ECKERNFÖRDER ZEITUNG
Klima-Aktionswochen 2010
Kaum Schutz bei einer Sturmflut
Eckernförde. Brennende Wälder, überflutete Länder und schmelzende Eisberge: Der globale Klimawandel ist in aller Munde. Nicht zuletzt deswegen platzte das Ostsee Info-Center (OIC) am Mittwochabend förmlich aus allen Nähten, mehr als 80 Zuhörer wollten den Vortrag von Dr. Hans-Jörg Markau über "Klimawandel und Meeresspiegelanstieg an der Ostseeküste - Gefahr und Risiko im Eckernförder Küstenraum" verfolgen. "Hier steht man fast mit den Füßen im Wasser, welch besseren Ort für diese Veranstaltung hätte man finden können", stellte Dr. Markau eingangs fest.
Nach dem Vortrag von Prof. Dr. Mojib Latif am 23. August war diese Veranstaltung die zweite im Rahmen der "Klima, Umwelt & Natur 2010-Aktionswochen in Eckernförde". Nach einer kurzen Einführung in den aktuellen Stand in Sachen Klimawandel stellte der Referent, der am Jungmanngymnasium sein Abi bestanden und an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Geografie studiert hat, schnell den Bezug zum Ostseeraum und Eckernförde her.
Mit Hilfe der Daten des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) sei im gesamten Ostseeraum bis Ende dieses Jahrhunderts ein durchschnittlicher Temperaturanstieg von drei Grad zu erwarten, so Dr. Markau. Was die Eckernförder Touristik erfreue, jedoch zu denken gebe, ist der immer länger werdende Sommer. "Bis 2100 werden wir im Schnitt 17 Sommertage pro Jahr mehr haben als jetzt", so der Klima- und Küstenforscher. Zudem werde es auch mehr Niederschlag (+7,2 %) und bedeutend weniger Schnee (-82 %) geben. "Extremereignisse werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch in Eckernförde häufiger werden", so Dr. Markau weiter.
Aufgrund des Meeresspiegelanstiegs durch die thermische Expansion des Ozeanwassers und das Schmelzen des Landeises sei ähnlich der weltweiten Prognose auch im Ostseebereich ein Anstieg des Wasserpegels von 80 Zentimetern bis zum Jahr 2100 realistisch. Allein im 20. Jahrhundert sei ein Anstieg um 17 Zentimeter festgestellt worden. Diese Zuname wirke sich auch verstärkend auf Sturmfluten aus, so Dr. Markau, der die Trichterform der Eckernförder Bucht als zusätzliches Problem im Sturmflutfall bezeichnete. Einflussfaktoren wie Windrichtung, Windstärke und Wegstrecke des Windes über das offene Wasser würden eine mögliche Sturmflut beeinflussen. Demzufolge könnte eine schwere Sturmflut (mehr als 2,5 Meter über Normal Null) gerade für Eckernförde zu einem Problem werden. Grund dafür sei vor allem der nicht optimale Hochwasserschutz. Sand, Buhnen, Kaimauern und Faschinenwerk würden in diesem Fall nicht mehr ausreichen. "Der Küstenschutz in Eckernförde ist nicht sonderlich gut", betonte der Klimaforscher, der hofft, dass bei den städtebaulichen Projekten "Nooröffnung" und Hafenspitze der Küstenschutz Berücksichtigung findet.
Als nicht unwahrscheinlich bezeichnete Dr. Markau die Möglichkeit einer schweren Sturmflut, ähnlich der aus dem Jahr 1872, als der Scheitelstand des Wassers 3,15 Meter über normal Null erreichte und an der gesamten Ostseeküste 271 Menschen den Tod fanden. Anhand ermittelter empirischer Werte würde eine ähnliche Flut mit 3,5 Meter über Normal Null als ein fünfhundertjähriges Ereignis auftreten und aktuell in Eckernförde einen Gebäudeschaden von 65 Millionen Euro anrichten.
Da im Landeshaushalt gespart werden muss, wird ab 2012 eine Küstenschutzabgabe eingeführt, bei der sich nach dem Vorteilsprinzip betroffene Privatpersonen und Kommunen an den Kosten für Küstenschutzmaßnahmen beteiligt müssen. Sollte also das bereits 1980 geplante Deichbauprojekt zwischen Wehrtechnischer Dienststelle und dem Hafengebiet tatsächlich kommen, würden auch die Eckernförder Bewohner den Klimawandel in ihrem Portemonnaie zu spüren bekommen.
Lust auf mehr? Die Eckernförder Zeitung jetzt
2 Wochen kostenlos testen.





