ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Preisdruck

Krabbenfischer schmieden Pakt gegen Großhändler

01. Februar 2012 | 09:00 Uhr | Von Dieter Brumm

Nordseekrabben gibt es so viele wie seit Jahren nicht. Foto: dpa

Die Krabbenfischer im Wattenmeer wollen ihre Krabben in Cuxhaven bald selbst verarbeiten, um nicht mehr von Großhändlern abhängig zu sein.

Büsum / Cuxhaven. Das hört sich zunächst gut an: Drei Euro bekommen die Fischer derzeit für ein Kilo Krabben, über viele Monate lag der Preis lediglich zwischen 1,30 und 1,50 Euro. Verbessert hat sich die wirtschaftliche Lage der 216 deutschen Krabbenfischer dennoch kaum. Der Grund: Jeder Kutter fängt durchschnittlich nur 300 Kilo pro Tag. Viel zu wenig, um vernünftig wirtschaften können. "Die drei Euro erhalten wir nur, weil der Handel unbedingt Krabben für den Frischehandel braucht", erklärt André Hamann, Vorsitzender der schleswig-holsteinischen Krabbenfischer.

Dass die Fischer nicht mehr Garnelen aus der Nordsee holen, liegt aber nicht daran, dass es zu wenig gibt. Im Gegenteil: Die Bestände sind so groß wie seit Jahren nicht. Dies haben zwei Fangfahrten des Hamburger Thünen-Instituts für Seefischerei mit dem Forschungsschiff "Solea" ergeben. In der gesamten Deutschen Bucht wurden vor allem in einer Meerestiefe von zehn bis 20 Metern sehr viel größere Bestände angetroffen als in früheren Jahren. Sie befinden sich zudem näher an den Küsten als in den Wintern zuvor. Doch für die kleinen und mittleren Kutter sind die Fanggründe zu weit weg.

Im Sommer füllen sich die Netze der kleinen Kutter

So profitieren im Winter vor allem die großen niederländischen Fangschiffe von den guten Beständen. Doch wenn der Winter vorbei ist und die Nordsee sich erwärmt, ziehen die Krabben näher an die Küste. Dann füllen sich auch wieder die Netze der Kutter, die nicht so weit hinausfahren können. Mit der Folge, dass die Anlandungen zunehmen und die mächtigen Großhändler erneut die Preise drücken werden.

Für André Hamann gibt es deshalb nur einen Weg aus diesem Teufelskreis: Die drei deutschen Erzeugerorganisationen (Büsum, Tönning und Niedersachsen) müssen sich nicht nur zu einer großen Erzeugergemeinschaft zusammenschließen. Sie müssen auch eine zentrale Krabben-Siebanlage aufbauen. "Ein eigenes Siebzentrum ist der Hebel zu besseren Preisen", betont Hamann, der nicht verraten möchte, wie sehr sich die Krabben nach dem Sieben verteuern. Es muss aber ein deutlicher Preissprung sein, denn in den Siebanlagen werden die Garnelen nach Qualität und Größe sortiert.

Ministerien wollen EU-Mittel einwerben

"Wenn wir das selbst in die Hand nehmen, können wir unsere Krabben besser vermarkten und höhere Preise erzielen", unterstreicht der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes, Lorenz Marckwardt aus Eckernförde, das Vorhaben. Die Pläne für eine solche Siebanlage sind bereits sehr konkret. Auch die Ministerien in Kiel und Hannover drängen, denn die Länder wollen EU-Mittel einwerben.

Als Standort für eine zentrale Krabben-Verarbeitung kommt nur Cuxhaven in Frage. "Cuxhaven ist von der EU als Fischwirtschaftsgebiet ausgewiesen", erklärt Ines John vom Kieler Landwirtschaftsministerium. Sie hofft, dass sich trotz aller internen Querelen genügend Krabbenfischer an dem Projekt beteiligen.

160 Fischer müssen mitmachen

"160 müssen mitmachen, dann hätten wir eine jährliche Anlandung von etwa zehn Millionen Kilo Krabben", betont Hamann und ist sicher, dass so die Position der Fischer gestärkt werden kann. "Dann sind wir groß genug und können mit den Großkunden vernünftige Verträge aushandeln."

Auch Lorenz Marckwardt sieht in einer eigenen Siebanlage eine "große Chance" für die Krabbenfischer. "Wenn sie die verpassen, haben sie selbst schuld", sagt der Ostseefischer und appelliert an die "Querköpfe", sich nicht weiter zu verweigern.


 

Leserkommentare

 
K.P. BARNICK 01.02.2012 09:39
Schmerzgrenze erreicht

Seit Monaten kosten diese leckeren Tierchen beim Discounter über 2.- € für 100 g. Nichts zu merken, dass es sie reichlich gibt.
Würden sie 2,50 - 3.- €/100 g kosten würde ich sie nicht mehr kaufen.

DER DER SICH WUNDERT 01.02.2012 10:45
Gut so!

Ich würde auch 7 Euro pro Kg ungepulter Krabben zahlen. Hier hilft nur die Direktvermarktung um einigermaßen Preise zu erzielen was auch schon einige Fischer machen. Leider noch nicht überall und die Fahrtkosten um Fisch zu kaufen wüden es für den Kunden nicht günstiger machen als bei Fischhändler. Ich wünsch unseren Fischern immer volle Netze und eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

HANS ALBERN 01.02.2012 13:36
Mann-oh-Mann

toll, daß die Fischer jetzt nach jahrelanger, demutsvoller Armut, merken, daß ein Zusammenschluß sich vielleicht auf die Großhandelspreise auswirken wird (?)
Nachdem sie sich genausolange gegenseitig nicht das Grüne unter dem Fingernagel gegönnt haben.

"betont Hamann, der nicht verraten möchte, wie sehr sich die Krabben nach dem Sieben verteuern"
Respekt für diese überaus kluge Art von Geschäftspolitik: Ich möchte diese Ware verkaufen, aber ich verrate nicht, wie teuer sie ist.

GROSSES W PUNKT 01.02.2012 13:37
sieben ist nicht gleich verarbeiten - bildunterschrift

Kabben sieben um sie besser an den GH verkaufen zu können ist für mich nicht gleich Krabben verarbeiten.
In Wremen bei Bremerhaven gab es früher auch noch eine kleine Krabbenkocherei, vielleicht will man das ja wieder anleiern ?
Wenn ich mir vorstelle, die Krabben werden nach Polen oder sonstwohin GEFLOGEN um da BILLIG gepult zu werden.

Und, an Herrn Barnick, ich glaube nicht daran, dass es sich bei diesen Discounter-Angeboten um Krabben aus unseren Meeren handelt, ist sicher alles antibiotikaverseuchte Massenware aus chinesischen Tümpeln. Bähhh würd ich nicht essen !
Leckere, frische Krabben dagegen sind Luxus und wer das braucht, muss eben mehr dafür bezahlen.
Meine Meinung.

K.P. BARNICK 01.02.2012 13:55
@GROSSES W PUNKT

Da können Sie Gift drauf nehmen dass das Nordseekrabben sind, allerdings wohl in Marokko gepult.
Allerdings gibt es da auch gefrorene Shrimps, die haben aber mit Büsumer Krabben gar nichts gemeinsam.

KATRIN ENGEL 01.02.2012 15:48
... wir Verbraucher sehen nur die eine Seite

"Seit Monaten kosten diese leckeren Tierchen beim Discounter über 2.- € für 100 g.": Der Verdienst der Krabbenfischer lag soweit ich weiß in dieser Zeit nur wenige Tage mal bei den von ihnen angestrebten 3€, sonst bei um die 1,50€ oder sogar noch weniger - pro kg fangfrischer Nordseekrabben.

Und ob die Siebkrabben vom Großhandel tatsächlich vernichtet werden, kann zur Zeit nicht kontrolliert werden von den Fischern - da würde ich mir wahrscheinlich auch gut überlegen, was ich sage an Hamann's Stelle.

Zusammenhalten oder untergehen heißt es wohl jetzt für die deutschen Krabbenfischer - und gebe es solche Leute wie Hamann, Sander und viele andere (auch Politiker) nicht, die nicht nur meckern und jammern oder nur öffentliche Statements abgeben, sondern endlich die Sache selbst in die Hand nehmen und unterstützen, dann hätten die deutschen Krabbenfischer heute wohl noch nicht mal die Wahl...



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