ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Fischhuus: Streit ums Hafenjuwel

13. März 2010 | 06:50 Uhr | Von Arne Peters

Das Fischhuus am Hafen ist im Oktober abgebrannt und soll nach dem Willen des Fischervereins ohne die Zusammenarbeit mit Herbert Schremer wieder aufgebaut werden. Foto: Kleinfeld

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Eckernförde. Das Fischhuus am Hafen soll nach dem Brand im Oktober wieder aufgebaut werden - aber wann das geschieht und ob Herbert Schremer dann noch der Betreiber ist, steht in den Sternen. Der Fischerverein auf jeden Fall hat verkündet, dass er kein Interesse an einer Fortführung des zum Ende des Jahres auslaufenden Pachtverhältnisses mit dem Gastronomen hat und will es kündigen. Das kann er tun, denn: Das Areal mit dem Gebäude inklusive Netzhalle und Gastronomie gehört zwar der Stadt, doch der Fischerverein ist Pächter und hat die Gastronomie an Herbert Schremer unterverpachtet.

Das Aufkünden dieses Vertrages hat sowohl Herbert Schremer als auch Bürgermeister Jörg Sibbel sehr überrascht. "Wir wären an einer weiteren Zusammenarbeit mit Herrn Schremer sehr interessiert", sagt Jörg Sibbel auf EZ-Anfrage. "Aber nicht die Stadt hat ein vertragliches Verhältnis mit Herbert Schremer, sondern der Fischerverein." Gleichzeitig bedauere er die Entscheidung des Vereins und sprach von Dank und Anerkennung für die Leistung Schremers in den vergangenen zehn Jahren.

Dieser versteht die Welt nicht mehr, zumal erst vor zwei Jahren mündlich vereinbart worden war, den Unterpachtvertrag bis zum Jahr 2023 zu verlängern. Das hing mit den zu schaffenden Toiletten im Fischhuus zusammen, zu deren Bau Schremer 20 000 Euro beisteuern sollte. Als Sicherheit verlangte er eine vorzeitige Pachtverlängerung um 15 Jahre. Fischerverein und Stadt waren einverstanden und schufen 2008 die entsprechenden Voraussetzungen, indem sie sich auf einen Nachtrag im Pachtvertrag einigten: Darin stimmte die Stadt einer vorzeitigen Verlängerung des Unterpachtverhältnisses zu. Zu einem verlängerten Unterpachtverhältnis zwischen Fischerverein und Schremer in schriftlicher Form war es aber bis heute nicht gekommen. Schremer: "Wir wollten erst einmal abwarten, bis der Toilettenbau begonnen hat."

Was hat den Fischerverein dazu bewegt, die Meinung zu ändern? Der erste Vorsitzende Christoph-Ole Marckwardt ist nicht zu erreichen. Sein Stellvertreter Jens-Peter Mahrt will zunächst nichts sagen, verweist immer wieder auf Lorenz Marckwardt, den Vorgänger und Vater des ersten Vorsitzenden. Nur soviel: Das Fischhuus soll in ähnlicher Weise wieder aufgebaut werden, "und das besser heute als morgen". Auch Lorenz Marckwardt sperrt sich zunächst: "Der Pachtvertrag läuft aus, und wir müssen sechs Monate im Voraus kündigen, wenn wir ihn nicht verlängern wollen. Über die Gründe müssen wir nichts sagen." Doch dann fallen Stichworte: Ursprünglich sei es vor zehn Jahren festgehalten worden, dass in einem "Fischereizentrum" die Fische der Eckernförder Fischer vermarktet werden sollen, sprich: es einen Imbiss mit Fischgeschäft geben solle. Sein Vorwurf: Herbert Schremer hätte den Fischern nicht genügend Fische abgekauft. "Wir wollen Fisch vermarkten und nicht zwei Butt im Jahr", so Marckwardt. Dem widerspricht Schremer: "Jeder Butt, den wir verkauft haben, stammt von den Eckernförder Fischern. Auch ein großer Teil des Dorsches." Zander und Barsch kamen komplett von den Noorfischern. Er habe aber auch auf Tiefkühlware zugreifen müssen. Drei Jahre lang habe er zudem versucht, den Fisch direkt zu verkaufen. "Wenn er aber nebenan vom Kutter viel billiger zu haben ist, bin ich nicht konkurrenzfähig."

Noch andere Gründe werden von Marckwardt in den Raum geworfen. Einer davon: Schremer würde drei Monate im Jahr schließen und den Fischern so noch mehr die Möglichkeit der Vermarktung nehmen. Schremer dagegen beruft sich darauf, dass diese Schließzeit im Pachtvertrag festgehalten sei, was Marckwardt wiederum bestreitet.

Die Fronten sind verhärtet. Die Stadt hat versucht zu vermitteln - vergebens. Noch hat Herbert Schremer nicht die schriftliche Kündigung des Pachtvertrages erhalten. "Uns würde damit die Existenzgrundlage entzogen", sagt er und behält sich rechtliche Schritte vor. Obwohl bisher schon viel Geschirr zerschlagen worden sei, hoffe er auf eine Einigung.

Die Fischer wollen auf jeden Fall weiterhin eine Gastronomie am Hafen etablieren. Wann es soweit sein könnte, konnte Bürgermeister Sibbel noch nicht sagen. Nur soviel: Im Sommer 2011 soll es auf jeden Fall wieder Fischgerichte am Hafenbecken geben.


 

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