ECKERNFÖRDER ZEITUNG
Eckernförde
Projekt Kinder-Tagespflege startet durch
Stefanie Kuplin (l.) und Doris Rother wollen sich in dem Kurs als Tagespflegepersonen qualifizieren und in Zukunft ihre Dienste in Sachen Kinderbetreuung anbieten. Foto: sks
Eckernförde. Stefanie Kuplin hat genaue Vorstellungen über ihr Angebot als Tagespflegeperson. "Ich möchte bis zu fünf Kinder aufnehmen und werde eine Betreuung von 7 Uhr bis 16 Uhr, nach Absprache auch von 5 Uhr bis 22 Uhr anbieten, unter Umständen auch sonn- und feiertags." Bis es aber soweit ist, muss die 30jährige zweifache Mutter aus Eckernförde zunächst den Kursus "Grundqualifikation für Tagespflegepersonen" erfolgreich absolvieren. Darüber informierten sie und andere Teilnehmer sich am Donnerstagabend im Rathaus.
Nannte man die Frauen, die bei sich privat fremde Kinder gegen Entgelt betreuten, früher noch Tagesmütter, heißen sie heute Tagespflegepersonen. Diese müssen ganz bestimmten Anforderungen entsprechen, bevor sie die Erlaubnis zur Kindertagespflege erhalten, erläuterte Sabine Scholz-Richter. Die Fachberaterin für Kindertagespflege des Kreises ist zuständig für die Koordination und Ansprechpartnerin für Interessenten, die als Tagespflegeperson arbeiten wollen. Sie gab wertvolle Tipps zur Standort- und Selbstanalyse, stellte Fragen in den Raum, die jeder für sich beantworten solle, bevor er den Kurs zur Grundqualifikation absolviert. Vorab müsse jeder klären, wie hoch der Bedarf an Tagespflegepersonen in seinem Wohnumfeld sei, wie viele andere Tagespflegepersonen es in diesem Umkreis noch gebe, welches pädagogische Konzept man anbieten wolle und wie das eigene Profil aussehe. Unerlässlich sei die Beantwortung der Frage, welche Kinder welchen Alters man aufnehmen wolle.
Träger der Ausbildung ist der Verein "Pädiko", der in Eckernförde bereits die "Marinekäfer" im Marinestützpunkt betreut, wo zehn Kinder unter drei Jahren von zwei Vollzeitkräften und einer Teilzeitkraft (alles Tagespflegepersonen) betreut werden. Geleitet wird das Betreuungsnest von Sozialpädagogin Kirsten Osbahr. Sie informierte die Anwesenden kurz über die Ausbildung: In 160 Unterrichtsstunden, die stets im Block am Wochenende (freitags 17.30 bis 21.30 Uhr, sonnabends 10 bis 16.30 Uhr) stattfinden, werden folgende Inhalte vermittelt: Grundwissen Tagespflege, Sicherheitsaspekte, gesunde Ernährung, pädagogische Ansätze, kindliche Entwicklung, Sprachentwicklung, Bewegungsförderung, Kreativität mit Musik, Kindeswohlgefährdung, Eingewöhnungsphase und Abschied. Großer Wert werde dabei auf die frühe Bildung der Kleinsten gelegt.
Auch Doris Rother möchte den Kursus besuchen. Die 35-jährige Eckernförderin, selbst Mutter dreier Kinder ( vier, fünf und neun Jahre), ist sich sicher, dass "ich das als Beruf ergreifen will." Als Alleinerziehende habe sie so die Möglichkeit, auch ihre eigenen Kinder zu beaufsichtigen. Sie will zukünftig Betreuungszeiten von 6 Uhr bis 14 Uhr bei sich zuhause anbieten.
Mindesteinstiegsvoraussetzungen: 21 Jahre, Hauptschulabschluss, Wohnsitz im Kreis. Sind die Grundqualifikationen erfüllt, muss eine Tagespflegeperson noch Folgendes vorlegen: erweitertes Führungszeugnis für alle im Haushalt lebenden Personen, ärztliches Attest von allen Personen ab 18 Jahren, Erste-Hilfe-Kurs, Konzeption und Grundrisszeichnung der Betreuungsmöglichkeiten. "Ich komme zu Ihnen nach Hause und schaue mir an, ob Ihre Wohnung kindgerecht ist", führte die Fachberaterin weiter aus. So seien zum Beispiel alle großen Glasflächen mit einer Spezialfolie zu bekleben, und es müsse ein 20 Quadratmeter großer Raum ohne Möbel für fünf Kinder zum Spielen zur Verfügung stehen.
In Eckernförde gib es etwa 80 Krippenplätze, informierte Simone Staack-Simon. Die im Rathaus ansässige Ansprechpartnerin in der regionalen Tagesvermittlungsstelle für das Amt Schlei-Ostsee, die Hüttener Berge und die Stadt Eckernförde machte Mut: "Der Bedarf an Tagepflegepersonen ist da. Ich werde schon von einigen Familien gefragt, wir könnten noch Tagesmütter gebrauchen." Eine ausgebildete Tagespflegeperson hat drei Möglichkeiten: Sie kann die Kinder zuhause betreuen, geht in eine Familie oder arbeitet in Kindertagespflegeeinrichtungen wie bei den "Marinekäfer", ergänzte Kirsten Osbahr.
Der Kreis honoriert die Arbeit mit 3,50 Euro pro Stunde und Kind, teilte Sabine Scholz-Richter mit. "Sie schließen einen Vertrag mit den Eltern und regeln den Satz". Bei Eltern mit geringerer Verdienstspanne springe der Kreis finanziell ein.
Wer Interesse an einer Ausbildung als Tagespflegeperson hat, kann sich bei Sabine Scholz-Richter unter Telefon 04331/ 202391 informieren. Der Kurs soll im März im Kreishaus in Rendsburg beginnen. Käme die Mehrheit jedoch aus Eckernförde, könne er auch im Ostseebad stattfinden.
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