ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

"Das Archiv": 700 Fotos aus 58 Straßen

30. November 2010 | 04:20 Uhr | Von Gernot Kühl

Fotosammler Willie Eulert mit dem großformatigen Abschluss seiner Fotobücher "Altes Eckernförde", das ab sofort bei Rieck Weine & Tabak in kleiner Auflage erhältlich ist. Foto: Kühl

Eckernförde. Mit seinem größten und aufwändigsten Projekt hat Willie Eulert jetzt seine Reihe "Altes Eckernförde" abgeschlossen: "Das Archiv". Die 100 großformatigen Seiten (Din-A-3) sind prall gefüllt mit illustrierter Eckernförder Stadtgeschichte der vergangenen 100 Jahre. Rund 700 Fotos hat der leidenschaftliche Sammler Eckernförder Ansichten für sein bisher größtes Werk gesammelt, gesichtet, gescannt, bearbeitet und abgedruckt. Neu ist dabei die Systematik: Eulert hat seine Fotos alphabetisch nach Straßen geordnet - von Altenhof und Am Leuchtfeuer bis Zweiter Steg - insgesamt 58 Straßen finden sich im finalen Eulertschen Eckernförder Fotoarchiv wieder.

Unzählige Stunden hat der Sohn eines Edeka-Kaufmanns aus der Gaehtjestraße vor dem Computer zugebracht, um aus seinem großen Privatarchiv die passenden Aufnahmen herauszusuchen und zu bearbeiten. "Ich scanne seit 1995, damals noch mit Windows 3.1. Da konnte man bei jedem Foto einen neuen Kaffee aufsetzen", blickt Eulert zurück. Die Mühe hätte er sich sparen können, denn die Fotos von einst hat er wegen der ungleich besseren technischen Möglichkeiten von heute alle noch einmal neu eingescannt - eine Zeit raubende Arbeit.

Eulert wollte vorwiegend die Straßen, Plätze und Gebäude zeigen, die es heute nicht mehr gibt. Und davon finden sich in Eckernförde reichlich, weil kaum ein Straßenzug so urtümlich geblieben ist, wie er einst war. Was dabei auch deutlich wird und selbst Willie Eulert immer wieder überrascht: Eckernförde ist zwar immer noch eine hübsche Stadt, hat aber viel von seiner historischen Bausubstanz eingebüßt: markante Wohn- und Geschäftshäuser, Gaststätten, der Bahnhof oder enge Gassen voller Charme und vielen Straßenbäumen, wie zum Beispiel in der Reeperbahn, die nur noch eine wenig einladende Durchgangsstraße mit nur noch äußerst spärlichen Resten an Bäumen und Sträuchern ist. Und Eulert hat darauf geachtet, dass vorwiegend noch unveröffentlichtes Bildmaterial seinen Niederschlag findet. Und da Eulert als Purist bekannt ist, konnte er wegen des Straßenindex als Zuordnungsprinzip auch auf Bildunterschriften verzichtet, so dass die Fotos ihre volle optische und emotionale Wirkung entfalten können.

"Es hat früher in Eckernförde nicht gezogen", sagt Eulert anerkennend über die Straßengestaltung und Gebäudeanordnung der früheren Stadtplaner. Alte, für immer verschwundene Ecken haben es Eulert besonders angetan. Der Längsspeicher am Hafen etwa, das Papageienviertel in der Norderstraße oder der reetgedeckte Ursprungsbau der "Seelust". In der Fotosammlung finden sich viele Kostbarkeiten wie zum Beispiel die Übergabe von Weihnachtsgeschenken eines verkleideten Weihnachtsmannes auf einem Motorroller an den legendären Verkehrspolizisten "Der lange Willy (Melchin)", der an der Kreuzung Kieler Straße/Langebrückstraße/Frau-Clara-Straße/Ottestraße in unnachahmlicher Weise den Verkehr regelte und sich eines großen Zuspruchs bei der motorisierten Bevölkerung erfreute. Ein imposantes Bild stellt auch die vollständig angetretene Belegschaft des Modehauses Markus Witt in der Kieler Straße dar, oder die vielen Strandaktivitäten mit Sandskulpturenbau, Wasserrutsche und Laufrad.

Willie Eulert hat all diese historischen Aufnahmen durch unentwegte Recherchen aufgespürt und damit für die Nachwelt erhalten. Mit der Herausgabe seines nach Straßen sortierten Archivbandes hat er sich nach seinen zehn Fotobüchern einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Für ihn soll es der Abschluss der Reihe "Altes Eckernförde" sein, die er aus Liebe zu seiner Heimatstadt und Leidenschaft am Sammeln alter Fotografien veröffentlicht hat. Finanzielle Interessen hätten dabei nie eine Rolle gespielt. "’Altes Eckernförde" ist nie ein Geschäft gewesen", sagt Eulert, die die Bücher sehr günstig im Eigenvertrieb anbietet. Und auch der neue Archiv-Band ist bei der Quantität und hohen Qualität mit 17 Euro ein echtes Schnäppchen. "Ich kann nicht mehr nehmen, weil ich weiß, dass viele Eckernförder nicht mehr Geld über haben", sagt Eulert, der bei den drei benachbarten Firmen Rieck Weine & Tabal, Krafft Lorenzen und Kornkraft Unterstützung gefunden hat.

"Altes Eckernförde - Das Archiv" ist ab sofort exklusiv bei Rieck Weine & Tabak in der Langebrückstraße 22-24 in einer kleinen Auflage erhältlich. Willie Eulert ist zudem weiter an alten Eckernförder Stadtansichten aus Privatbesitz interessiert, die er in seinem Archiv speichern und somit für die Nachwelt sichern möchte. "Einfach in einen Umschlag stecken und in der Langebrückstraße abgeben", rät der Fotosammler, der noch so manche Lücke in seinem Archiv wie Bleichergang oder Gartenstraße füllen möchte.


 

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