Der Weisse Ring - die erste Instanz für Opfer von Gewalt
Schon 40 Opferfälle in diesem Jahr den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Weissen Rings Uwe Rath (l.), Jens Oltmann (2. v. l.), Ursula Brandt (5. v. l.), Volker Gerdes (2. v. r.) und Dr. Rainer Lindberg (r., auf dem Foto fehlt Reiner Maass) steht ein arbeitsreiches Jahr bevor. Bürgervorsteherin Karin Himstedt (vorn) sowie die Polizeichefs Wolfgang Petersen und Jürgen Brencher (3. und 4. v. l.) unterstützen den Opferschutz. Foto: Kühl
Eckernförde. Über Gerichtsurteile möchte sich Uwe Rath nicht äußern. Dem Leiter der Außenstelle Rendsburg-Eckernförde der Weissen Rings geht es nicht um die Täter, sondern um die Opfer, Ihnen schenken er und seine zwölf ehrenamtlichen Mit arbeiter ihre ganze Aufmerksamkeit und Zuwendung. Denn sie leiden oft ein Leben lang unter den Folgen, ihnen, den vergewaltigten Frauen und sexuell missbrauchten Kindern, möchte der Weisse Ring helfen.
Die Zahlen: 2008 hat der Weisse Ring 228 Kriminalitätsopfer betreut (2007: 225, 2006: 185). Darunter 141 Gewaltdelikte, davon 60 Fälle sexueller Gewalt und 23 Fälle von Stalking (Nachstellung). 165 Opfer sind Frauen, 27 Kinder. Diese Zahl schockt Rath besonders. "Das ist sehr bedrückend", sagte der frühere Leiter der Kriminalpolizei Eckernförde. Mit dem Kind sei häufig die ganze Familie traumatisiert. Menschlicher Beistand und persönliche Betreuung sind das Wichtigste: Besuchen, Zuhören, Gespräche, das Aufzeigen konkreter Hilfen aus dem weiten Netzwerk, über das der Weisse Ring als Opferinstitution verfügt. Opfer dürfen nicht das Gefühl haben, vergessen zu werden, meint Rath. Schon das kann ihnen ein wenig bei der Aufarbeitung des Erlebten helfen.
Neben der menschlichen Zuwendung und dem psychologischen Gespür für die Gefühle des Opfers schaltet sich der Weisse Ring hilfreich bei Behörden- und Gerichtsterminen ein, vermittelt rechtliche Beratungen, Therapien und andere Hilfsangebote, hilft finanziell, setzt sozialrechtliche Ansprüche nach dem Opferentschädigungsgesetz durch und zeigt den Opfern mit Hilfe vieler Experten Wege aus der psychischen oder finanziellen Bedrängnis auf. 30000 Euro kamen im vergangenen Jahr allein im Kreisgebiet zur Auszahlung, um den Opfern direkt und unbürokratisch helfen zu können.
Zu 80 Prozent ist es die Polizei, die dem ehrenamtlichen Mitarbeitern des Weissen Rings Hinweise auf die vorher über die Kontaktaufnahme informierten Opfer gibt, sagte Rath gestern bei der Vorstellung der Einsatzbilanz 2008 im Eckernförder Rathaus im Beisein von Bürgervorsteherin Karin Himstedt und der Polizeispitze, Jürgen Brencher und Wolfgang Petersen. Und die Zahl der Opfer steigt - "ich habe heute morgen den 40. Fall in diesem Jahr auf den Tisch bekommen", sagte Uwe Rath. Darunter immer wieder Vergewaltigungen, die Frauen haben damit oft ein Leben lang zu kämpfen. In einem aktuellen Fall wurde eine junge Frau in ihrer Wohnung vergewaltigt. "Es ist verständlich, dass sie dort nicht weiterleben kann", sagt Rath. Der Weisse Ring unterstützt die Frau bei den Gesprächen mit dem Vermieter, bei der Suche nach einer neuen Wohnung und den daraus resultierenden finanziellen Belastungen.
Der Weisse Ring hilft, berät - und arbeitet vorbeugend. Kinder, Jugendliche und Frauen wird in Kursen vermittelt, wie man von vornherein vermeidet, überhaupt ein Opfer zu werden. Zudem legt der Weisse Ring großen Wert auf die Mitarbeiterschulung. Alle sechs bis acht Wochen findet eine Mitarbeiterbesprechung statt, in denen die Opferfälle aufgearbeitet werden und die Mitarbeiter sich gegenseitig stützen. Zudem werden die Helfer mit einem mehrstufigen Seminarsystem auf ihre Aufgaben vorbereitet und fortlaufend geschult.
Über 1700 Stunden haben die zwölf ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weissen Rings Rendsburg-Eckernförde 2008 aufgebracht. Ein Einsatz, von dem die Opfer keine Minuten missen möchten.
Der Weisse Ring
Der Weisse Ring wurde 1976 von Eduard Zimmermann (XY ungelöst) gegründet. Es ist die einzige bundesweite Opferschutzorganisation mit über 400 Außenstellen und 3200 ehrenamtlichen Mitarbeitern (140 in SH, 12 im Kreis RD-ECK). Wer Mitglied werden möchte (2,50 Monatsbeitrag) wendet sich an die Außenstelle Rendsburg-Eckernförde, Tel. 04331/868949, E-Mail wr-aussenstelle-rd@foni.net. Wer spenden möchte: Spendenkonto 343434, Deutsche Bank Mainz, BLZ 55070040 (Zweckbestimmung Kreis Rendsburg-Eckernförde möglich).
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