ECKERNFÖRDER ZEITUNG
Hommage an Siegfried Lenz
Eckernförde. Da sind die resolute Elfi (Dagmar Unzen), ihre eher zurückhaltende Schwester Trudi (Claudia Unzen), garniert mit ihrer Tante Marlies (Petra Moritz), einer Männer hassenden Jungfer, und dazu noch Jürgen Todt als Halbbruder Artus, den die beiden pensionierten Lehrerinnen mehr als eine Art Hofhund und Butler ausnutzen. Mit dem komponierenden Geräuschemacher (Gerhard Breier), der sich mit Mütze verkleidet als weitere Dame ins Geschehen einmischt, präsentierte ein Quintett das fiktiv gestaltete Hörspiel von Siegfried Lenz "Das Labyrinth".
Unverkennbar seine Handschrift, die amüsanten Textpassagen, die zurückhaltend und doch so treffend formulierten Dialoge. Claudia Unzen in bravouröser Manier als "Trudi" und später mit schlichter Kostümierung eines unterschiedlich drapierten Kopftuches in den Rollen der Frau Armbrust , der arroganten Dame Zesch-Zillius und einer Frau Haas. Mal im platten Hamburger Slang, dann wieder in akzentuiertem Hochdeutsch und in der spröden Kindersprache der Trudi.
Zusammen mit ihrer Schwester Elfi hat sie vom verblichenen Papa ein Haus geerbt, auf dessen Grund ein persisches Gartenhaus steht, das zu einem geheimnisvollen Labyrinth führt, aus dem niemand zurückgekehrt ist. Eines Tages erhalten die Schwestern Besuch von einem FBI-Cop (Jürgen Todt), der sich nach dem Verbleib verschiedener Personen und Vierbeiner erkundigt, die alle zuletzt auf dem Grundstück der Schwestern gesehen wurden. Die Erklärung der beiden älteren Damen klingt plausibel. Dann schlüpft Jürgen Todt mit anderer Mütze wieder in die Rolle des Halbbruders Artus, später in die des Burkhard Knopf, der einst großen Liebe von Trudi. Elfi und Tante Marlies hingegen schmieden perfide Pläne, wie sie mit dem Labyrinth Geld verdienen könnten. Es entsteht ihr Plan, gegen eine feste Gebühr, Frauen von ihren unliebsamen Männern zu befreien. Ausgerechnet Trudi ist der Lockvogel. Sie verliert diskret ihr Seidentuch und appelliert an die Kavaliersader der Herren, die letztlich rätselhaft im Labyrinth verschwinden.
In den Textpassagen werden sie von Gerhard Breier unterstützt, der die passenden, selbst komponierten Musiken einspielt oder Geräusche einsetzt, wie Türklappern, Wasser oder Whisky ins Glas schenken. Eine rundum stimmige Performance, bei der es weniger darum geht, den offenbarten Massenmord an rund 60 lästig gewordenen Mannsbildern zu kommentieren, als vielmehr die kleinen menschlichen Schwächen der Figuren durch die Akteure pointiert vorzustellen.
Das Publikum im vollbesetzten Künstlerhaus fühlte sich bei dieser Veranstaltung der Reihe LesArt gut unterhalten und genoss das überraschende Ende. Denn als Trudi unerwartet ihrer amourösen Vergangenheit in Gestalt von Burkhard Knopf wieder begegnet, da begehrt sie auf.
Siegfried Lenz feierte am 17. März diesen Jahres seinen 85. Geburtstag, seine Geschichten indes beweisen seine wahrhaftige Teilnahme am Leben, belegen sie doch seine phänomenale Beobachtungsgabe wie auch die geniale Erzählkunst, die selbst ein fiktiv inszeniertes Hörspiel zum köstlichen Erlebnis macht. Mehr zu den fünf Künstlern unter Kultur@zhok.de.
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