ECKERNFÖRDER ZEITUNG
Das Schweigen brechen: Theaterstück thematisiert sexuellen Missbrauch
Eckernförde. Marie träumt viel: Am liebsten wäre sie eine Piratenbraut, denn die lässt sich nichts gefallen. Sie ist eine junge Frau, die Opfer sexuellen Missbrauchs wurde und sich in eine Welt flüchtet, in der sie stark ist und sich wehren kann. Marie ist eine Figur aus der Fantasie von Martina Hornburg und Protagonistin des Theaterstücks "Engel weinen nicht" aus der Feder der Autorin und Diplompädagogin. Der "Plot" sei nicht konstruiert, erzählt Hornburg. Vielmehr sei er nach und nach entstanden, zusammengesetzt aus eigenen Erfahrungen in der Arbeit mit von Missbrauch betroffenen Kindern und Jugendlichen. "Ich hatte so viele Bilder im Kopf, dass daraus ein Stück geworden ist." Ein Stück, das unter der Regie von Claudia Piehl nun in Eckernförde gezeigt werden soll und gleichzeitig als Baustein des gleichnamigen Präventionsprojekts "Engel weinen nicht" fungieren soll. Mit der Diakonie-Stiftung fand man einen Partner, um das Projekt finanziell zu realisieren.
Das Stück zeigt mögliche traumatische Folgen des Missbrauchs mit Symptomen wie Panikattacken oder Essstörungen. Hornburg ist nicht nur Autorin, sondern auch Darstellerin - sie verkörpert Marie und zeigt die massiven Probleme, mit denen ein missbrauchter Mensch bis ins Erwachsenenalter zu kämpfen hat. "Man leidet mit Marie, empfindet Empathie und will danach darüber sprechen", sagt Diana Marsche, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes der Kirchenkreise Rendsburg und Eckernförde. Piehl ergänzt: "Die Folgen sind handfest". Dennoch sei es ein künstlerisches Stück und keines, das den moralischen Zeigefinger hebe. Dies gelänge durch die Verknüpfung von Musical-Elementen, Filmsequenzen (die Traumszenen von Marie auf einem Piratenschiff) und das Bühnenspiel.
Angesprochen werden sollen vor allem Schüler ab 14 Jahren. Derzeit wird den Schulen in Eckernförde und Umgebung das Projekt präsentiert. Nach dem Besuch der Aufführungen können begleitende Module nach Absprache in Anspruch genommen werden. Es soll Gespräche mit Schülern, Eltern und Pädagogen, sowohl in der Schule, als auch der Beratungsstelle der Diakonie geben. Hornburg: "Die Hürde für Betroffene zu uns zu kommen, ist dann wesentlich geringer."
.
Lust auf mehr? Die Eckernförder Zeitung jetzt
2 Wochen kostenlos testen.





