Bekannter stürzt, sagt Sönke. Denn ungefährlich ist Tricken nicht: Mit seinem Rücken, seinem Fuß, seinem Handgelenk und der Knochenhaut hatte Sönke schon Probleme. Die Sache mit seinem Fuß ist vier Monate her. Er ist zwischen zwei Matten umgeknickt. Acht Wochen sollte er pausieren, es wurden nur fünf. Die Lust zu tricken war einfach zu groß. "Ich habe sofort wieder bei 100 Prozent weitergemacht. Das hat mir mein Fuß bis heute nicht verziehen", erklärt der Student. Dennoch: "Wenn mein Körper irgendwann sagt 'Es ist Schluss’, höre ich auf", hat sich der Kieler vorgenommen. Außerdem gelte beim Tricken der Grundsatz: Immer nur soviel machen, wie man sich zutraut. Dann können Verletzungen auch bei hohen Sprüngen vermieden werden.




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