ECKERNFÖRDER ZEITUNG
Zapfen und Äste statt Lego und Puppen
Mit Mütze, Schal und Handschuhen halten es die Kinder auch bei eisigen Temperaturen im Wald aus. Foto: Messerschmidt
Holtsee. Sie sind alle dick eingepackt, das Winterwetter macht den 16 Mädchen und Jungen nichts aus, sie sind alle gut gelaunt - kaltes Winterwetter macht ihnen scheinbar nichts aus. Auch bei Minusgraden, Frost und Schnee sind sie draußen, ihr Kindergarten ist der Wald. Nur bei Windstärken ab sieben, Starkregen oder bei Gewitter finden die Kinder und Erzieher Schutz in dem Bauwagen.
Dabei ist die Waldkindergartengruppe aus der Not heraus geboren. Um Kinder unter drei Jahren aufnehmen zu können, brauchte man in der Holtseer Einrichtung Platz. Also wurde kurzerhand die neue Gruppe gegründet - eine schnelle und kostengünstige Lösung. Doch diese ist längst ein Erfolgsmodell. "Wir haben eine Warteliste", sagt Kay Neumann, der mit Sabine Simon die Gruppe leitet. Von Hüttens Revierförster Thomas Kahn sind ihnen bestimmte Waldabschnitte zugeteilt worden.
Die Eltern achten darauf, dass ihre Kinder gerade bei den derzeitigen Temperaturen warm angezogen sind. Sollte es ihnen dennoch kalt werden, dann weiß Kay Neumann, was zu tun ist: "Mit Lauf- und Fangspielen wird es allen wieder warm", sagt der Erzieher, der eine waldpädagogische Zusatzausbildung hat. Viel bewegen sollen sich die Kinder, und dafür sorgt seit kurzem auch "Bosse". Der siebenjährige Labradorrüde von Erzieherin Sabine Simon ist mit im Wald und bei den Kindern bereits bestens integriert. Als ausgebildeter Therapiehund könne er sich auf Kinder unterschiedlichen Alters einstellen, sagt sein Frauchen. "Bosse" spiele mit ihnen Verstecken, zieht sie mit dem Schlitten oder fängt Schneebälle.
Aber auch ohne den Vierbeiner wissen sich die Kinder zu beschäftigen. "Mit Ästen und Zapfen basteln sie kleine Kunstwerke", sagt Neumann. Lego, Bauklötze oder Puppen würden sie im Wald nicht vermissen. Das einfache Spielzeug rege die Fantasie der Kinder an, auch wenn der Erzieher weiß, dass nicht jedes Kind zum Waldkind geboren ist. Freude an der Bewegung müsse vor allem da sein.
Stimmt es denn, dass Kinder, die viel Zeit draußen verbringen, besser gegen Krankheiten gewappnet sind? "Auf jeden Fall", findet Neumann. Die Ansteckungsgefahr sei deutlich geringer und auch er merke, dass er in den zwei Jahren, in denen er die Gruppe leitet, seltener krank wird.
"Wenn mir kalt wird, hüpfe ich einfach", sagt die kleine Antonie, die ihre Waldgruppe nicht mehr missen möchte. Und auch Justus, Lotta und Rebecca wollen gar nicht mehr in das Hauptgebäude zurück. Aber im Vergleich zum vergangenen Winter sei dieser ja noch harmlos erlebt. Auch der Schnee jetzt ist vor allem zum Schneemannbauen noch völlig ungeeignet, haben die Kinder festgestellt.
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