ECKERNFÖRDER ZEITUNG
"Die Fülle des Sommers"
Schinkel. Noch ist er dabei, den richtigen Platz für seine Bilder und Skulpturen zu finden. Doch am Wochenende wird alles fertig sein. Zum ersten Mal stellt der Maler und Bildhauer Ulrich Rölfing aus Hamburg im Torhaus, dem einstigen Pferdestall, des Gutes Rosenkrantz in Schinkel aus. "Ich mag den Raum", sagt Ulrich Rölfing, während er sich umblickt. "Er hat Charakter und ganz gutes Licht." Unter dem Titel "Die Fülle des Sommers" zeigt er eine Auswahl an Bildern und Skulpturen. Vor allem Landschaften aus Schinkel und Marokko, die im Sommer entstanden sind. Zur Ausstellungseröffnung morgen um 19 Uhr lädt er herzlich ein.
Geboren wurde Ulrich Rölfing 1958 in Dingden in Nordrhein-Westfalen. Seine erste künstlerische Ausbildung erhielt er bei Bildhauer Raimondo Puccinelli in Italien. Er studierte Kunstgeschichte und Philosophie an der Ruhruniversität, dann Malerei, Plastik und Grafik in Wien. Seit 1996 arbeitet er als freischaffender Künstler in Hamburg und hatte bereits Ausstellungen im In- und Ausland. Ulrich Rölfing ist häufiger zu Gast auf Gut Rosenkrantz bei seinem Freund Eugen Ströh. "Ich habe hier einen kleinen Arbeitsraum", erzählt er. "Die Ruhe und die kraftvolle Natur sind für mich die Lunge zum Atmen."
Für seine Bilder ist er durch die Gegend gelaufen, an Plätze, zu denen er eine Beziehung spürt. Er hat Skizzen gemacht und in der Werkstatt Bilder daraus gearbeitet: Vom Torhaus und Herrenhaus des Gutes, vom Nord-Ostsee-Kanal oder einem alten Trecker, der ihn an seine Kindheit erinnerte. "Die Bäume spielen eine zentrale Rolle", erklärt Rölfing. "Weil sie so unterschiedliche Charaktere haben." Eine Linde und ein Ahorn als Gruppe zusammen, eine herrliche, alte Eiche an der Straße oder Weiden als Baumgruppe am Kanal. "Es waren die warmen Wochen im Juli, der Sommer in seiner ganzen Kraft", so der Künstler. Deshalb der Titel "Die Fülle des Sommers". Mit Eitempera gemalt, leuchtstark, farbintensiv und motivreduziert haben seine Bilder etwas Expressionistisches. Den Kontrast zu den fetten Farben des Schinkeler Sommers bilden die Bilder aus Marokko. "Da ist alles ganz verbrannt", erzählt Ulrich Rölfing. "Eine ganz andere Vegetation, stachelig und hart. Dazu die kubische Lehmbauarchitektur."
Kontraste sind es auch, die seine Skulpturen so interessant machen. So wie die Bronze-Skulptur "Spiraltendenz". Aus dem geerdeten Zentrum in der Mitte öffnet sie sich spiralförmige nach oben, weitend in den Raum hinein, die beiden widerstrebenden Formen dennoch im Gleichgewicht. Rölfing schaut auch dahin, wo sonst wenige Blicke landen. In seinem Buch "Die Wucht des erlebten Schicksals" etwa, gibt er wohnungslosen Menschen im St. Antoniusheim in Westfalen mit Porträts und Geschichten Stimme und Gesicht.
Die Ausstellung in Schinkel ist morgen von 19 bis 21 Uhr und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.
www.ulrichroelfing.de
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