ECKERNFÖRDER ZEITUNG
Schatzmeister der Noerer Geschichte
Noer. Der Raum über den Umkleiden des Sportheims in Lindhöft ist nur knapp 30 Quadratmeter groß, doch wer ihn betritt, dem eröffnet sich eine ganze Welt - die Welt der Gemeinde Noer und die Welt von Peter Schoß, Noerer Dorfdokumentar und Sammler aus Leidenschaft. Seit Jahren füllt der 74-Jährige das Dachgeschoss mit Gegenständen aus der Noerer Vergangenheit. Jeder ist fein säuberlich mit dem Namen seines Spenders und dem Datum der Schenkung versehen, zu jedem Stück kann Schoß spannend und lebendig mindestens eine Geschichte erzählen, denn das hat der pensionierte Lehrer während seines Berufslebens gelernt.
Doch es kommt noch besser: Besucher dürfen in Schoß’ Reich nicht nur schauen und staunen, sondern auch anfassen, was vor ihnen liegt. Der Schatzmeister ist da nicht empfindlich. Sie dürfen alte Landkarten ausrollen, Kleidungsstücke drehen und wenden und antiquarische Bücher durchblättern - alles liegt offen da, ist den Besuchern ohne Hindernisse zugänglich. "So ganz ideale museale Bedingungen habe ich eh nicht", sagt Schoß, der mit Verdunkelung des Raumes und stets einem Auge auf dem Thermometer dennoch versucht, möglichst sorgsam mit den empfindlichen Relikten der Vergangenheit umzugehen. Lediglich in einem Tresor bewahrt er Originalpachtverträge und Originalbücher auf, "Dinge, die man nicht so schnell ersetzt kriegt".
Um die 2000 Gegenstände, Papiere, Objekte hat Schoß zusammengetragen, seitdem er in Lindhöft wohnt. Das sind mittlerweile immerhin schon 34 Jahre. Die Lindhöfer Schulchronik von 1843 bis 1970 in Kopie, die Abwesenheitsliste der Schule in Krusendorf, Fotos vom früheren Holzhandel und Sägewerk Noer, ein handgeschriebenes Kochbuch von Heinrich Schulze, Lehrer an der alten Dorfschule von 1917 bis 1929, oder Mütze und Tasche von Oskar Wulff, der fast 20 Jahre lang die Post in Noer auslieferte - alles das und mehr lässt sich in dem Dorfmuseum finden. Dort sammeln sich Objekte aus allen möglichen Bereichen: Freizeit, Haushalt, Kultur, Schule, Kleidung, Kosmetik, Handwerk und Dokumente. Die Übersicht hat nur Schoß, der jeden einzelnen Gegenstand in einer Inventarliste festgehalten hat.
Zunächst stapelten sich die Objekte bei ihm zu Hause, doch 2000, als der Nassbau am Sportheim angebaut wurde, machte ihm der damalige Bürgermeister Erwin Thomsen ein riesiges Geschenk: "Wenn wir das machen, Peter, dann bekommst du da oben deinen Archivraum", versprach er Schoß, und so war es dann auch. Seitdem unterstützt die Gemeinde die ehrenamtliche Arbeit Schoß’ mit einem Zuschuss, mit dem er die laufenden Kosten decken und manchmal auch das ein oder andere Buch erwerben kann. Die Mehrheit der Objekte, die Schoß im Laufe der Jahre gesammelt hat, sind jedoch Geschenke von Bürgern aus Noer, denn so lautet das Konzept: "Das all das hier auch möglichst mit unseren Leuten zu tun hat", erklärt Schoß.
Und die sind sehr spendabel. "Langsam habe ich Platzmangel" sagt der Vater dreier Kinder und vierfache Großvater. Kleine Dinge könne er immer noch irgendwie unterbringen, aber große Geschenke könne er manchmal schon deswegen nicht entgegennehmen.
Wer Schoß in seinem Reich erlebt, beispielsweise wenn er die Noerer Liebesgeschichte des Grafen von Noer und seiner Ehefrau nacherzählt, der kann kaum glauben, dass Schoß’ jemals daran denke würde, sein Engagement aufzugeben. Aber auch für ihn bleibt die Zeit nicht stehen. "Wenn ich optimistisch bin, sage ich, ich mache es noch fünf oder zehn Jahre, aber irgendwann muss ich mal entscheiden, was in Zukunft damit passiert und die Gemeinde muss sich das auch überlegen", so der 74-Jährige. Bis dahin öffnet er aber noch gerne auf Wunsch seine Tore und ist immer offen gegenüber Anfragen für eine Besichtigung des Dorfmuseums und -archivs.
Lust auf mehr? Die Eckernförder Zeitung jetzt
2 Wochen kostenlos testen.





