ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Absage an die Schulsozialarbeit

06. Mai 2010 | 06:20 Uhr | Von Ute Thomsen

Krisensitzung: Beate Stuchtey schildert im Beisein des NDR-Teams den Schulleitern Thomas Haß (v. r.), Wolfgang Lerch, Dr. Peter Wenners und Dr. Dietrich Loeber ihre Arbeitssituation. Foto: Thomsen

Altenholz. Kaum ist sie da, wird sie wieder nach Hause geschickt: Ihre Karriere als Sozialarbeiterin an den Altenholzer Schulen wird Beate Stuchtey wider Willen im Juli beenden müssen - nicht einmal ein Jahr nachdem sie sie begonnen hat. Das ist die Spar-Entscheidung der politischen Mehrheit aus CDU und Altenholzer Wählergemeinschaft.

Die heile Welt gibt es jedoch auch an den Altenholzer Schule n mit ihren 1950 Kindern und Jugendlichen längst nicht mehr. Zerrüttete Familien, Gewalt, Alkohol - Kinder und Jugendliche bringen ihre Probleme mit in die Schule, weiß Thomas Haß. Der Leiter der Regionalschule traf sich jetzt mit Beate Stuchtey, Dr. Peter Wenners, Leiter des Gymnasiums, Wolfgang Lerch, Leiter des Förderzentrums, und Dr. Dietrich Loeber vom Projekt "Schülerpaten in Altenholz" sowie einem Thema vom NDR, das für das Schleswig-Holstein-Magazin unterwegs war und die Problematik in Wort und Bild festhielt.

Vor allem bemängeln die Pädagogen, dass keine öffentliche Diskussion stattgefunden hat. Weder sie noch Eltern und Schüler seien einbezogen worden. "Wir haben überhaupt keine Gelegenheit gehabt, uns dazu zu äußern", kritisierte Wenners. Ein Gespräch der Schulleiter mit den Fraktionen im Nachhinein sei ebenfalls ergebnislos verlaufen.

Bei allem Verständnis für die schwierige Haushaltslage der Gemeinde sind sich die Schulleiter einig, dass hier am falschen Ende gespart wird. Haß verweist zum Beispiel auf Eckernförde, wo jüngst vier Schulsozialarbeiter mit zwei ganzen und zwei halben Stellen vorgestellt wurden. Auch der Landesrechnungshof spreche sich ausdrücklich dafür aus, mehr Arbeitsplätze dieser Art zu schaffen. Laut seinen Berechnungen werden im Land allein für das laufende Schuljahr 511 Schulsozialpädagogen benötigt, tatsächlich gab es im Schuljahr 2008/09 nur 148.

Stellungnahmen aus den Reihen der Politik zu erhalten, war für NDR-Mitarbeiterin Christina Habenicht ein schwieriges Unterfangen. Allein Wolfgang Weiß von der SPD erklärte sich dazu bereit. Seine Fraktion halte die Schulsozialarbeit für unbedingt notwendig, unter anderem um sozialer Benachteiligung entgegenzuwirken.

Auch die studierte Erziehungswissenschaftlerin Stuchtey konnte sich frei zum Thema äußern. Bürgermeister Horst Striebich, der sich zurzeit im Urlaub befindet, habe ausdrücklich seine Zustimmung dazu gegeben, sagt sie. Eine Chance, dass sie doch noch ihre Arbeit fortsetzen kann, gibt es nicht. Rein formal ist das Thema abgehandelt, sagt Sozialdemokrat Weiß. Ende des Jahres, wenn die Haushaltsberatungen für 2011 beginnen, dann könne erneut darüber diskutiert werden.


 

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