ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Die ganze Ästhetik der Natur auf 90 x 60

03. September 2010 | 04:40 Uhr | Von Gernot Kühl

"Waiting" nennt Werner Bollmann diese Nahaufnahme eines Weißrückengeiers in Masai Mara (Kenia). Foto: Kühl

Eckernförde. Seine Fotos berühren, regen an, sorgen für Emotionen, lassen einen unweigerlich nach der Geschichte hinter dem Foto suchen. 26 Exemplare seiner außergewöhnlichen Profession sorgen derzeit in der St. Nicolai-Kirche für Aufsehen. Und - man glaubt es kaum - es ist seine erste Ausstellung. Vermutlich nur deshalb, weil der Kieler Naturfotograf Werner Bollmann dafür wohl noch keine Zeit hatte und zu sehr mit seiner Arbeit beschäftigt war, mit Reisen, Recherchen, Warten auf den richtigen Augenblick, Fotobearbeitung und die Lieferungen für die sieben Agenturen, die seine Fotos weltweit auf höchsten Niveau vermarkten. Das es nun doch so weit gekommen ist, und ausgerechnet Eckernförde und die Nicolai-Kirche Ort zur fotografischen Auseinandersetzung der besonderen Art geworden ist, hat wohl in erster Linie dem in Eckernförde lebenden Fotografen Heinz Teufel und dem 4. Internationalen Naturfilmfestival Green Screen (9. bis 12. September) zu tun, als dessen "Vorbote" Bollmanns Bilder auch gedacht sind, wie Teufel bei der Eröffnung am Mittwochabend anmerkte. Aber sie sind noch weit mehr als das: "ABC of Nature" (Animal Portraits, Behaviour, Creative Showroom) ist eine gelungene Mischung aus spektakulären Ereignissen, brillanten Verhaltensstudien und handwerklich eindrucksvoll und kreativ in Szene gesetzter Natur. Die Besucher dürften sich nur schwerlich der Faszination entziehen können und werden Teil dieser Begegnung in freier Natur, im kanadischen Packeis, am griechischen Kerkinisee, in der Serengeti Tansanias oder im weniger exotischen, heimischen Kiel.

Ob er denn von gefährlichen Situationen bei seiner Arbeit berichten könne, schließlich habe er dort mit Löwen, Geparden oder Bären zu tun, sei er einst von einem Hörfunkreporter gefragt worden, berichtete Bollmann in seiner Ansprache vor den etwa 80 Besuchern. Er musste ihn enttäuschen: "Das Gefährlichste waren die Autofahrten zum Flughafen." Kein wildes Tier habe je versucht, ihn zu beißen, kratzen oder aufzuspießen. Bollmann dankte in seiner kurzweiligen Ansprache allen Kollegen, mit denen er fachsimpeln durfte und die ihm geholfen haben, "die Bilder zu machen, die ich im Kopf hatte", und allen Menschen, die ihn auf seinen Fotoreisen unterstützt haben.

Bollmanns renommierter Berufskollege Heinz Teufel geriet angesichts der 26 großformatigen (90 mal 60 Zentimeter) Fotografien ins Schwärmen: "Für solche Aufnahmen braucht man eine hohe Begabung und eine hohe ästhetische Intelligenz." Global agierende Naturfotografen wie Bollmann hätten die große Chance, den Menschen die Schönheit der Natur, aber auch problematische Entwicklungen vor Augen zu führen. Daher seien Ausstellungen in einer Qualität wie dieser so wichtig. Teufel forderte in diesem Zusammenhang zum "selbstverantwortlichen Handeln" auf. Nicht unerwähnt ließ er die musikalischen Darbietungen von Gerald Eckert und Beatrix Wagner, die die Ausstellungseröffnung mit den Stücken "Nachtbogen" und "Aisthanomenon" bereicherten und mit starken Beifall bedacht wurden. Der Kirchengemeinde St. Nicolai dankte Teufel für den Raum, der in dieser Qualität sonst nicht im Zentrum der Stadt zu finden sei.

"Wir freuen uns darüber", sagte "Hausherr" Pastor Dirk Homrighausen. Die Fotos seien "atemberaubend und charaktervoll". Sie seien geeignet, die "Begeisterung für die Schönheit der Schöpfung" zu wecken, womit er wieder den Bogen zur christlichen Botschaft schlug. Homrighausen legte den Besuchern der Ausstellung ans Herz, "das ABC of Nature persönlich durchzubuchstabieren".


 

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