ECKERNFÖRDER ZEITUNG
Spaß an Hubraum und Chrom
Die Kaputten Jungs" präsentieren einen Chevrolet Caprice von 1984: Stefan Wasse mit Helena Führer (linke Seite) und André Marweg sowie Jan Ehrenberg, Christoph Marweg (rechte Seite), Matthias Fürther und Patrick Mambrey. Foto: Böhm
Eckernförde. Staunend traten die Autofans einen Schritt zurück, als die Boliden einer nach dem anderen heran rollten. "Lass mal hören, was der Motor kann!" riefen die Besucher den Fahrern zu. 170 Straßenkreuzer, viele aus amerikanischen Fabriken, kamen zum Sommertreffen des Eckernförder Autofahrerclubs "Kaputte Jungs". Die Parkfläche am Südstrand war komplett zugestellt.
Wie kam eigentlich die Begeisterung für amerikanische Autos an die Ostsee? Schon 1994 interessierte sich André Marweg, ein Gründungsmitglied der heute 74 "Jungs", für Autos. Dann schraubte er als Bundeswehrsoldat mit einigen seiner Freunde in der Dienstzeit an den Tornado-Kampfflugzeugen herum, die in Jagel stationiert waren.
Schließlich siedelten mehrere der nach Autos verrückten jungen Männer
für die verpflichtete Zeit mit den Flugzeugen und deren Piloten zur "Holoman Air Force Base" nach New Mexiko über. Der Traum von einem Straßenkreuzer erfüllte sich in der Nähe des Ausbildungszentrums für die Waffensysteme der Tornados manchmal wie von selbst. "Mein aus Deutschland mitgebrachter Wagen war noch im Transportcontainer", erinnert sich der 35-jährige André Marweg. "Weil ich ein Auto für die Fahrt zum Flugplatz brauchte, habe ich für 150 Dollar diesen Mercury Grand Marquis gekauft, der hier steht." In den
TÜV-freien USA genügte eine Versicherung zum losfahren, Kfz-Steuer berechneten sich nach dem Kaufpreis. Für den Transport über den Atlantik sorgte die Bundeswehr. Marweg: "Als Verheirateter konnte ich zwei Fahrzeuge mit zurück nach Deutschland nehmen." Allerdings darf so ein Gefährt ein Jahr lang
nicht verkauft werden. Seit seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten im Jahr 2006 nutzen Marweg und die anderen "Kaputten Jungs" das Internet als Einkaufsmarkt.
Das neueste Mitglied des Wagenparks ist ein 1984er Chevrolet Caprice, der vorher in Recklinghausen angemeldet war. Für 3900 Euro wechselte das Gefährt den Besitzer. Dank eines roten Nummernschildes kostet der Liebhaberwagen nur 191 Euro Steuern im Jahr und 175 Euro für die Versicherung. "Damit ist aber nur das Fahren zu solchen Treffen erlaubt", so Marweg, der das aber auch nicht bedauert. Denn der Spritverbrauch des mit 5700 Kubikzentimeter Hubraum ausgerüsteten Wagens erfüllt jedes Clichés. Marweg: "Mit 25 Liter für 100 Kilometer würde ich nicht zur Arbeit fahren."
Die Ersatzteile sind dagegen erstaunlich günstig. Nur 25 Euro kostete das Lenkrad für den gepflegten, plüsch-blauen Innenraum des Chevrolet. Alte Kontakte nach New Mexiko und zum Kieler Autoausrüster "Mike & Franks" waren hilfreich. Insgesamt investierten die Autofreunde nur 1000 Euro für die Inspektion, das Lackieren und die 150 Aufkleber aus Amerika, die den Caprice aussehen lassen wie ein Nascar-Fahrzeug der nordamerikanischen Rennserie, die ursprünglich für Serienfahrzeuge gemacht war.
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